Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

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dem Vorfälle c>m 5. Juli mit den Kaiser-
lichen an seinen Obergeneral. Ich setzte
ihm denselben auf und legte selbst ein
Schreiben au Moreau bei. — Den 10. Juli:
Mittags lOllr Uhr zog ein Detachement
französischer Kavallerie, das seit einigen
Tagen in und um Dischiugen lag, bei uns
vorbei nach Lauchheim. Es machte Miene,
zu uns herauf zu kommen, allein unsere
Lnuve §nr6e, die ihnen sogleich entgegen-
ging, wies ihnen den Weg ins Städtchen,
wo sie Bier und Brot verlangten, und
dann ruhig wieder weiter zogen. In Stetten
forderten einige zurückgebliebene ein Pferd,
ließen sich aber dafür mit einigen Kronen
abspeisen. In Elchingen gab man ihnen
Bier und Brot und einen Boten nach
Hüten, sonst verlangten sie nichts. Abends
erhielt ich einen sehr schmeichelhaften Brief,
den mir General Bertrand, Chef des Großen
Generalstabs, von Augsburg her im Namen
des General Moreau schrieb. Er enthielt
die Antwort auf mein Schreiben an Mo-
reau, worin ich ihn um eine legale orckre
für die vier Husaren, die hier als Lnuve
ZarUisten bleiben wollten, bat. Er be-
willigte meine Bitte, schickte die Orckre in
optima forma, allein sie kam leider zu
spät hieher, weil sie auf der Post zu Dil-
lingen zu lang liegen blieb. — Den 11.Juli:
Nach der im Prioratsbuche enthaltenen Vor-
schrift ward heute wegen Abwesenheit des
Abtes die Gelübdeerneuernng nicht vorge-
nommen. Sonst ging alles wie gewöhn-
lich vor sich. — Den 12. Juli: Heute
morgens 5 Uhr trat ich in Gesellschaft
des Herrn Kanzleirats eine Reise nach
Augsburg an. Folgende Gründe bewogen
mich dazu: 1. Der unangenehme Vorfall
vom 5. Juli; 2. die Kontributionen, welche
der französische General Drouhot in Wal-
lerstein, Nördlingen, Dinkelsbühl re. an
Geld und Pferden ansschrieb und denen
ich bei der Generalität in Augsburg Vor-
beugen wollte, weil Drouhot wahrschein-
licherweise auch zu uns kommen wird;
3. die von dem Konnte des schwäbischen
Kreises uns zugeteilte Lieferung, welche
noch nicht vollkommen in Ordnung ist;
4. mich, im Falle Moreau noch in Augs
bürg wäre, für die Sicherheit des gnädigen
Herrn und der zwei Herren Neichsprälaten
von Elchingen und Zwiefalten zu verwenden;
5. die Zurückkehrung unserer Wägen und

Pferde, die noch nicht zu Hanse sind, zu
betreiben. Abends 5 Uhr kamen wir in
Augsburg an und nahmen unser Absteig-
quartier bei den „drei Mohren". Wir
verfügten uns sogleich zu dem General
Bertrand. Ich dankte ihm für den schönen
Brief, den er mir geschrieben hatte, und
für seine Vorsorge für die Ordre wegen
der vier Husaren, welche ich mir vom
General eir Elrek als Lnuve §nrUe ans-
gebeten hatte. Zugleich gab ich meinen
Schmerz darüber zu erkennen, daß jene
Ordre zu spät nach Neresheim kam, und
daß diese Verspätung die Gefangennahme
zweier Husaren nach sich zog. Bertrand
antwortete mir: Ich war in meinem Brief
an Sie nur der Ausleger der guten Ge-
sinnung des Generals en Lllek für Sie
und Ihre Abtei; so schickte auch ich die
Ordre für die Lnuve §ar6e nur ans Be-
fehl des General en Lllel, Sie haben also mir
nichts zu danken! Wenn ich Ihnen aber
sonst einen Dienst erzeigen kann, so bin
ich bereit dazu. Ich faßte die Anerbietung
auf und bat ihn um eine andere Snuve
Anrcke für unsere Ortschaften und Höfe,
die er mir auch sogleich bewilligte. In
Betreff der Besorgnis wegen einer von
General Drouhot an uns zu machenden
Requisition gab mir Bertrand die Prok-
lamation des Obergenerals mit der Er-
klärung: Zeigen Sie dieses dem General
Dr. vor, fragen Sie ihn, ob er nach
diesen Gesinnungen seines Obergenerals
das Recht habe, Requisitionen zu machen?
Erklären Sie ihm, daß Ihrer Abtei der
sie treffende Anteil an der allgemeinen Re-
quisition für Schwaben, welche das Konnte,
das in dieser Absicht versammelt ist, zu re-
gulieren hat, schon zugeteilt sei. Mit dieser
Erklärung wird er sich begnügen, wo nicht,
so wenden Sie sich nur geraden Wegs an
den Obergeneral. Hiemit entließ uns Bert-
rand, einer der artigsten, dienstfertigsten,
brävsten Männer, die ich je gesehen und
gekannt habe. Diesen Abend machten wir
auch dem Herrn Reichsprälaten v. St.
Ulrich noch einen Besuch. Wir fanden ihn
ganz niedergeschlagen — ohne Pektoral und
Ring. Das Kloster mußte seit dem Ein-
züge der Franzosen unermeßlich viel leisten
an Geld und Naturalien. Wirklich befindet
sich daselbst noch ein Spital von 500
kranken und verwundeten Franzosen. Es
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