Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Seite: 181
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1900/0188
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
181

znnft errichtet worden sei; „und die alten
Meister Eberhard, Lukas und Martin
stifteten ein ewiges Licht für St. Lncas-
Altar, dagegen verhieß der Probst mit
seinem Convent allweg auf St. Lnkastag
ein Amt zu siugen Gott und St. Lukas
zu Ehren."
Hieher gehört dann auch das bekannte
Schriftstück ,,Iirstl'umentrmr contrater-
nitntis", H durch welches im Jahr 1499
die Lukasbruderschaft erneuert und die
vorgescbricbcnen Leistungen an den Altar
namhaft gemachl werden. Zu den Mit-
gliedern dieser Genossenschaft gehörte unter
anderen auch Hans Schühlein und Barth.
Zeitblom, der erstere wird als Alt-Zunft-
meister, der letztere als Büchsenmeister d. h.
Kassierer bezeichnet. Als Kuriosum sei noch
erwähnt, daß der Kunstgelehrte Harzen
im Jahr 1860 ans diesem Büchsenmeister
einen Artilleristen gemacht hat, welcher in
den damaligen Kriegen den Ulmern Dienst
geleistet haben sollte.
Noch sei des Kirchenschatzes gedacht,
welchen wir ans einem Manuskript vom
Jahr 1525 ans der Ulmer Stadtbibliothek
kennen lernen („Archiv für christliche
Kunst" 1888, Nr. 2). Dieses Inventar
wurde ans Befehl des NatS anläßlich der
Einführung der Reformation aufgestellt.
Es waren vorhanden zwei silberne Monstranzen,
wovon die kleinere „etlich Steinlach und berlach
hat", einen silbernen Arm, silbernes Rauchfaß,
Krenz und zwei silberne Meßkännlein. Ferner
wurden ausgenommen: 11 silberne Becher, ein
Pokal, daran „die Klaidung vergällt" mit acht
kleinen Bechern, ein silberner Becher mit einer
„vergülltcn Aychelen", „ein silberner verdeckter
Becher hat ein Blumen auf den: Kopf", zwei
„kostete silberne Becher, ein breiter silberner
Becher, einer mit einem Füßlin, zwei silberne
Wasserkännlin", eine „ainzechtigs Deckin" (Deckel)
und drei silberne und vergoldete Schalen. Das
wurde in das Steuerhaus „überantwurtet", und
ohne Zweifel dann eingeschmolzen. Im Kloster
blieben folgende Kleinodien: „zwei hüllzin Köpf
mit Silber beschlagen weiß", „ain silbern ver-
gällt Köpflin, ein silberner Becher mit Deckel hat
des jetzigen Propst Vater dem vermelten Probst
(Ambr. Knut) auf sein ersten Meß geschenkt". An
Kelchen, die dem Konvent gehören, fand die Kom-
mission acht, eine mit einem „mergenbild und
8 Stain", einen andern mit einem Mergenbild
von Perlmutter, einen mit einem gestochenen Fuß
und einen, der altfränkisch genannt wird. Nach
Kcppler, Diöcesankunsttatalog, besteht der jetzige
Kirchenschatz aus folgenden Gegenständen, von
0 Oester publiziert, zuletzt in den Verh. d.
Ulmer Alterth.-Ver. 1870 S. 25.

denen aber keiner auf die angeführten zurückzu-
führen ist. 1. Ein schöner silberner, teilweise
vergoldeter Kreuzpartikel aus der Mitte des
15. Jahrhunderts (nicht wie die neue Oberamts-
beschreibung angiebt „in uralter romanischer Gold-
fassung"), die Balken mit reüssiertem Maßwerk
ausgestattet, die Paßenden mit imitierten Edel-
steinen: Rückseite, Blnttornäment, an den Enden
Glaskapseln mit Reliquien. Der Knaufs archi-
tektonisch behandelt mit Fialen und geschweiften
Giebeln. 2. Metnllkruzifix von 1573 mit Lilien-
enden, schöner silberner Kruzifixus nach ganz
gotischer Art, mit dem (späteren) Postament
107 cm hoch; treffliche Medaillons mit getriebenen
Bildern der 4 Kirchenlehrer, an der Rückseite des
Postaments angebracht. 3. Guter Kelch mit Edel-
steinen und Meßbuchbeschläg aus dein Anfang des
17. Jahrhunderts. 4. Kelch mit Zopfformen aber
feinem Filigran. (Nach einem Artikel im „Jahr-
buch der Kgl. preußischen Kunstsammlungen" rc.,
VIII, 1887, S. 133 ff., soll sich in der Wengen-
kirche ein Pokal mit dem Stempel I. O. 8. be-
finden, welchen Stempel auch ein Kelch in Pader-
born, einer auf der Ausstellung in Pest sowie der
jetzt im Berliner Kunstgewerbemuseum befindliche
0,33 m hohe, 0,165 m weite sogen. Augsburger
Pokal, ein Meisterwerk geschmackvoller Zeichnung
und liebevollster Durchführung vom Jahre 1721
tragen. Der Stempel dürfte vielleicht das Zeichen
von dem bekannten in Ulm i. I. 1596 geb., in
Augsburg thätigen und das. 1678 ß Gold- und
Silberarbeiter David Schwestermüller sein?
Derselbe hatte noch einen Verwandten, Daniel
Tchwestermüller, der nur bis 1694 in Augsburg
nachweisbar ist (ß vielleicht i. I. 1719?) und der
vielleicht zur Unterscheidung noch den zweiten
Vornamen in den Stempel ausgenommen haben
könnte. Auf Anfrage wurde indes die Auskunft,
daß ein solcher Pokal in der Wengenkirche nicht
vorhanden ist. — Die Red.)
Es wäre wünschenswert, wenn die viel-
fach zerstreuten Notizen über das Wengen-
kloster und seine Knnstschätze einmal ge-
sammelt und kritisch beleuchtet würden.
Einen Anfang dazu soll die vorliegende
Studie geben. Möglich, daß noch Archi-
valien in München liegen, wohin ohne
Zweifel das einstige Archiv des Klosters
gekommen ist.
Die SeichFalitei Weingarten O. S. L.
im französischen Ueüerfail ?c.
Nach dem Tagebuch des 1'. Joachim Kramer
zu Weingarten.
(Fortsetzung.)
Vor einigen Tagen reiste hier der Kom-
missär Picot-Belloc durch nach Augsburg
mit seiner Frau, er war bei nnö fröhlich
und munter; nun ist er in Lindall als
Kriegskommissär angestellt.
Am 14. abends kommt seine Frau in
Begleitung des Herrn Bleichers Ebnetter
loading ...