Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

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das Haus Zeit mit sich ins Grab, in das ihn
hauptsächlich die Säkularisation seiner Abtei
und die damit verbundenen großen Unannehm-
lichkeiten am IS. Juni 1801 legten.
Schon als Student in Salzburg war ich
viel beim Anselm, atmete seine Gedanken und
Gefühle ein; besonders, aber kam ich in den
letzten 14 Jahren bis zum letzten Hauch bei-
nahe nie von seiner Seite. Seine Hochschatzung
gegen das Haus Zeii mußte also auch mich beseelen
und diese soll ebenfalls mit mir ins Grab steigen.
Zum weiteren Beweis, wie sehr ich wünsche,
daß das Andenken an Weingarten zu Zeit
nicht ausgelöscht werde, lege ich den Urociio-
rnus blonumeiitoi um duekbeorum und kartem
bistoricam blonumentorum dusläeorum von
I'. Oscarlus Hess bei, mit der Bitte, diese
Stücke als blemorials Perpetuum zu bewahren.
Geschrieben in meinem dermaligen Wohnorte
im Frauenkloster zu Kißleck am 30. März 1808.
U. Joachim Kramer
aus Weingarten."
Ein Hauch stiller Resignation und weh-
mütiger Sehnsucht nach dem verlorenen,
entrissenen Heim liegt über dieser Ein-
leitung ansgegossen. Das Andenken, an
sein „liebes, sein st e r b e n d e s
liebes Weingarten" möchte ?.
Kramer gern bewahrt wissen. Wohlan!
Nahezu ein Säknlum hat sein Wert inner-
halb der stillen Wände der Bibliothek zu
Zeil zwischen andern Bücherschätzcn geruht;
wie könnte das Andenken an seinen Ur-
heber und dessen ehemalige Heimstätte
besser erneuert, anfgefrischt und erhalten
werden als dadurch, daß die Schilderung
jener Drangsale und Bedrückungen eines
übermütigen Kriegsvolkes uns mit den
eigenen Worten des mitleidenden Zeitge-
nossen vor Angen geführt wird? Aller-
dings würde die vollständige Reproduktion
des Tagbnches für diese Zeitschrift eine
allzngroße Ausdehnung annehmen, denn
der Folioband des Weingartener Mönches
umfaßt 327 Seilen; darum möge es ge-
nügen, nur das Wichtigere, mehr das all-
gemeine Interesse erregende auszuziehen
und bekannt zu geben. Es läßt auch das
einen sattsamen Einblick in die Bedräng-
nisse und Gewaltthätigkeiten ihn», mit
welchen Oberschwaben in jenen Kriegszeiten
heimgesncht wurde.
Bernehmen wir also ?. Kramer selbst:
„Bisher, am 12. Juni 1800, konnte
ich nicht so viel Zeit gewinnen, daß ich
ein ordentliches Tagvuch über die Begeben- -
heilen seif dem 8. Mai d. I. hätte führen '
können, ich trage also das zusammen, was >
und wie es mir ins Gedächtnis kommt, l

Am 8. Mai nachmittags rückten die Fran-
ken bei uns über Ravensburg ein. - Ihre
Anzahl wissen wir nicht zu bestimmen/sie
selbst sprachen von 20 000 Mann, so viele
waren es aber zuverlässig nicht, die in
Weissenan (denn weiter hinab gegen den
Bodensee war kein Man»), Ravensburg,
Weingarten, Etiishofen, Berg rc. lagen.
Es wurde sogleich so viel Futter für
die Pferde verlangt, daß noch auf mehreren
Wägen Haber mitgenommen werden konnte.
Brot mußte man in beiden Oefen Tag und
Nacht backen, so daß unsere Becken und
Müller beinahe unterlagen. Nur bei der
Tafel waren bei 300 Offiziere; Gemeine,
Unteroffiziere und Troß wurden ohne Zahl
gespeist. Jeder wollte recht viel, recht gut
haben. Es waren zwei Generale da,
Laval et Molitor. Abends gieng
der Generaladjntant F r i.e d o l z h e i m
zum U. Kästner Oswald Hespelin ins
Zimmer, legte ihm eine ungeheure Requi-
sition vor und verlangte, daß in Zeit einer
Stunde Livre auf seinem Tische liegen
sollten oder er hätte Ordre, ihn erschießen
zu lassen. ?. Kästner bekam ins Zimmer
einen Husaren zur Wache, vor dem Zim-
mer standen drei Kerls mit blanken Säbeln.
Wir rafften in Geschwindigkeit 10 000 fl.
zusammen, da wir aber in einer Stunde
nicht fertig ivurden, so zogen statt drei
Säbeln fünf anfgepflanzte Bajonette vor
dem Zimmer aus. Die 10 000 fl. wurden
als ein Bettel angesehen, inan, forderte weit
mehr und mit harter Mühe war der Ad-
jutant dahin zu bewegen, daß er sich mit
11 500 fl. endlich begnügen ließ. Der
Adjutant bekam überdies noch ein ckouceur
von 500 fl., wir mußten dabei erklären,
daß wir ihm dieses herzlich gern geben.
Dieser Herr wurde dem Anschein nach
hierauf etwas gelassener, er entließ die
Wache vor dem Zimmer, der Husar aber
sollte im Zimmer bleiben; ich bat recht
inständig für den guten Alten, daß auch
der Husar möchte entfernt werden. An-
fangs wurde es zugesagt, aber auch sogleich
widerrufen — es half nichts, der Husar
mußte im Zimmer des ertatterten ?. Käst-
ners liege». Dieser Kerl wußte dem durch
den Lärm, Getöse und auch versetzte Brnst-
stöße des Adjutanten erschreckten ?. Os-
wald nicht nur ein Versprechen von 25 Louis-
d'or, all' sein Sack- und Kastncreigeld
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