Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Page: 185
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geopfert habe. Angesichts dessen bricht er
in Gebetsworte aus, der dreieinige Gott
möge die Herzen, wie die Pläne und
Waffen der drei Fürsten, des römischen
Kaisers, des allerchristlichsten Königs von
Frankreich und des katholischen Königs
von Spanien so vereinigen, daß sie gegen
die Feinde der Kirche kämpfen und der
Kirche den Frieden verschaffen. Aber ein
anderer Ludwig, ein Gegenstück des hl. Lud-
wig, habe sogar mit den Türken znm Ver-
derben des christlichen Erdkreises ein Bünd-
nis geschlossen, „o Zceierata, umbitio!"
ruft er zum Schluß aus.
Sehr anmutig und interessant sind die
weiteren Nachrichten über die Stifters-
familie von Kirchberg. Ans die Gründer
Hartmauu und Otto folgte etwa i. I. 1128
als Schutzherr des Klosters Wiblingen
der Sohn des ersteren: Hartmann II. und
auf diesen i. I. 1147 dessen Sohn Eber-
hard I. Beide sollen im Krieg die Partei
des bayerischen Herzogs ergriffen haben,
und Eberhard ließ sich von diesem zum
Kampf gegen den Pfalzgrafen von Tü-
bingen anstiften und war bei der Belage-
rung Tübingens i. I. 1165 gegenwärtig.
Sie wurden deshalb heftig angefeindet
und ihre Besitzungen wiederholt verwüstet;
doch seien sie tapfer für die Rettung und
Verteidigung des Klosters thätig gewesen
und namentlich Eberhard habe gewaltthätige
Angriffe nach Kräften abgewehrt. Nach
einem Bericht Jakob Fuggers wäre Hart-
mann II. „driplici prole deatus" ge-
wesen als Vater von Eberhard I., Hart-
mann III. und der Jnditha. Indessen
lassen sich die Daten besser zusammen-
reimen, wenn die andere Genealogie, die
sich auch iu Braigs Werk findet, festge-
halten wird, wonach Eberhard I. drei
Kinder hinterließ, nämlich Otto II., Hart-
mann III. und die Tochter Jnditha. Ju-
dith« „liirAunelupsu Itlla vul^o LMellatZ,"
ist die berühmte Heldin der Sage und des
Dramas: „Jtha von Toggcnburg".
Dieselbe habe sich i. I. 1179 mit dem
Grafen Heinrich von Tockenburg vermählt,
die Ehe fei glücklich gewesen, nur daß der
Mangel von Nachkommenschaft dem vollen
Glück Eintrag gethan habe. An deren
Stelle seien indessen die Armen getreten,
für welche sie ihren Reichtum verwendeten.
Nun folgt weitläufig die bekannte Erzäh-

lung, wie ein Rabe, als Jtha ihre Kost-
barkeiten musterte, den Ehering in sein
Nest trug, den ein Jäger fand und öffent-
lich zeigte, worauf ein Diener dem Grafen
Anzeige machte und in ihm den Argwohn
von der Untreue feiner Gemahlin weckte;
wie Heinrich dann im Jähzorn den
Jäger an den Schweif eines wilden
Pferdes binden und töten läßt und seine
Gemahlin durchs Fenster in eine 400
Ellen tiefe Schlucht hinabstürzte. Die
keusche Matrone aber sei durch höhere
Hand beschützt unversehrt geblieben, habe
sich bis zur Nacht verborgen, sei dann im
Vertrauen auf ihre Unschuld und Gottes
Beistand weiter gegangen und habe die
Einsamkeit aus dem „Rappenstein" aufge-
sucht, um hier ein heiliges Bußleben zu
führen, bis sie durch Zufall von einem
Jäger nach Jahren entdeckt wurde. Der
zerknirschte Graf kam zu ihr, bat um
Verzeihung und wollte sie bereden, wieder
zu ihm zurückzukehren. Sie aber er-
klärte, für sich und Christus leben zu
wollen und bat um eine Hütte, um da
ihre übrigen Lebensjahre znbringen zu
können, lebte dann im sogen. „Hvrnle"
(moirs cornntus) nahe bei einem seit
alter Zeit verehrten Heiligtum Marias.
Auch habe sie öfters das benachbarte
Nonnenkloster Vischingen besucht, wobei
sie einen Hirsch als Begleiter hatte, der
iu den 12 Zweigen seines Geweihes ebenso-
viel brennende Kerzen gehabt und ihr bei
Nacht den Weg beleuchtet habe. Schließ-
lich sei sie ganz in dieses Kloster einge-
treten, habe aber eine von den andern
abgesonderte Zelle bewohnt und ein wun-
derbar heiliges Leben geführt. Dabei
habe sie unglaubliche Anfechtungen und
Belästigungen der bösen Geister aushalten
müssen, die ihr Leim Beten in der Nacht
das Licht ausgelöscht, beim Kochen das
Feuer zerstört und sie mit allen möglichen
Schrecknissen gequält hätten. Als einmal
wieder das Licht ausging, und der Geist
Angen und Herz in Finsternis hüllte, sei
sie voll Gottvertrauen ans Fenster des
Zimmers gegangen und habe den Leich-
nam des nächsten Grabes angeredet, er
solle ihr Licht machen, und, gesagt gethan,
der Tote habe Licht gebracht und deutlich
die Worte gesprochen: äe murnu
lneuIunren'I'c>AAelrbur§icum6e17nmiiiu."
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