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Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

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Saupp, ...: Denkwürdiges aus der Geschichte des Klosters Wiblingen, [1]
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https://doi.org/10.11588/diglit.18488#0072

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68 —

Klause Herstellen lassen, worin eine An-
zahl frommer Jungfrauen lebie. Nament-
lich seien drei davon unter dem Namen
„die verborgenen Jungfrauen" als heilig
verehrt worden, und viele Leute, besonders
auch ans Ulm seien in ihre Kapelle ge-
kommen. Abt Gottfried habe später die
Bilder dieser drei Jungfrauen am Fuß
des Altars der Muttergotteskapelle an-
bringen lassen. Indessen sei das Franen-
kloster höchstens 100 Jahre gestanden, und
es ist unbekannt, aus welchem Grund es
wieder einging.
27 Jahre lang stand Abt Werner dem
Kloster vor und starb im Rufe der Heilig-
keit i. I. 1126. Wenigstens hat er den
Beinamen der „Selige", ob er nun wirk-
lich selig gesprochen wurde, wofür weitere
Zeugnisse nicht vorliegen, oder ob er nur
als solcher vom Volk verehrt wurde. Er
ist abgebildet mit dem Modell seiner —
romanischen — Klosterkirche auf dem Arm.
In der früheren Kirche sei sein Grab in
der Mitte, rückwärts von der Kommnnion-
bank, vor dem Kreuzaltar gewesen, lieber
demselben sei eine Krypta und ein auf
Säulen ruhender Aufbau errichtet worden,
unter welchem man durch ein eisernes
Gitter auf das Grab habe sehen können.
Sein Todestag ist nach einigen der
2. April, nach andern der 4. Juni. An
letzterem Tag wurden zu seinem Gedächt-
nis alljährlich die sogen. Wernerbrote
geweiht und ausgeteilt, welcher Gebrauch
sich bis zum Schwedenkrieg erhalten habe.
Es seien kleine längliche Brote gewesen,
wovon Erwachsene je zwei, die Kinder je
ein Stück erhalten hätten. Man habe
diese Brote ungemein lange unversehrt auf-
bewahren können und sie seien besonders
in Krankheilen, namentlich gegen Fieber
als wunderbare Heilmittel angewandt wor-
den. Die Weiheformel bestand aus dem
Psalm 127 »Lenti omnes«, einigen Ver-
sikeln und folgender Ovation: »Domiue
jesu Ebriste, tili Dsi vivi, cgui multi-
plioasti cguiupue panes borckeaceos et
cluos pisces, bene ch Oie et rrmltiplica
eleemospuas istas, et tne tibi eas pla-
eabiles pro rerneclio tnmuli tui piae
memorine Werneri T^bbatis et pro
rmimabus taruulorum tamularum^ue 1u-
nrum, cpii ab TVckrrm uscgue in bocliernnrn
cliem, c>uo cle bnc luce clivertcrnnt,

pro cguibus clebitores sumus, puipue
baptmati sunt in nomine Lntris ch et
Uilü ch et 3piritus saucti ch et erecli-
clerunt per Dominum. Leneclictio Dei
ch Lntris et ch Dilii et ch Zpiritus 3. cles-
esnclnt super baue eleemoszmnrn.
/rmen.« — Nach der Erbauung der jetzigen
Kirche wurden die Gebeine des Seligen
in Gegenwart eines bischöflichen Kommissärs
erhoben und in eine eiserne, mit eisernen
Bändern versehene Kiste gelegt, mit amt-
lichem Siegel verschlossen und im Jahre
1782 im nordöstlichen Pfeiler der jetzigen
Kirche eingemanert. Außen ist eine Inschrift
angebracht hierüber.
Was die erste Ausstattung des Stifts
anlangt, so ist nicht sicher bekannt, welche
einzelnen Güter und Gerechtsame die Grün-
der dem Kloster geschenkt haben, da leider
die StiftungS urkunde verloren ging,
lieber diesen Verlust beklagt sich der An-
nalist in ergreifenden und heftigen Worten
und macht die späteren Advokaten oder
Schutzherrn (aus dem Fuggerschen Ge-
schlecht) dafür verantwortlich, als ob sie
absichtlich dieselbe unterschlagen hätten.
Er stellt sogar die Behauptung auf, die-
selben hätten dadurch dem Kloster ähnlich
großen Schaden verursacht wie M. Luther
der katholischen Kirche. —> In den An-
nalen ist über die erste Dotierung bloß
bemerkt: »Dunckako monasterio Aenerosi
itli Domini Otbo et Dartmannus ipsurn
ckotnverunt rnultis temporalibus bonis
per Mrum omnia sua jura super bujus-
rnocli bona libere resiZnantes.« Jeden-
falls ist anznnehmen und ans späteren
Urkunden und Zeugnissen zu schließen,
daß das Kloster von den Stiftern die
ihnen gehörigen Güter in Wiblingen selbst,
die allerdings meist noch unkultiviert sein
mochten, sodann die Dörfer Hüttisheim
und Donaustetten oder wenigstens an-
sehnliche Teile derselben erhielt. Bischof
Gebhard III. von Konstanz habe zum Geschenk
oder Brautschatz der neuen Abtei die
Pfarrei Unter kirch b erg inkorporiert
und ihr damit die Pfarreinkünfte inkl.
Zehnten zugewiesen. Bischof Ulrich I.
habe durch den Zehnten in Hartha u s e n
diese Schenkung noch vergrößert. Auch von
Abt Werner scheint das Kloster bedacht wor-
den zu sein, indem es in den Annalen von ihm
heißt: »et res monaskerii suis praecüis
 
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