Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 163
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ältesten noch vorhandenen und dann weil
gerade von Weissenan ans (und nicht
von Roth, wie Stalin a. a. O. und
nach ihm die Landesbeschreibnng H angeben)
als Mutterkloster die neue Klostergründnng
Sch. besetzt wurde und den ?. Friedrich,
welcher dann schon i. I. 1188 (!) -st sein
soll, als ersten Propst erhielt. Für die
Gründung schon i. I. 1183 spricht schon
der Umstand, daß der eine i. I. 1l88
bereits st Mitstifter Berengar von Sch.
nach der Vergabung in den Orden und
den Priesterstand trat, was doch bei der
Klosteraufrichtung erst i. I. 1188 nicht
der Fall gewesen sein könnte. So
etwas deutet auch schon die Klosterchronik
an, wenn sie in einer der Vor-„Anmer-
kungen" u. a. meint: „. . . . Wen»
man nun die Stiftung in das Jahr 1183
setzt und nach Weissenaner Nachrichten
und dem ?. Vinzenz Rodenbach den Tod
Berengars auf das Jahr 1188 (und nicht,
wie U. Mayr, auf das Jahr 1201), so
kommt man dem Kettenbüchlein weit näher,
welches sagt: „iransactiZ pnucis nnnis
mortuus est eurem UeurOutorum I1ereir§e-
rus"; denn fünf Jahre sind ja eher unter
wenig zu verstehen als 13 Jahre!" —
Der Annahme von 1183 als UrsprnngS-
jahr thnt das Vorkommen des andern Kloster-
stifters Konrad von Sch., der gleichfalls
in das Kloster, aber als Laie trat, als
Zeuge (Lunraclus cle Zeumirrlet) in der
(bei Werren rc. p. 6 und 7, im Ulmer
Ürkundenbnch unter Nr. 15, S. 25
und 26, im w. U. B. ll S. 223, auch
bei Jäger: „Ulm im Mittelalter" S. 720
abgedrnckten) StiftungSnrknnde des Ulmer
WengenklosterS v. I. >183 keinen Eintrag.
Bedenklicher ist da schon, daß Berengar
noch i. I. 1185 als Zeuge „LernZer cle
Lcllrmenriet" in einer im „Eock. cliplomn-
tiaus Zalemitmnus", dem Ürkundenbnch
der Cistercienserabtei Salmansweiler (I,
Nr. 35, S. 57 und 58) abgedrnckten
Salemer Klosternrknnde neben vielen a.
Fürsten, Herrn und edlen Männern ans
Schwaben erscheint; ebenso der Mitstifter

5 Diese Zuschreibung an Roth ist wohl dar-
aus zurückzuführen, das; der damalige Weissenaner
Propst Ulrich von der Tanne, unter welchem die
Besiedlung Schussenrieds erfolgte, vordem dein
Kloster Roth als Mönch angehörte und nicht
lange zuvor von daher zum xraepositus nach
Weissenau „postuliert" worden war.

Lolirackug cle LerminrietU) noch i. I. 118?
als Zeuge in einem weiteren ebendas, unter
Nr. 51 und auch anderwärts abgedrnckten
Salemer Klosterdokument vom 23. Sep-
tember 1187, was, die Klostergründnng
und den Ordenseintritt der beiden Stifter
i. I. 1183 vorausgesetzt, insofern doch
auffallend ist, als es diesfalls von beiden
nicht heißt: monacllns bezw. conversus,
wenn anders überhaupt die Funktionie-
rung zweier einfacher als Mönche an
sich nicht attestierfähiger Kloster-
Mitglieder als U r k u nd s z e u g e n in
jener Zeit, zumal in einer fremden (und
nicht lokalen, aber immerhin ein benach-
bartes Kloster indes nicht desselben Ordens
betreffenden) Sache angängig war?!
Eine dritte durch ?. Roman H a y , Bene-
diktiner in Ochsenhansen und bekannten
Jesnitengegner in der Restitntionsfrage,
V. „mnlieus stesuitnrum" (geb. zu Olz-
reutc bei Sch. i. I. 1588, st in Ochsen-
hansen 1653) in seiner „nula ecclesiaslica"
,'c. und seinem „Irortus Lrusianus" rc.
<x> 333 und 334) aufgestellte Version von
der Klosterstiftiuig i. I. 1187, welcher
auch Martin Zeilcr in seinem „Kleinen
schwäb. Zeitbuch" (S. 24 und 635) folgt,
hat noch weniger für sich. Der Kuriosität
halber fügen wir noch an, daß sich a. a. O.
auch die übrigens durch Hay nachdrücklich
widerlegte Nachricht angeführt findet, Sch.
seie vordem (d. h. vor der Norbertiner-
gründnng) ein Eremitenkloster (!) gewesen.
Bei solcher Sachlage, wo, in Ermange-
lung eines direkten urkundlichen Beweises,
die Zeitangaben über die Aufrichtung des
Klosters — ob 1183 oder 1187 ? — mehr
oder weniger schwanken, immerhin aber
die Belege und Gründe für das Jahr 1183,
nämlich der Weissenaner Koder und daS
Fragment des mortiloZium ec. (von der
allerdings nicht unbedenklichen Funktio-
nierung der beiden Klosterstifter noch in
den Jahren 1185 und 1187 als Nrknnds-

H L o n r a cl 11 s cl e 8 ? 112 e n r i e l. li erscheint
schon in einer (bei Herrgott, Geneal Habs-
burg. V. II. f. 188 Nr. 240 angeführten) Ur-
kunde des Kaisers Friedrich I. ,,öVetnm klein^en"
(-- Mengen) 16. Mai 1160 als Zeuge n. a.
neben Ilertolclus I)ux cle Leriii§ri, Hi,§o I'alri-
Unug Lomes cle "l'uvvin^en, Lomes Kncloltus
cie lUiiillenclors, Lomes IlniNmannus cle Kircli-
der§, Lomes lVlline§o1cliis cle VelirinFen, Lomes
Il^rearclus cle ^olre, Locleiriclus cle Lunclel-
riii§en, LZmolliis cle Ursel in^eii ete. ete.
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