Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 123
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1900/0130
License: Free access  - all rights reserved Use / Order

0.5
1 cm
facsimile
123

dem immer ernsten Hofrat Sind er im
Umgänge mit dem stets aufgeweckten und
munteren Baader und andern Freunden.
Aber umsonst suchte ick einen meiner besten
Freunde, den edlen Sandner Egmnnd
und seine Frau ! — sind hienieden nicht mehr
zu finden. Beide werde ich erst in einem
bessereil Leben wieder sehen; ihre Tochter
Nanette Weizmann, meine ehemalige Schn
len», ist indnssen zu einem blühenden und
gebildeten! Mädchen herangewachscn, die bei
ihren zwei kleineren Schwestern Mutter-
stelle vertreten kann. — Den 17. Sep-
tember nachmittags 4 Uhr verließ ich Frei-
singen wieder und kehrte nach München
zurück, wo ich abends um 8 Uhr eintraf.
Ans dem Wege beschäftigte mich die Er-
innerung der angenehmen Stunden, welche
mir das Wiedersehen alter guter Freunde
verschafft hatte! Und — ich empfand leb-
haft die Wahrheit deö Aufrufes des Dichters:
„O Wiederseh'n, v Wiedergrüßen, Kein
ErdenanSdrnck singet dich! O Trennung,
wo ist dann dein Stachel, O Tod, wo ist
denn dein Bipernstich!" — Am 18. Sep-
tember, dieser Tag war zur Zurückreise
nach Augsburg bestimmt. Ich trat sie
also morgens 8 Uhr an, nachdem ich zuvor
der lieben Tante und ihrem Mann meinen
Abschiedsbesuch gemacht hatte und abends
5 Uhr war ick in Augsburg. Am andern
Tag den 19. September fuhr ich mit Lohn-
pferden bis Wertin.gcn und mit Extrapost
bis Nercsheim, wo ich aber wegen dem
schlimmen Wege erst nachts um 11 Uhr
ankam. Während meiner Abwesenheit (den
14. September) zog die 7. französische
Halbbrigade über unsere Gegend nach Nörd-
lingcn. Diese Halbbrigade war gegen das
Corps des berüchtigten Grafen Mier be-
stimmt. Ihr Chef übernachtete hier mit
mehreren Offizieren.
(Fortsetzung folgt.)
Lin Wiutrarl zur Geschichte deü tlirUu
licheu Levens in Keurtüirleii während
des Mittel,urcrs.
Non Theodor Schön.
Außer den Kirchcnbauten, Stiftungen
von Pfründen und Seelmessen ist bisher
wenig über das kirchliche Leben in der
Reichsstadt Reutlingen während deö Mittel-
alters bekannt. 1259 entstand das einzige
Mannskloster, das die Reichsstadt in ihren

Mauern barg, das der Minonten, durch
gesammelte Almosen und die Unter-
stützung und Freigebigkeit der
Bürger. I 1267 thaten sich dort mehrere
Jungfrauen auf Anregung der dortigen
Minoriten zusammen zu einem gemeinschaft-
lichen Leben nach der Regel der hl. Klara
und erbauten mit ihren Mitteln und fremden
Almosen ein Kloster?) Als 23. März
1324 Papst Johann XXII. König Ludwig
den Bayern exkommunizierte und ihn 11. Juli
1324 des Kaisertums entsetzte, hielt die
Reichsstadt zu dein Exkommunizierten und
geriet dadurch selbst in den Bann. Deshalb
sang seit 1326 der Klerus nicht mehr in
Reutlingen?) Am 2. Januar 1332 wandte
sich Reutlingen mit anderen Städten an
Erzbischof Balduin von Trier mit der Bitte,
den Kaiser und Papst zu versöhnen. „Beide
Gewalten sollten sich nicht störe», sondern
vielmehr auf gegenseitigen Schutz ange-
wiesen sein, um daS Bolk des Herrn glück-
lich zu regieren. Die Kurfürsten haben
den Kaiser Ludwig erwählt. Die Städte
wollen ihm als ihrem wahren Kaiser bis
in den Tod getreu sein. Diesen Mann
habe der apostolische Stuhl nach seiner
Art (!) verleumdet." H Bei dieser schroffen
Parteinahme für den Kaiser verblieb Reut-
lingen natürlich in dem Bann. In Reut-
lingen mußten diejenigen Geistlichen, die
den Befehlen deö Papstes gehorchten, da-
mals viel erdulden. ,,ln eockern tempore
(izz8) clerus reli^iosus et seculnrm
nrultum 6e5pectu8 n lnicm bnbebntur.
Vii5<1em etinrn nnnis )uciei in
m niorireveren du, ^unrn derlei
Irnbebnntur. In civitnte Xutlin^en,
cunr cluockecim nimm servnssent pro-
cesZrm pnpnle3 et cleincle vellent publice
cnntnre, ex jri85u civiurn et nckvocntorum
preco publice proclnmnbnt 3ub penn V
librnrum: ne cprm nlicxuem 5ncerclotem
bv5pitnret, nolent cnntnre. Vit lrnitn
tnli clnmntione ckenuo proclnmnbnt 5ub
penn V librnrum, ne HM3 nlicpuem)uckeum
ckict>3 vel Inctm mole8tnret."Z Gewiß
') 1'. C. Enbel, Gesch. d. ob. deutsch. Minoriten-
prvvinz S. 10, Anm. 79.
'ch Ebenda S. 12, Amu. 130.
Müller, der Kampf Ludwigs d. B. mit d.
röm. Kurie II, 90.
b Ebenda I, 271.
Hugo Spechzart in den tomes von Böhmer IV,
1, S. 134. — Müller II, 90.
loading ...