Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Seite: 44
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von Sickingen, der 1504 hingerichtet
wurde und bekanntlich der Vater des be-
rühmten, aber auch bescholtenen Franz v.
Sickingen ist. Sie starb 1507 und mit
ihr erlosch das Geschlecht der Puller. Das
Wappen des Konrad Puller 1262—1301
ist nach dem Manesse Kodex der gelb und
blau gespaltete Schild, ohne den fünf-
strahligen blauen Stern im gelben Felde.
Ob bei demselben die rote oder blaue Tiu-
tur die richtige sei, kann ich nicht ent-
scheiden. Auf dem Grabmale von 1547
des Hans von Sickingen, des Sohnes
des Franz in der Kirche zu Sickingen, ist
der fünfstrahlige blaue Steen in Gold.
Aber ans dem Grabmale des jüngeren
Franz v. Sickingen von 1597 ist der gol-
dene fünfstrahlige Stern im blauen Felde.
Es scheint mithin, daß bezüglich des Platzes
und der Farbe des Sternes keine sichere
und feste Tradition bestand. Entscheidend
ist vielleicht das Wappen der Hohenburg
im pfälzischen Lehenbuch von 1470, das
aber Zaugemeister nicht zu Rate zog. Erst
nach dem Tode des Konrad Püller von
Hohenburg scheint die Familie den Stern
in das goldene Feld ihres Wappens aus-
genommen zu haben. Möglicherweise ist
derselbe jenem erst von Rudolf von Habs-
burg oder von König Albrecht verliehen
worden. Die Püller oder Buller von
Hohenburg haben aber noch ein anderes
Wappen geführt, von welchem hier etwas
gesagt werden muß.
Das andere Wappen der Püller oder
Buller, das sie 1329 geführt haben, be-
steht in einem aufgerichteteu, kampfbereiten
Löwen. Ein Eberhard Buller hat 1329
auf seinem Siegel einen solchen Löwen mit
der Umschrift siZillum Uderlrurcki Luller
Oe (Zeispotrlleim. S. Moue, Zeitschr.
f. d. G. d. Oberrh. 14 S. 399, 400 und
die Urkunde Bd. 8 S. 177, worin sich
der Dichter „Conrat der Pnllere" 1301
nennt. Leider ist bei der zuletzt citierten
Urkunde das Siegel abgegangen. Um diesen
Widerspruch im Pullerschen Wappen zwi-
schen 1301 und 1329 zu erklären, muß
mau aunehmen, daß Konrad der Pnllere
noch das Rordors-Kallenberger Wappen
führte, aber sein Neffe den Zweibruckscheu
Löwenschild als Zweibrücker Vasall an-
genommen habe.
(Fortsetzung folgt.)

Var too Jahren. — Aufzeichnungen
aus einem Vriostertagebuch
über die letzten Kriegszeiten der
Benediktinerabtei Neresheim (1800
bis 1802).
(Fortsetzung.)
Im Kreisausschuß sind gegenwärtig von
seiten Konstanz': die Deputierten v. Baur und
Lassolay; von seiten der Reichsprälaten: der
Herr Kanzler Schott von Ochsenhausen
und der Kanzler Seyfried von Salmans-
weiler; von seiten der Reichsstädte Augs-
burg und Memmingen? Moreau bestimmte
selbst die Requisition der zu liefernden
Sachen, die in Kernen, Roggen, Haber, Heu,
Fleisch, Schuhen, Hemden und Geld be-
stehen. Neresheim blieb von den drei
letzten Artikeln ganz verschont und war
i» den übrigen genau nach dem Matiku-
laranschlag angelegt. Ein neuer Beweis
von Moreaus guter Gesinnung für uns!
In der heutigen Konferenz haben wir be-
schlossen, den ärgerlichen Vorfall, welcher
sich am 5. d. M. hier mit der kaiserlichen
Patrouille ereignet, sowohl an das kaiser-
liche als an das französische Generalkom-
mando zu berichten. — Den 8. Juli: Da
der Vorrat von Wein ziemlich zusammen-
geht, so schickten wir gestern den Küfer
nach Wallerslein, um nachzufragen, ob wir
da Wein bekommen könnten. Heute kam
er mit Mustern zurück. Ich, k. Sub-
perior, ?. Kellermeister und k. Groß-
keller traten zusammen und beschlossen, zwei
Wägen Wein von geringerer Gattung, den
württembergischen Eimer zu 105 sl. zu
kaufen und morgen abholen zu lassen. —
Den 9. Juli: Nach dem gestrigen Beschlüsse
ging heute ?. Großkeller, von einer
Snuve Znrcke begleitet, nach Wallerstein,
um Wein einzukanfen und sogleich hierher
zu führen. Er kam abends mit zwei
Wägen, auf welche zwölf württembergische
Eimer geladen waren, zurück. In Aalen,
Lauchheim, Bopfingen, Kirchheim, Nörd-
lingen, Wallerstein rc. rc. waren heute
Franzosen und trieben Kontributionen an
Geld und Pferden ein. Die Kaiserlichen
sind aus der ganzen Gegend verschwunden.
Der Dreißigste für Pater Hubald selig,
den wir bisher verschieben mußten, ward
heute gehalten. Der Sergeant unserer Lnuve
Aarcke schickte heute seinen Bericht wegen
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