Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 92
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1900/0099
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
92

mit Strafe an Leib und Gut solle sürge-
fahren werde». Auch wurden katholische
Andachten wegen der Geburt eines neuen
kaiserlichen Prinzen augesagt. Einige Jahre
nachher, im Jahre 1531, wurde dann be-
kanntlich die Reformation in sehr gewalt-
thätiger, tumultnarischer Weise eingeführt
und das Münster geplündert, die Mönche
verjagt, wobei die Standhaftigkeit des Am-
brosius Kaut im Wengcnkloster vom Anna-
listen besonders gerühmt wird. Zwei Ulmer
Bürger, Matthäus Lopheim und Sebaldns,
Gienger führten im Jahre 1537 „in
sacellnm Wcilerense" (in Unterweiler)
einen protestantischen Prediger ein. Abt
Heinrich VI. aber widersetzte sich diesem
Beginnen mit solchem Nachdruck, daß es
gelang, den ungebetenen Gast wieder fort-
zubringen und den katholischen Glauben
daselbst aufrecht zu erhalten. Aehnlich
rettete er auch Gögglingen vor dem Abfall.
Im Schmalkaldischen Krieg wird
vom Annalisten eine köstliche Episode vom
Jahre 1516 berichtet. ES drangen eines
Tages 20 bewaffnete Schweizer ins Kloster,
schlugen mit großen Balken alle Thüren
ein und singen dann an tüchtig (e§rc-;ie) zu
trinken. Als sie nun besoffen waren, riefen
die Mönche durch Glockengelänte die Wib-
linger Bauern herbei, welche sofort er-
schienen und die Helvetier misere ver-
bcrarunt et cnrccri incluserunt, ulai per
dies sliczuot suk duris jejumis deteuti
tandem dimissi sunt Incta pirius de non
ulciscendo conventione. Nicht so glimpf-
lich kam das Kloster bei einem Einfall der
Ulmer im gleichen Jahre davon. Diese
hatten den benachbarten Klöstern Elch-
ingen, Wiblingen und Söflingen
den Untergang geschworen und bereits
Elchingen niedergebrannt, wobei die an-
sehnliche Bibliothek mitverbrannte, und die
Mönche vertriebe», die sich nach Wiblingen
flüchteten, aber des andern Tages wieder
weiter zogen, da sie auch hier nicht sicher
waren. Indessen wurde Wiblingen vom
Feuer verschont, aber um 4000 fl. ge-,
brandschatzt, wovon Abt Heinrich 2760 fl.
bar zahlte, für den Rest nahmen die Räu-
ber Silbergeschirr und Kirchenornamente
mit. Ein Teil wurde davon später zwar
restituiert, aber als das Kloster für den
andern Teil 1991 fl. verlangte, wurde
dies verweigert, und der um Rat und

Beistand angegangene Schntzherr Johann
Jakob Fugger riet, die Sache stecken zu
lasse», um die vielen Unkosten zu ersparen,
da doch nichts mehr zu erheben sei.
Unter Abt Heinrich wurden Koufrater-
nitäten abgeschlossen mit den Klöstern Jöny,
Klvsterbeuren und mit den Franenklöstern
Söflingen. Urspring und Heggbach. Aber
auch zum Zweck der Beförderung
der Wissenschaften traten damals die
Klöster Schwabens in Gemeinschaft zu-
sammen; denn im Jahre 1542 heißt eS
im Ellronicum WiblinAnnum: Uri^itur
commune Studium Uenedictinum inter
Urincip. /rbbnt. Lumpidunensem, Wein-
Zartensem, Ottoburnnum, WiblinAnnum,
Irseensem, ^rviknltensem, UIclnnAensem,
Oonnurverdanum, Oclrsenlrusnnum. Der
Sitz dieser Verbindung war anfangs in
Legan bei Kempten, später in Ottobeuren
und dann in Elchiugen. DaS Studium
habe sich besonders auf die hebräische,
griechische und lateinische Sprache und die
theologische Wissenschaft bezogen. Von
Wiblingen speziell heißt es in einem Manus-
kript Gregor Zieglers: „Es schien unter
der Negierung Heinrichs eine Akademie ge-
lehrter Möncke gewesen z» sein, die durch
ihren guten Geschmack bei allen Gelehrten
Deutschlands sehr empfohlen waren. Man
laS die lateinischen und griechischen Klas-
siker und übte sich sehr in der hebräischen
Sprache, so lange es der Ansbruch des
Schmalkaldischen Krieges nicht unmöglich
machte." Aber auch auswärtige wissen-
schaftliche Anstalten wurden von Wiblingen
aus unterstützt und gefördert; so wurden
Beiträge geleistet „zur Wiederaufbringung
und Restauration der Universität Freiburg",
wofür auch die Aebte Gerwik von Wein-
garten und Johann von Noggenburg thätig
waren, ebenso zur Errichtung einer Schule
in Ottobeuren, obgleich das Kloster zu
gleicherZeit beträchtliche Summen zum Krieg
gegen die Türken leiste» mußte. Besonders
berühmt unter den Wiblinger Gelehrten
der damaligen Zeit sind Dominikus Bischer
oder Fischer, Anloninö Beguer, und na-
mentlich Simon Geiger, sinZulnre nostri
blonnsterii necnon L. Ordinis decus,
latine, §rnece, Irebrnice doctus, ferner
Bartholomäus Stella oder Stöhr, zugleich
Dichter, Bernardns Mair, gebürtig von
Günzbnrg, Georgius Präcellius, gebürtig
loading ...