Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 184
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ausgeraubt uud getötet worden seien. Ilm-
gekehrt hätten Bewaffnete aus Ulm den
Leuten des Lothar bei Gelegenheit solches
mit Gleichem vergolten; sie nahmen die-
selben gefangen, raubten sie ans und
führten sie nach Ulm zum Tode. Als
nun nach dem plötzlichen Ende Lothars in
Verona die Kaiserwürde an Konrad kam,
da verharrten die vereinigten Bayern,
Sachsen und Italiener in ihrem Wider-
stand gegen Konrad, und es begann da-
mals die unheilvolle Spaltung des Volkes
in die Parteien der Ghibellinen und Guelfen.
Ulm hielt zu den ersteren, Elchingen zu
den letzteren. Als nun nach vielen Nieder-
lagen der Sachsen der Friede wieder her-
gestellt war, verlangte Konrad vom nun-
mehrigen Sachsenherzog, daß er die mili-
tärische Besatzung aus Elchingen entferne
und die Burg herausgebe, widrigenfalls
sie mit Gewalt genommen und zerstört
werde. Da habe der Sachsenherzog den
Vorschlag gemacht, die Burg solle weder
den Sachsen noch den Schwaben gehören,
da sie nur zur Beunruhigung des Vater-
landes und der Umgegend diene. Konrad
habe dem nicht widersprochen, und mit Zu-
stimmung der Eigentümerin Lucia und
der beiden Herzoge wurde nunmehr die
Burg Elchingen mit allen Zubehörden
Gott und der seligsten Jungfrau Maria,
den heiligen Aposteln Petrus und Paulus,
dem hl. Benediktus und dem damaligen
Inhaber des apostolischen Stuhles Lu-
cius II. gewidmet und auf alle Rechte von
den bisherigen Eigentümern für immer
Verzicht geleistet. In dem zu Rom ge-
haltenen Konsistorium sei vor dem Papst
und den Kardinalen hierüber vorgebracht
worden, wie dieser Ort von alters her
eiil Sammelpunkt verzweifelter Existenzen
und Friedensstörer gewesen sei und wenn
er unter weltlicher Gewalt bleibe, erhalte
die Gegend keine Ruhe und Frieden; auch
empfehle sich nicht die Burg zu zerstören
und den hervorragenden Berg ohne Woh-
nung zu lassen, daher wolle man jetzt den
Berg samt dem „babylonischen Turin"
Gott und seinem Stellvertreter auf Erden
überlassen, damit nach Beilegung der welt-
lichen Wirren und nach Vertreibung der
Räuber eine religiöse Stätte errichtet und
Mönche mit Zucht und der Ordensregel
bewaffnet dabin verpflanzt werden, welche

wieder Ruhe und Frieden in die Gegend
bringen und allen zu geistigem Trost
dienen, damit, wo die Sünde überhand
genommen habe, jetzt die Gnade übersließe
und wo Tod verursacht worden, da jetzt
neues Leben erstehe. Voll Bewunderung
hierüber habe der Papst die Stiftung der
Fürsten angenommen und voll freudigen
Dankes den Ort in seine Obhut genommen
und von aller weltlichen Herrschaft eximiert.
— Fürwahr eine erhebende Episode ans
dem Mittelalter ist dieser Ursprung des
Klosters Elchingen, indem ans einer Raub-
ritterburg, ans einem Schauplatz wilden
Faustrechts und roher Gewaltthaten durch
beiderseitige Nachgiebigkeit eine Stätte der
Religion und des Friedens geschaffen wurde,
von wo statt Schrecken, Verwüstung und
Tod nunmehr Segen, Trost und Gnade
über das Land ausströmte. Hätten die
feindlichen Parteien der Guelfen und
Ghibellinen auch anderwärts sich ähnlich
verglichen, wie viel Blut und Unheil wären
erspart geblieben!
Da der Annalist aus dieser Zeit über
die Geschichte des Klosters Wiblingen
wenig Stoff fand — als Ursache giebt er an
„temporis ineckia, scripkorum ne§IiAen-
kia, kurbulenti temporis inicjrnkns" —,
so kommt er auf verschiedene Personen
und Ereignisse jener Periode zu sprechen.
So erwähnt er den Tod eines Abts von
Einsiedeln, Selinger Baro de Wolhansen,
welcher seinen in mehreren Feldzügen er-
worbenen Ruhm und allen Pomp der
Welt verschmäht und seine reichen Be-
sitzungen für den Dienst der Mutter Gottes
im Kloster Einsiedel» verwendet und mit
seiner Gattin nebst drei Söhnen sich als
Opfer auf deren Altar geweiht habe.
Sodann kommt er bei der Anführung der
Bulle Eugens II!. auf diesen Papst und
seinen Lehrmeister, den hl. Bernhard
zu sprechen und hebt namentlich deren
Bemühungen hervor, um die Fürsten des
Abendlandes zu einem Kreuzzng zu ent-
flammen, den König Ludwig von Frank-
reich besonders rühmend. Mit jener glor-
reichen Zeit vergleicht er die unselige Zeit,
da er dieses schrieb, indem damals der
König von Frankreich den Krieg gegen
Katholiken und gegen den römischen Kaiser
führe unter einem häretischen Feldherrn
und bereits Tausende von Menschenleben
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