Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 156
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1900/0163
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
156

Verschiedene Krankheiten eingebildet/ so daß
er durch häufige» Nrzneierqnark, deu er
von jedem Pfuscher cmuahm, wahrhaft
krank geworden sein würde, wenn nicht
seine Freunde durch eine unschuldige List,
ihn auf die entgegengesetzte Einbildung, daß
er gesund wäre, gebracht hätten.
Ans dem Zettel heißt es: den Beschluß
machen einige Maschkeradcn mit einem nn-
gehenchclten Glückwunsch und englischem
Tanze.
Der Anfang war 2 Uhr, Ende beiläufig
3'/2 Uhr.
Am 6. Dez. 1787 spielte man: Böse
Nachreden über gute Handlungen, ver-
fertigt und in Musik gesetzt von Led er er.
Die Personen waren:
Barthel, Vater von drei Töchtern.
Hans und sein Weib.
Gertraud, Nachbarin des Barthels.
Chor.
Die Handlung war: Hans und seine
Fra» behaupten, daß die Buben drei Nächte
vor dem Schlafzimmer der Töchter Barthels
patrouilliert hätten. In Wahrheit hatte
aber Nikolaus, ein junger Mann, der er-
fahren halte, daß Barthels Töchter ihm
Brot gewinnen sollten, nachts beim Fenster
Geld hineingeworfen.
1788 wurde statt der teilweise recht
weltlichen Stücke früherer Jahre anfge-
führt: Das hohe Lied Salomonis, ei» Sing-
spiel über den Zustand der Kirche Gottes
von den Zeiten Davids bis an das Ente
der Welt, Musik von Lederer, welches
im selben Jahre zu Bnrghausen im Druck
heranSkam.
Wie man sieht, verfügten die Chorherren
des WengenklosterS in der Person ihres
Seniors Jost pH L.ederer über einen un-
gemein produktiven Dichter, welcher neben
vielen Gelegenheitsgedichten und -Schriften
ihr Bedürfnis an Schau- und Trauer-
spielen, Opern und Kantaten reichlich deckte.
Außer den bisher anfgezähllen Stücken
verfaßte er noch folgende Siücke, die nach
dem Sammelband der Stadlbibliothek in
Ulm Nr. 7036 ebenfalls im Wengenstift
aufgeführt wnldcn, ohne daß inan erfährt,
in welchem Jahre:
1. Ist das Cölibat aufgehoben? Ja.
Wer sagt das? Der Hanswurst. Lust-
spiel in 3 Akten.
Die Personen waren: Hans Wurst;

Znsel, sein Weib; Jäckel, Schreiner; Keiler,
sein Weib; Barile, Schlosser; Lisel, sein
Weib ; Scppel, Schuster; Berbel, sein Weib ;
Hans, Bauer und Schultheiß im Dorf;
Simon, Büttel im Dorf. Es ist ein ziem-
lich derber Fastnachtsscherz, vom Cölibat
wenig die Rede.
2. Die zur Wissenschaft anfgemnnteite
Jngcnd.
Die Personen waren:
Jugend.
Der Vernünftige.
Der Dumme.
Etwelche Schnlknaben.
3. Ein Zwischenspiel: Ey so bist du
oder: Der unzufriedene Holzhacker.
Die Personen waren:
v. Silberfeld.
Erwin, Jäger.
Menalk, Holzhacker.
Mopsnlns, sein Sohn.
Condom 1 N-,
Dämon, s OPe>.
Die Handlung ist folgende: MopfnlnS
ist inüde und hat Hunger. Menalk wirft
ihm seine Gefräßigkeit vor, giebt ihm
schließlich doch Brot. Beide treten ab.
Der verkleidete v. Silberfcld sowie Erwin
kommen. Hinter der Scene hören sie den
Holzhacker rufen: ey so beiß, ey so beiß.
Mopsnlns kommt. Er hat vom Vater
Schläge bekommen. Er wird gefragt, was
die Nnfe „ey so beiß" bedeuten? Sein
Vater, ist die Antwort, leitet alles Unglück
auf der Welt Und auch sein eigenes davon
ab, daß Adam in den Apfel Evas gebissen
habe.
Daher rnie er, namentlich wenn er böse
sei, ey so beiß. Menalk kommt, klagt den
beiden Fremden sein Leid, erhält von Silber-
feld zwei Speisen. Die eine könne er essen,
wenn er will, die andere lasse er unberührt
bis auf den Abend. Menalk und Mop-
snlns bleiben allein und essen die eine
Speise. Mopsnlns, der meint: so ein
Braten war mir allezeit lieber als Nudel,
Knödel und Spatzen, geht ab. Menalk
macht den Deckel der zweiten Speise, ans
der eine Maus herausspringt, auf. Vor
Schrecken läßt er die Schüssel fallen. Er
jammert. Die zwei Schäfer lachen ihn
ans. Mopsnlns kommt, dem er das
Unglück mitteilt. Dann versteckt er sich
in den Busch. Erwin und Silberfeld
loading ...