Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Seite: 181
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im Jahr 1300 schon urkundlich erwähnt
als eccIe3iL Luncti lVliclmeiis iir oppiclo
Obernckortcke, aber eigentliche Pfarrkirche
war die Remigiuskirche. In einer Stif-
tungsurkunde der Johanniskaplaneistelle
vom 3. März 1475 wird St. Michael
Kapelle, St. Remigius immer noch Pfarr-
kirche genannt „ecclemn purOclimiis kraim
b7e§§nrum". Wann ist St. Michael Pfarr-
kirche geworden? Drei verschiedene Hypo-
thesen werden hierüber aufgestellt. 1. St.
Michael soll 1494 Pfarrkirche geworden
sein, als Altoberndorf, seither Filial von
St. Remigius, einen eigenen Pfarrherrn
erhielt. 2. Nach anderer Annahme soll St.
Michael im 30jährigen Krieg Pfarrkirche
geworden sein wegen Unsicherheit außer-
halb der Stadtmauern. 3. Andere be-
haupten, 1702 oder 1706 sei die Michaels-
kapelle bedeutend erweitert und damals
Pfarrkirche geworden. Sichere urkundliche
Beweise hierfür fehlen. Unserer Ansicht
nach ist wahrscheinlich St. Michael Ende
des 15. Jahrhunderts Pfarrkirche gewor-
den, denn 1477, 2. Febr., kaufte der
Kirchherr Hans Wölflin zu Oberndorf
ein Haus bei St. Michael zur Psarr-
wohnung, also wurde damals sehr wahr-
scheinlich St. Michael Pfarrkirche. Am
19. Mai 1445 ist die St. Michaelskirche
abgebrannt und fast alle Häuser in Obern-
dorf bis auf nenn (Zimmersche Chronik 1,
367). Ein zweiter großer Brand wütete
in der Nacht vom 21. auf 22. Juni
1780 und zerstörte die Pfarrkirche und
das Pfarrhaus zu St. Michael, das Kloster
der Dominikanerinnen und 81 Häuser
innerhalb zwei Stunden. Die Mauer-
wände der St. Michaelskirche blieben stehen,
Dachstuhl und Einbau wurden zerstört,
ebenso der Turmhelm. Schon im Dezember
1780 trat eine Kommission betreffs Wieder-
aufbau der Kirche zusammen, bestehend
aus Vertretern der Dezimatoren, d. h. der
Zehndherren von Oberndorf. Bezüglich
des Turms wurde beschlosfen: „vom Turm
nichts abzubrechen, auch nichts aufzusetzen
auf denselben, sondern nur die Mauern
mit Schlaudern zu versehen und einen
Helm aufzusetzen nach Art des vorigen
abgebrannten Turmhelms". Der Pfand-
Herr von Pflummern suchte die Restau-
ration zu verhindern und weigerte sich,
seinen Beitrag hiezu mit 2500 Gulden zu

bezahlen. Er ließ deswegen an die Re-
gierung in Freiburg berichten: „daß Kirche
und Turm einzustürzen drohen", weshalb
ein Erlaß von Freiburg vom 28. Juni 1784
befahl: „Die Kirche zu schließen, die zwei
Glocken, welche im Dachstuhl wieder aufge-
hängt wurden, nicht mehr zu läuten und in der
Augustinerkirche im Thal den Gottesdienst
zu halten." Ein zweites Hofdekret vom
3. September 1784 befahl: „Kirche, Pfarr-
haus und Präsenzhaus sollen nicht mehr
aufgebaut, Gottesdienst und Pfarrwohnuug
ins Augustinerkloster verlegt und die Au-
gustiner angehalten werden, dem Pfarrer
als Helfer zu dienen." Die Bürgerschaft
sträubte sich dagegen, ließ Kirche und Turm
untersuchen durch Baudirektor Glenk von
Hechingen, Zimmermeister Johann Georg
Miller von Sulz und Zimmermann Gregor
Schuhmacher von Epsendorf. Ein neues
Freiburger Dekret befahl jetzt den Ban
der Kirche und des Turms. Obervogt
Geiger, welcher fälschlich über den Bau
berichtet hatte, wurde beschämt. 1786 wurde
der Kirchturm hergestellt uud kostete 1145
Gulden, die zwei Risse am Gemäuer wurden
mit eisernen Schlaudern gefaßt, Tnrmhaube,
Glockenstuhl und Dach mit neuem Gebälk
angesertigt in der jetzt noch bestehenden
kunstlosen Form. Vier Glocken gingen
1780 in den Flammen zu Gruud. Die
größte war vollständig geblieben, wurde
aber nicht mehr aufgehängt. Von den zer-
schmolzenen anderen drei Glocke» erhielt
man durch Waschen des Schutts und
Schmelzen noch 62 Zentner und 56 Pfund
Metall an Masseln. Glockengießer Ben-
jamin Grüninger in Villiugen goß 1784
vier neue Glocken, die größte ist 3298
Pfund schwer, die zweite 952, die dritte
576, die vierte wiegt 370 Pfund (Köhler
I. c. 14). 1829, 1845, 1872 und 1894
planten die Oberndorfer eine Turmver-
schönerung, sie wurde aber bis zum Neu-
bau einer Kirche wieder vertagt. 1887
ließ Stadtpfarrer Stiegele den Chor ans-
malen durch Maler Traub in Zwiefalten.
Die drei Altäre sind von Hausch in Horb.
1877 wurde der Hochaltar angeschafft mit
3500 M., 1882 der Marienaltar mit
2800 M., 1884 der Josephsaltar mit
2700 M., 1889 bis 1892 hat Stadt-
pfarrer Brinzinger die Restauration des
Innern vollendet. Das früher weiß ge-
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