Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 123
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hl. Thomas von Agnin in seiner tlreo-
Io§iu m^sticL, clispututio prooemialig
nrt. VII. Es ist ganz gewiß, daß die
menschliche Seele bei der Ansübung hin
exercitio) der tlreoloAin m^sticm sich in
einem leidenden (passiven) Zustande be-
findet, weil sie übernatürliche Gaben, Tu-
genden und Erleuchtungen empfängt und
weil jeder, der etwas erhaltet, gewisser-
maßen leidet (est cxucxäcinm pnti). Die
Idee ist im allgemeinen dem Künstler ge-
geben, aber die Ausführung im einzelnen
ist das Werk einer übernatürlichen Gabe
oder Erleuchtung.
Das zweite Kapitel hätte Herr Detzel
an die Stelle des sechsten setzen sollen,
denn nach dem ersten, das von der Trini-
tät und von den göttlichen Personen handelt,
erwartet man mit logischer Notwendigkeit
dasjenige, welches überschrieben ist, vom
sakr a m entalen Christus. Darin wäre
vom Kruzifix, von der heiligen Messe und
vom heiligen Altarsakrament die Rede ge-
wesen. Es ist auffallend, daß im vierten
Kapitel von der Ikonographie der gött-
lichen Geheimnisse die Rede ist, ohne daß
das größte Geheimnis Gottes die Ver-
wandlung des Brotes und Weines in den
Leib und das Blnt Jesu Christi in der
heiligen Messe auch nur erwähnt wird.
Von demjenigen, was Herr Detzel über
die Ikonographie des Kruzifixes und des
heiligen Meßopfers hätte sagen sollen, will
ich einiges hier zusammeustellen, um sein
Buch zu ergänzen.
Was der Verfasser S. 410 über den
Kreuzestitel schreibt, ist zum Teil mangel-
haft, zum Teil auch unrichtig. Die drei
Sprachen: Hebräisch, Griechisch und La-
teinisch werden mit Recht als die Sprache
der Offenbarung, als die Sprache der
Wissenschaften und als die Sprache des
Rechtes erklärt. Ferner hätte er sagen
sollen, daß es üblich gewesen ist bei den
Römern, nur das Verbrechen bei dem
Verurteilten namhaft zu machen, also rex
jucieorulir (Thronprätendenl), oder „Ju-
denkönig" bei Christus, Intro bei den mit
ihm Gekreuzigten. Bei den Griechen war
die genaue Bezeichnung der Person das
wichtigste: „dieser da ist der allbekannte
König der Inden" iste e5t jucineorum
rex. Bei den Hebräern war der Name,

die Herkunft und der Stand des Ver-
urteilten erforderlich, Jesus von Nazareth,
e i u König der Juden, d. h. ein Mann,
der bei den Juden großes Ansehen genoß,
d. h. wie ein König angesehen wurde, oder
der wie ein König ausgetreten ist, oder der
etwas königliches au sich hatte. Pontius
Pilatus, der diese drei Inschriften anfertigte,
hat sich wie ein Jurist an den GerichtS-
gebranch und die Sprache der drei Völker
gehalten, die hier in Betracht kamen.
Daran konnte Niemand Anstoß nehmen.
Das S. 397 abgebildete Encolpium von
Monza (Fig. 165) hat Herr Detzel ent-
weder nicht genau betrachtet oder nur teil-
weise richtig verstanden. Das Kreuz, an
welchem Christus angenagelt ist, wächst
ans der Vorhölle heraus. Neben der
Wurzel sitzen und knieen nach Detzel die
Stammeltern Adam und Eva. Nach
anderer Ansicht sind dies David und die
Sibylle. Vrgl. Or. Mark Nosenberg,
Das Ki euz von St. Trudpert (12. Jahr-
hunderi) im Jahrgang 20 1894 des
„Schan—ins—Land". Diese Monogra-
phie hätte in mehrfacher Hinsicht Herr
Detzel benützen sollen. Der Kreuzeöstannn
wird als der Baum der Erkenntnis im
Paradiese aufgefaßt. Mit dem Blute
Christi soll die Sünde des Ungehorsams
der ersten Menschen an jenem Baume ab-
gewaschen werden. Nach Chrysostomus
(s. Nosenberg i. I. S. 75) soll das Kreuz
aus den drei Holzarten: Expressen-,
Fichten- und Zedernholz bestanden haben.
Das ist selbstverständlich nur sinnbildlich
zu verstehen.
Da hier von dem Kreuze die Rede ist,
so darf auch erwähnt werden, daß der
Verfasser die Hymnen auf das Kreuz
Christi hätte beachten sollen: Mone, La-
teinische Hymnen des Mittelalters, Bd. 1
S. 131 — 151, giebt deren fünfzehn auf
das Kreuz, und Galt Morel in seinem
Nachtrage zu dem genannten Werke S. 30
bis 36 zehn — über denselben Gegen-
stand. — Die Cistercienser haben dem
Kreuze die grüne Farbe gegeben. Vor
dem Aufkommen dieses Ordens hat man
geglaubt, es seien die oben genannten Holz-
arten am Kreuze Christi gewesen. Die
Erklärung der drei genannten Holzarten
am Kreuze Christi ist mir noch nicht ge-
lungen. Bei den Deutschen findet sich die
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