Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 173
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bei der heiligen Messe weit vor das Tri-
deiitiimm zurückgehen, so ist es doch an-
gezeigt, bei diesem Gegenstände direkt cm
die sessio XXII vom 17, September 1562
6e sneriticio missne, remissiones cnp.
V nnd VIII anznknüpfen. Das Werk
von Georges Nohanll de Flenry monn-
ments 6s In messe nnterieurs au XIII
sieele enthält über die Kleidung, Haltung
der Hände, Aktionen u. s. w. des Cele-
brnnö und der Ministranten so viel be-
lehrenden Stoff, daß man in einer christ-
lichen Ikonographie über die heilige Messe
vor dem 13. Jahrhundert schon manches
zur Belehrung der jungen Theologen hätte
verwerten können.
Die wichtigsten derartigen Darstellungen
vor dem Tridentinnm hätten namhaft ge-
macht und beschrieben werden solle». Ins-
besondere wäre die fleißige Benützung des
mtionnle chivinorum ollreiorum des Wil-
helm Dnrantis von Pnymoisson, geb. 1232,
gest. 1296, welches schon 1384 ins Deutsche
übersetzt wurde und dessen lateinischer Text
zuerst in Mainz 1459 im Drucke erschien,
zu wünschen gewesen. Zur Zeit des Tri-
dentiner Konzils waren etwa achtzig ver-
schiedene Erklärungen, Deutungen oder Aus-
legungen derZeremonie» der hl.Messe bekannt
nnd zngelassen. Das Konzil hat keine
derselben approbiert und keine verworfen,
sondern jede derselben ohne Ausnahme den
Gläubigen anzunehmen gestattet. Da die
Auslegung der Meßzeremonien Sache des
betrachtenden Gebetes, des Individuums ist,
so konnte auch das Konzil nicht anders
entscheiden. Die bildenden Künstler haben
sich bei ihren Arbeiten für die Gotteshäuser
an die eine oder andere Auslegung ge-
halten.
Die mystische Deutung der Zeremonien
der heiligen Messe bei den schismatischen
Griechen geht ihrer Entstehung nach weit
über die Trennung der abendländischen nnd
morgenländischcn Kirche zurück. Sie führt
den Titel: x«! l-L-xex
Ltg (Erklärung
der von Gott eingesetzten nnd heiligen Messe,
in die Volkssprache übersetzt). Das Büchlein
wurde zuerst 1793 auf Kosten des Johann
Maurokordato, dann 1804 zum zweitenmale
gedruckt. Die letzte Ausgabe ist von 1851.
Im Gegensätze zu den Erklärungen der
Messezeremonien bei der abendländischen

Kirche, welche die heilige Messe mit der
Leidensgeschichte Christi, Gang nach dem
Oelberg, beginnen läßt, hebt die heilige
Messe bei de» Griechen in der Sakristei
an mit der Geburt Christi. Indem der
Priester das Brot in das Korporale
legt, wird mystisch angedentet, daß das
neugeborene Christnskind in Windeln ein-
gewickelt wurde. Manches hat man von
der Auslegung der Griechen schon früh-
zeitig im Abendlande angenommen, wie das
X)wie nnd CIrriste eleison, vor dem Zlorin,
welches die Nnse der Heiligen des Alten
Testamentes im Neinignngsorte bedeuten
soll.
Die Erklärung der Zeremonien und
Gebete der heiligen Messe bei den abend-
ländischen Christen, welche um 1647 zuerst
in Mainz gedruckt wurde, führt den Titel:
„Andächtige Weis, dem Amt oder hl. Meß
nüzlich beizuwohnen." Der Traktat ent-
hält noch keine Abbildungen. Darin werden
31 (nach andern 33) Handlungen des
Priesters am Altäre aufgezählt, erklärt
nnd mit entsprechenden Gebeten begleitet.
Die erste ist: „Christus geht mit seinen
Jüngern in den Garten Gethsemani am
Oelberg" (Zugang des Priesters zum
Altäre) und die letzte ist die Sendung
des heiligen Geistes (der Priester giebt
den Segen). Noch dem 17. Jahrhundert
(1670) gehören die rohen Holzschnitte an,
welche um 1675 ebenfalls in Mainz zu
diesem Texte angefertigt wurden. Sie sind
deshalb lehrreich, weil bei jeder Scene
oder Handlung des Priesters am Altäre
das Altarblatt (Altarbild) die typische
Handlung Christi in der Passion darstellt.
Zum Beispiel beim Coufiteor ist als Altar-
bild gewählt: Christus ist über einen Felsen
gebeugt und schwitzt Blut, beim Küssen
des sepulclarurn auf der MSNSL ist als
Altarbild der Judaskuß gemalt. Die Deu-
tung der Meßzeremonien nach dem Mainzer-
Drucke von 1647 . war in Deutschland
populär geworden und hat diese Auslegung
bis znm Anfänge deö 19. Jahrhunderts
beim Volk sich eihalteu.
Die bildliche Darstellung der Zeremonien
der heilige» Messe, wie des Allares nnd
der Jkonostasis der Griechen, muß in
einer christlichen Ikonographie besprochen
werden. Die Bildwerke zur Bezeichnung
des Christus, die zweite Person der Gott-
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