Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

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das ganze Altarwerk, also Malerei und
Plastik, nach Sterzing zu liefern in Auftrag
bekommen und übernommen haben, wovon er
dann das Statuarische selbst fertigte,
den malerischen Teil aber einen: anderen
Künstler, wohl einem kunstebenbürtige!: Nlnier
Maler übergeben bezw. anvertraut haben wird.
Es wäre aber zu kühn hier wegen des Zeichens
Vl. (das dl übrigens nicht ganz unzweifel-
haft) 1487", welches an dein aus der Schleiß-
heimer, Galerie durch Münchener Kunstgelehrte
zur Vergleichung bcigezogenen Oelbilde mit der
Darstellung des Schmerzensmannes sich ange-
bracht findet, gleich ivie Sie thun, an den neu
ausgegrabenen Maler Markus Asfahl zu denken,
denn letzterer wäre zur Zeit der Schaffung des
Sterzinger Altarwerkes wohl für eine solche Leist-
ung doch noch zu jung gewesen! Das ge-
nannte, vielleicht aus dein Ulmer Wengen-
kloster stammende Schleißheimer Oelbild kenne
ich selbst noch nicht; aus der Vergleichung von
dessen Abbildung mit Abbildungen der Sterzinger
Tafeln, soweit mir solche zugänglich waren, er-
giebt sich mir nur geringe Aehnlichkeit, und noch
weniger eine Ueberzeugnng von der Identität
des Meisters, so hart und herb wirkt-schon die
Abbildung des Schleißheimer Bildes! Die Haupt-
sache für eine Vergleichung sind und bleiben
immer die Originale selbst; auch die beste Photo-
graphie ersetzt nicht die Autopsie. Die Sterzinger
Tafeln, welche ich erstmals im Jahre 1873, dann
im Jahre 1882 an Ort und Stelle zu Gesicht
bekam und sie damals schon in meinen: Tagebuch
als schwäbische Arbeiten bezeichnet^, habe ich seit
ihrer Restauration nicht mehr gesehen. Ebenso-
wenig vermochte die Abbildung des jetzt in der
Sakristei des Uliner Münsters befindlichen sog.
Dreifaltigkcitsbildes nur die Ueberzeugnng von
der Identität seines Meisters mit dein der Ster-
zingcr Tafeln zu verschaffen, sofern dasselbe nicht
den Eindruck macht, als stehe es ganz auf der
Höhe der Kunst der Sterzinger Gebilde. Dieses
Bild war deshalb lange nicht so beachtet, weil
es sich in: Privntbesitze des Kaufmanns Kon-
stantin Kämmerer in Stuttgart befand und nicht
so zugänglich war. — Das nun aus einmal zu
solcher Bedeutung gelangte, jedenfalls dein 18. Jahr-
hundert angehörige Bild hat eine ganze Geschichte
hinter sich. Der längst gestorbene Hauptmann
Kämmerer, Vater des obengenannten Kämmerer,
der Kunstfreund und Gemäldesammler in Ulm
war, soll zuerst den mittleren Teil des Bildes
als altes Holz (Tischplatte?) in Ulm in den
1840er bezw. 1830er Jahren und dam: erst
14 Jahre später die beiden seitlichen Stücke als
Backbretter verwendet bei einen: Ulmer Konditor
aufgefunden und erworben Habei:. Es wurde
dann durch Restaurator Deschler in Augsburg
wieder in geschickter Weise zusnmmcngefügt und
renoviert, findet sich auch schon in: „D. Kunstbl."
von 1857 oder 1858 durch Wangen besprochen.
Mit der Zeit wurde es in der Sammlung des
„Vereins für Kunst und Altertun: für Ulm-Ober-
schwaben" hinterlegt, war auch ii: der in: Neu-
bronncrschcn Hause in: Sommer 1878 veran-
stalteten Kunstausstellung ausgestellt und ist in

den: Führer durch dieselbe (in: „Ulmer Tagblatt"
Nr. 180 vom 8. Juli) von den: bekannte:: Ulmer
Kunstfreund und Sammler Hauptmann a. D.
F. Geiger besprochen. In:.Jahre 1882 wurde
es endlich auf verschiedenseitige Anregung hin
von der Stadt Ulm (um. 2000 M.?) angekauft
und nun auf einmal dem Hans Schuh lein
zugeschrieben. Noch zu bemerken - ist, daß die
beiden - auf den: Gemälde bei den knieenden
Donatoren (Main: und Weib mit Söhnen bezw.
Töchtern) angebrachten Wappen immer noch nicht
ermittelt sind. — Damit soll aber der unbestreit-
bare!: Thatsache kein Eintrag geschehen, daß die
Kunstbethätigung der Uliner bezw. schwäbische!:
Schule viel weiter, jedenfalls bis in die erste
Hälfte des 18. Jahrhunderts, zurückreicht, als sie
bisher meist angenommen wurde. Die verein-
zelten Spuren von früherer Kunstthätigkeit der
schwäbischen Schule, welchen immerhin dann und
- wann nachgegangen werden wollte, wurden eben
dadurch verwischt, daß sich fast alles um.Zeit-
blom und die Syrlin konzentrierte. Sind auch
solche Kunstproben der älteren schwäbischen Schule
heutzutage sehr selten, so liegt doch davon da
und dort noch Einiges vor. So besitze ich aus
der berühmten weiland D ur sch schon Sammlung
eine ganze Kollektion von 16 zusammengehörigen
Darstellungen aus der biblischen Geschichte und
den Apokryphen, welche vor ca. 20 Jahre,: einige
Zeit in der Sammlung des „Vereins für Kunst
und Altertum in Ulm-Oberschwaben" ausgestellt
waren und damals auch kurz in der Kunstchronik
zu Lützows „Zeitschrift für bildende Kunst re."
XVI, 1881, Nr. 42, S. 717/718 sowie in den
Ulmer Blättern besprochen wurde». Diese in
Oel gemalten Holztäfelu wurden in den 1880er
Jahren zu Saulgau bei»: Abbruch bezw. Neuein-
bau eines sehr alten Hauses — nach anderer
Lesart eines altei: Nonnenklosters — hinter der"
Täferung eines saalartigen Raumes vorgefunden,
alsbald daraus von dem bekannten Kunstkenner
und Sammler Kircheurat Joh. Gg. Mart. Dursch
ii: Nottweil an sich genommen und dann leider
einer teilweise zu starken Restauration, nament-
lich mit der bekannten Goldgrundverschwendung,
wie sie eben damals üblich war, durch den Maler-
Aigner von Augsburg unterzogen. Diese hoch-
interessanten, ziemlich großen Bilder gehören
nach Dursch der frühesten Periode der 'schwä-
bischen Schule an und wurden von demselben
in das Ende des 14. Jahrhunderts datiert; der
Meister ist natürlich nicht mehr bekannt, traten
ja die Urheber der Kunstwerke in alten Zeiten
ganz hinter ihre Schöpfungen zurück und erst
gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit ihren
Namen mehr hervor. Ei,: englischer Kunstkennor
und Sammler bemerkt über dieselben: ->....
liiere aie :6 ok rbese pictures, verz- carlous, ol
Ibe lg. (!) crnck 14. ceiituries '.slruung/ Are ürst
atteinpts to pcunl on rvoocl. llre8e 16 paiirt-
ing8 crrs irr a eMls o5 exceUcnt piseervcrtinn
girä cue invalucOrle as specimens ol ecu-Nest
ettempls otjicuirtinA rvlclr oils on vvooci . . . .»
Es wäre zu wünschen, wenn die Herren Kunst-
gelehrten sich auch einmal an diese merkwürdigen
Malwerkc heranmnchten! ?, ee st.

Stuttqnrt, Bnchdruckerei der Nkt.-ss>es. „Deutsches Volksblntt'
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