Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Page: 129
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Organ für Geschichte, MtertumMuiide,
Amist und Ltultur der Diärese Gottendurg und der angrenzenden Gebiete.
kserausgegeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Ncclt in AavenKünrg.
Beiträge, Korrespondenzen rc., Rezensions-Exemplare, Tanschzeitschristen rc. lvolle»
stets direkt an Amtsrichter a, D. Beck in Navensb.nrg, Bestellungen nnd Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Bvlksblatts" in Stuttgart, kirbnnsstraße 94, gerichtet iverden.

Nr. 9.
1SS9.

Erscheint monatlich einmal und ist halbjährlich durch die Post zum Preis von
M. 1.90 ohne Bestellgebühr; durch alle Buchhandlungen sowie gegen Einsen-
dung des Betrages direkt von der Expedition um M. 2.10 (außerhalb des
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noncen rc.. welche der Richtung dieser Zeitschrift nicht znwiderlausen, werden von
der Expedition entgegengenommen nnd pro Petitzeile oder deren Raum mit 15 Pf.,
bnchhändlerische Beilagen, Prospekte rc. nach Uebereinkunst berechnet.

ir.

Die KeichFadtei Weingarten O. S.
Len. im französischen U cd er fa ll vom
8. Mai i8oo vi§l 24. April i8oi.
Nach dem Tagebuch des I'. Joachim Kramer
zu Weingarten.
Unter vorstehendem Titel übersandte im
Jahre 1808 dem damaligen Fürsten Maxi-
milian Wnnibald von Zeil der Biblio-
thekar des Klosters Weingarten, L. Joachim
Kramer/) eine eigenhändig geschriebene,
in Form eines Tagebuches verfaßte Schil-
derung selbsterlebter Schicksale und Leiden,
durch welche im Beginne dieses Jahr-
hunderts sein Kloster sich noch ringen
mußte, um kurze Zeit später dem Säkn-
larisations- und Jndemnisations - Plane
vollends zum Opfer zu fallen.
9. Joachim begleitete seine Dedikation mit
folgendem Schreiben an den Fürsten:
„Zusendungen und Dedikationen waren wohl
nie meine Sache nnd sind es auch jetzt noch
nicht. Ein gewisser Trieb, das nicht zu Grunde
gehen zu lassen, was doch einst wieder brauch-
bar werden kann, wenn-, leitet mich.
Auch das Andenken meines verstorbenen Herrn
Prälaten, als eines warmen Hausfreundes
von Zeil, und meines sterbenden lieben Wein-
H Der Verfassern. Joachim Kram er wurde
nach Gradmann, „gel. Schwaben rc." und
Lindner, „die Benediktiner-Schriftsteller in
Württemberg" in „Bened. - Zeitschrift" 111. ^
(1882), Seite 279 am 10. Januar 178« zu
Thaunheim, OA. Leutkirch, geboren, legte Profes;
den 11. April 1779 in Weingarten ab und
wurde nach seinen zu Salzburg absolvierten
Studien daselbst am «. März 1784 ausgeweiht.
Im Kloster war er Lehrer der Theologie, der
griechischen und hebräischen Sprache nnd seit
1802 Grostkcllner. Er starb am 30. März 181«
M Kißlcgg, wohin er sich nach der Aufhebung
soines geliebten Klosters begeben hatte, und ist
auch daselbst begraben. Seine Schriften sind a.
n. O. verzeichnet, dnS vorliegende Tagebuch war
0. Lindner nicht bekannt. Die Red.

garteus möchte ich dort gerne aufbewahrt
wissen. Die Geschichte von 1800 schrieb ich
in amarituciine corclis, was man ihr überall
ansieht, unter dem Drange der Geschäfte und
unbeschreiblicher Leiden. Ich bitte gehorsamst,
das Ding ebenso gnädig nufzunehmen, als
vertrauensvoll ich selbes übergebe."
Kurz bevor 9. Kramer sein Werk nach Zeit
sandte, versah er es noch mit einer Vorrede,
welche, der Vollständigkeit halber und weil sie
das damals zwischen Weingarten und Zeil be-
stehende freundschaftliche Verhältnis besonders
hervorhebt und erklärt, ebenfalls hier Platz finden
möge. Sie lautet:
„fn futurum rei memoriam. Ich hinter-
lasse hier ein Muster, wie ich ähnliche viel-
fältig voir meinen alten nnd neuen Vorfahren
in den Klosterschriften gelesen und studiert
habe. Solange ein Kloster gut bestellt war,
gab es da immer Männer, welche Materialien
vom reichhaltigsten Stoff zur Geschichte in
jeder Hinsicht für die Nachkommenschaft sam-
melten. Auch dieses Buch war bestimmt, im
Archiv neben den Schriften, welche sowohl
von mir seit 18 Jahren als von meinen
älteren Brüdern dort nusbewahrt wurden, als
Geschichtsbeitrag einen Platz einzunehmeu. Aber
leider traf mein liebes Weingarten das näm-
liche Schicksal, wie so viele hundert andere
Klöster, es ist nicht mehr!
Ich will dieses Stück nicht zu Grunde gehen
lassen, es atmet deutschen Sinn; den geheimen
Behältnissen des echt deutschen und wahrhaft
adeligen Stammes Zeil-Zeil widme ich es.
Bloß die Bitte setze ich bei, daß wenigst vor
meinem Tods kein Gebrauch davon gemacht
werde; die Beweggründe meiner Vorsicht sieht
man beim Durchlesen leicht ei».
Zugleich soll auch das Andenken meines
seligen Abtens, des letzten Herrn Reichsprälaten
von Weingarten im hohen Hause Zeil verewigt
werde». Er hieß Anselm Rittler, hatte als
vieljähriger 1'rofessor Tbeologfae in Salz-
burg mit dem letztverstorbeuen sowohl als mit
dem jetzigen Fürstbischof Sigmund von Chiem-
see.(beide Grafen von Zeit) nahen und ver-
traulichen Umgang. Zur- Regierung wurde
Anselm von uns erwählt am 21. Dezember
1 178-1 und »ahm seine herzliche Neigung gegen
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