Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

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übler Hand in derselbe» aufstellen. Den
6. November 1485 weihte der Bischof feier-
lich den ncuerbanien Vorchor und darin
de» Hochaltar, rechter Hand den St. Jakob-, ^
linker Hand den St. Johannes-Altar und
verlieh den gewöhnlichen Ablaß dazu; am
14. November darauf weihte dessen Weih-
bischof Konrad zwei andere Altäre in Neu-
stift. Im Sommer 1487 fand zu Hall
im Innthal ein großer Landtag zur Her-
stellung des Nutzens des Landes und Ver-
hütung des letzterem von allen Seiten her-
drohenden Unheiles statt, auf welchem sich
der Landesfürst nicht nur persönlich einfand,
sondern dem guten Rat der Landstände sich
gänzlich anempfohl und überließ, weshalb
sich letztere ihres Landesfürsten auch eifrigst
annahmcn und alle Mühe anwandten, den
allgemeinen Schaden zu verhüten und das
Gemeinwohl zu befördern und sogar eine
eigene Botschaft seinetwegen an den Kaiser
absandten, unter welcher Propst Lukas die
Hauptperson war. Im Jahre 1489 setzte
es aber wieder mehrfache Verdrießlichkeiten
mit Propst Lnkas ab. Denn weil er bei
Kaiser Friedrich und dessen Sohn Maxi-
milian, dem römischen König, wie auch bei
dem Landcsfürsten alle Hoch- und Wert-
schätzung und Liebe genoß und sehr wohl-
gelitten war (wobei ihm wohl der Einfluß
und die Verwendung seines Bruders Nu- -
dolf Harber, kais. Rats und Hauskämmerers
in Innsbruck, bei Hof sehr zu statten ge-
kommen sein mag), so wirkte ihm ersterer
eine päpstliche Bulle aus, daß er zwei
Propsteien zugleich regieren könne, was ja
von Zeit zu Zeit, wenn auch nicht häufig,
immer wieder vorkam; und weil im Kloster
Waldsee, allwo er seine erste» Ordens-
gelübde abgelegt, eine schlechte geistliche
Zucht herrschte, die Reformierung aber
dnrch zwei Chorherren von Nenstift nicht
angenommen worden, so brachten die drei
obigen Fürstlichkeiten den Waldseer
Propst Heinrich Fuchs aus Markdorf —
nebenbei bemerkt einen Bruder zu dem
Schussenrieder Abt Peter Fuchs (1475
—1481) und dem Weissenauer Abt Jo-
hann 111. Fuchs (1423-1470) — eine»
alten betagten Herrn dahin, daß er seine
Propsteiwürde dem Propst Lukas von Neu-
stift abzutrcten gesonnen wäre, wofern die
päpstliche Verwilligung aufgebracht würde. ^
Infolge dessen wandte sich König Maxi- I

milian von Linz aus anPapstJunocenzVIll.,
er möchte diese Uebergabe gutheißen, was
dann auch geschah. Mithin wurde durch
den Landesherrn ein Tag bestimmt, an
welchem Propst Lukas auch die Propstei
des Chorherrnstiftes von Waldsee, in
welchem er vor Zeiten noviziert und Profeß
abgelegt, übernehmen sollte. Am Montag
vor Simon und Judä schrieb diesfalls
Johannes Graf zu Sonnenbcrg, Land-
vogt in Schwaben, an Melchior, Bischof
von Vrixeu, daß der Konstanzer Bischof,
Otto IV., Graf v. Sonnenberg, damit ein-
verstanden sei bezw. dazu verhelfen werde.
Bischof Melchior von Brixen für seine
Person hätte den Propst Lnkas, weil der-
selbe bei dem Laudesfürsten gar so viel,
mehr wie er, galt und ein ungemein großes
Ansehen genoß, viel lieber anderswo als
im Land herinnen und außerhalb seines
Bistums gesehen. Und — obwohl der
Dechant nebst dem Kapitel von Waldsee
am Mittwoch nach St. Andreaslag den
Landesfürsten bat, sie mit dem Propst
Lukas nicht zu beschweren bezw. zu ver-
schonen und sogar wider dessen Aufbringung
öffentlich protestierten (worin also nur eine
Wiederholung von dem Vorgang bei Härbers
Wahl zum Propst von Nenstift acht Jahre
vorher lag), so schrieb nichtsdcstowenigcr
Erzherzog Siegmund von Innsbruck ans
am Samstag nach St. Barbara-Tag dem
Bischof von Konstanz, dem Landvogt Grat
Johann zu Svuuenberg, Herrn Joanni
Truchseß dem jüngeren, u. a. seinen Räten,
daß sie die Uebergabe auf den Tag nach
St- Lucieu bewerkstelligen möchten, was
auch wirklich vollzogen wurde; und nannte
sich unnmehr Propst LukaS von Neustift
auch „einen LommeuclatariumdcrPropstcy
zu Waldsee". Allein das Kapitel von
Waldsee war noch renitenter wie znvor
das von Neustift, nahm den Propst Lukas,
feinen früheren Chorherr», auf keine Weise
an, leistete ihm nicht nur keinen Gehorsam,
sondern verfolgte wegen dieser seinerseits per-
horresciertcn Uebergabe noch seinen vorigen
Propst Heinrich Fuchs (im Jahre 1492
in hohem Alter ch) selbst, so daß im Jahre
1490 der römische König Maximilian, dem
unterdessen Erzherzog Sigismund seine Län-
der abgetreten, von Eichstätt aus am Montag
vor Pfingsten au den genannten Bischof
von Konstanz sich wenden mußte, daß der-
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