Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Seite: 31
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purMtivL, die vin, der Weg, welchen
Christus auf sich selbst bezieht, indem er
!"gte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit
und das Leben." Sinnbildlich ist hier das
Leben im Glauben und die Belehrung in
den Glaubenswahrheiten ausgesprochen.
Es unterliegt mitbin keinem Zweifel,
daß diese nach christlicher Idee vorgesehene
Raumgliederung der christlichen Kirchen
und die Bildwerke innerhalb derselben in
eine christliche Ikonographie ausgenommen
werden müssen. Der denkende Christ
erwartet es gar nicht anders, als daß ihn
über diese Dinge ein Handbuch der christ-
lichen Ikonographie belehre. Hier kann
ich mich bezüglich dieser Frage kurz fassen,
da ich im 19. Bande meiner „Bildenden
Künste im Großherzogtum Baden" bei
Besprechung des Speyerer Domes ein-
gehend davon gehandelt habe. Der christ-
liche Kirchenbau ist die Elementarlehre der
christlichen Ikonographie. Nicht aus einem
Lehrbuche der katholischen Dogmatik, sondern
aus der Beschaffenheit des Ortes, an welchem
der sakramentale Christus gegenwärtig ist
und das heilige Meßopfer dargebracht wird,
wächst die christliche Kunstlehre und christ-
liche Ikonographie heraus.
Die bekannten und fast in jeder gotischen
Kirche vorkommenden Embleme sind die
schwörende Hand für Gott Vater, das
Kreuz für Christus, die Taube oder der
Stern für den heiligen Geist. Man hat
die schwörende Hand auch als segnende
Hand erklärt, was jedoch unrichtig ist,
denn bei der segnenden Hand berührt der
Ringfinger den Daumen. Die schwörende
Hand bezieht sich auf die Worte: jurnvit
Dominus ek non poenitedit eunr. Da-
mit ist das Versprechen der Erlösung an-
gedeutet. Der Stern als Symbol des
heiligen Geistes bezieht sich auf den Stern
der drei Könige, welcher als Symbol des
heiligen Geistes gilt, weil er die Könige
des Ostens nach Bethlehem führte.
(Fortsetzung folgt.)
Vor loo Mhreu. — Aufzeichnungen
auS einem Wostertagevuch
über die letzten Kriegszeiten der
^enediktinerabtei Neresheim (1800
bis 1802).
Den 3. Juli, morgens 10 Uhr reiste
'ch wieder von Dinkelsbühl ab und kam

abends 6'/s Uhr in Neresheim gut, aber
vom Reiten sehr ermüdet an. Der Kloster-
mezger, seine Frau und seine kleine Tochter-
Waren meine Reisegefährten. In Bop-
fin gen jagte man uns einigen Schrecken
ein, indem mehrere Leute, unter anderen
ein Bote vom Städtchen Neresheim, uns
entgegenliefen und sagten, daß die Franzosen
neuerdings in Auernheim, und nun wohl schon
in Neresheim sein werden. Ich habe schon
zu viele Franzosen gesehen, als daß ich mich
durch diese Nachricht von der Fortsetzung
meiner Reise hätte abhalten lassen. Nur hatte
ich Mühe, meine Reisegesellschaft und andere
zurückkehrende Emigrierte, welche sich an mich
angeschlossen hatten, zu beruhigen. — Den
4. Juli: Der Namenstag unseres Paters
Superior ward wie gewöhnlich ruhig ge-
feiert. Am Abend hatten wir wieder einen
Besuch von einem französischen Verpflegungs-
offizier, der wegen dem Accord, den wir
in Rücksicht unserer Naturalienliefernng
mit einem seiner Kollegen gemacht haben,
in Verlegenheit war, und hier Beruhigung
suchte. Wir schickten deswegen unseren
Kanzleirat mit ihm nach Donauwörth,
und bei dieser Gelegenheit auch nach Augs-
burg, um wegen der, von einem vorgeb-
lichen Kreisansschuß ausgeschriebenen Na-
tnralienlieferung für die französische Armee
sich näher zu erkundigen. — Am 5. Juli:
Unter so vielen Ereignissen, welchen wir
seit vier Jahren so oft ausgesetzt waren,
ist keines, das dem gleich käme, welches
wir heute abend hatten. Um 6^4 Uhr spreng-
ten 45 kaiserliche Kavalleristen, Ulanen und
Husaren zum Thor herein; — der Ser-
geant unserer Lauve §nrcle ging ihnen
sogleich entgegen und zeigte ihnen seine
Ordre vor, allein sie waren damit nicht
zufrieden und sagten, es seien hier noch
mehrere Franzosen verborgen, die keine
Lnnve Znrckisten wären. Und unter diesem
Vorwände liefen sie wie rasende Leute
mit bloßen Säbeln im Kloster herum,
Geistliche, Brüder, Bediente, und alles was
ihnen in den Weg kam, drohten sie zu
massakrieren, wenn man ihnen die verbor-
genen Franzosen nicht zeige. Sie wollten
mit Gewalt in die Abtei und Klausen ein-
brechen, und wir mußten ihnen beide öffnen
und durchsuchen lassen. Was sie Eß-
und Trinkbares antrafen, verschlangen sie
mit Heißhunger, wie ausgehungerte Hunde.
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