Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 33
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Organ für Geschichte, MtertumDuiide,
Munst und Ltuitur der Diücese Kotteuüurg und der angrenzenden Gebiete.
lseransgegeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Berit i>> KavenKburg.
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stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellungen und Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstraße 94, gerichtet werden.

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tr.
atz«-

1'd. S. Lur gltervn Geschichte der
Vfarrei Anlingen (GA. Kiedlingen.)
Unlingen lag politischerseits ur-
sprünglich in der MnnterichShnntcire,
einem Teil der alten Folcholtsbar,
welcher später in der Eritgaugrafschafl
aufging. DaS Grafenamt hatten in dieser
Gegend bis weit in die zweite Hälfte des
zehnten Jahrhunderts hinein die mächtigen
und reichen A l a h o l f i u g e r , Nachkom-
men des i. I. 748 gestürzten aleman-
nischen HerzozShauses, zu deren Ahnen
sehr wahrscheinlich auch jener Bertold
(„nobilissimus ^.lemnnnorum") gehörte,
welcher i. I. 724 an der Gründung des
Klosters Reichenau beteiligt war. In der
Bussengegeud befand sich der eigentliche
Stammesbesitz und Mittelpunkt der Ala-
holfingermacht (E. Krüger in der Zeit-
schrift f. Gesch. des Oberrheins 1892,
S. 507) und auch in Unlingen war dieses
Geschlecht begütert. Die Klöster St. Gallen
und Reichenau wurden von ihnen reichlich
mit Gütern ausgestattet. Nach einer an-
geblichen Urkunde Karls des Großen vom
Jahre 811 (Württ. Urkundenbuch I. p. 72)
schenkte auch ein Graf Gerold Güter
zu „Unlaeugeu" dem Kloster Reichenau.
Ob nun der bekannte Graf Gerold/) der
>) Dieser berühmte Alemanne, der von spä-
teren Geschichtsschreibern Graf vom Bussen ge-
nannt wird, stammt mütterlicherseits von dem
alemannischen Herzogshaus ab (über seinen Vater
gehen die Ansichten weit auseinander); er konnte
also wohl Alaholfingergut in Unlingen in Be-
sitz gehabt haben, das er später, wie viele andere
Güter, dem Kloster Reichenau schenkte. Freilich
ist die Lesart betreffs dieses Namens schwankend;
E. Krüger spricht (a. a. O. S. 481 Anm. 1)
nur von einem „wohl fabelhaften" Grafen Ge-
soldus (Gosaldus).

Schwager Karls des Großen und nach
Thassilos Sturz oberster Graf in Bayern,
der am 1. September 799 im Krieg gegen
die Avareu siel, oder ei» anderer der
Stifter gewesen sei, ist unentschieden; jeden-
falls kann eine solche Schenkung nicht
bezweifelt werden, obwohl jene Urkunde
eine Fälschung des Kustos und Schola-
stikus Odalrich aus dem 12. Jahrhundert
ist/) Thatsächlich befand sich die Abtei
Reichenau schon frühe im Besitz von Un-
linger Gütern, wie auch aus dem (aller-
dings ebenfalls von Odalrich gefälschten)
Gabenverzeichnis des Abts Walahfried
Strabo vom Jahre 843 (Württ. Urkunden-
buch I. x>. 224) hervorgeht, welches von
Unlingen „L Uns, Zellen muk ?uo§e-
MÜ568, xzin soirr Iruri§ (Honig) nur solinfs
uiicl V IruspLS (Stränge) von rver<:li"
als jährliche Abgabe verlangt/) Das
') K. Brandi, die Reichenauer Urkunden-
fälschungen (Quellen und Forschungen z. Gesch.
der Abtei Reichenau I. 1890) S. 14 und 44.
Zu vergl. Memminger, Oberamt Riedlingen,
S. 8 und Buck, derBussen und s.Umgebung 1868
S. 66. Neuerdings giebt auch R. Maag (Das
habsburgische Urbar I, 1894 S. 386 Anm. 4)
zu, daß die gen. Urkunde „doch wohl auf wirk-
lichen Thatsachen" beruhe. Jedenfalls ist in der-
selben Klosterbesitz in den darin genannten Orten
im Anfang des 9. Jahrhunderts vorausgesetzt.
Zweck der Fälschung war nur die Regelung der
Vogteiverhältnisse in der Donaugegend, weil das
Benehmen des Klostervogts wohl manches zu
wünschen übrig ließ. Eine sachliche Fälschung war
nicht beabsichtigt (Brandi a. n. O. I, S. 88).
/ Uebersetzung Oehems in seiner Chronik von
Reichenau, neu herausgegeben von Brandi in
Quell, und Forsch, z. Gesch. d. Abtei R. kl
S. 52 f. Die Spitze der Fälschung ist gegen
die Fischergenossenjchaft des Klosters gerichtet.
Für den Text wurde ein vorhandenes jüngeres
Verzeichnis benützt (Brandi n. a. O. I, S. 43 f.).
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