Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 13
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von Ulm her lind brachten eine Requisi-
tion von dem Kriegskommissär Benard,
vermöge welcher wir 8 vierspännige Wägen
nach Ulm schicken sockten, welche alle 5
Tage durch 8 andere abgelöst werden
sollen. Die Soldaien hatten den schrift-
lichen Auftrag, solange als Epcntion hier
zu bleiben, bis die ersten 8 Wägen ge-
stellt wären. Der Abt, welcher wegen
diesem Ansinnen in große Verlegenheit
geriet, ließ mich zn sich in die Abtei rnsen,
nnd machte mir den Auftrag, morgen nach
Ulm zu reisen, um eine Verminderung der
zn stellenden Wägen bei dem Kriegs-
kommissär Benard zn bewirken. Heute
noch wurden Signaturen an die Gemein-
den geschickt, um morgen indessen 4 Wägen
nach Ulm abgehen zu lassen. 23. Dezbr.
morgens um 4 Uhr trat ich meine Reise
nach Ulm an, machte zn Ncrenstetten
Mittag und kam nachmittags um 3 Uhr
nach Ulm.
Ich stieg in dem Kloster zn den Wengen
ab nnd nahm da aus die Einladung des
Heern Prälaten mein Quartier. Hierauf
ging ich zn dem Kriegskemmissär Benard.
Er nnd seine Frau nahmen mich als alten
Bekannten sehr gut ans, aber es kostete
mich viele Mühe nnd Ueberrednng, ihn
dahin zn bewegen, mit 4 Wägen zufrieden
zn sein. Endlich gelang es mir doch,
und er versprach mir noch dazu diese 4
Wägen zn schonen und sie sobald wie
möglich zurück zn schicken, — welches auch
geschah. Am 24. Dezbr. kamen unsere 4
Wägen nach Ulm. Ich gab den Knechten
die gehörigen Anweisungen, speiste noch
zn Mittag bei den Wengen und trat nach
dem Mittagessen meine Heimreise nach
Neresheim an. Den Herrn Prälaten und
den übrigen Herrn bei den Wengen, wie
auch dem Herrn Oberamtmann Christmann
daselbst muß ich das dankbare Zeugnis
geben, daß sie mich sehr gut und freund-
schaftlich anfnahmen nnd behandelten und
sich alle Mühe gaben, meinen kurzen
Aufenthalt bei ihnen mir angenehm zn
machen. Ich fuhr heute noch bis Heiden-
heim, wo ich im Gasthofe zum Ochsen
außerhalb der Stadt übernachtete nnd sehr
gut bewirtet wurde. 25. Dezbr. Ich mußte
trachten, wegen dem heutigen hohen Fest-
tage frühzeitig, wenigstens bis znm Hoch-
amte, nach Hause zn kommen; deswegen

machte ich mich schon vor 0 Uhr ans den
Weg nnd um 8 Uhr war ich in Neres-
heim. Schon um 4 Uhr morgens mußte
auch der Pater Großkeller eine Reise nach
Augsburg antreten. Auch von daher hatte
man schon früher als von Ulm 10 zwei-
spännige Wägen verlangt. Es wurden
nur 5 geliefert, nnd diese in Augsburg
nicht einmal einregistnen. Deswegen kam
ein sehr scharfes, drohendes Schreiben von
dem Kriegskommissär Tnsonr hieher. Um
weiteren unangenehmen Folgen vorzn-
bengen, ging also Pater Großkeller selbst
nach Augsburg. Vor seiner Abreise wurden
noch Anstalten getroffen, die 5 noch rück-
ständigen Wägen nachznschicken. Der Abt
hatte diese Reise und dieses Geschäft dem
Herrn Oberamtmann nnd auch dem Herrn
Kanzleirat anfgetragen, allein beide wei-
gerten sich, dasselbe auf sich zn nehmen,
nnd sagten, „daß sie nicht nötig hätten,
sich den dabei zn befürchtenden Unannehm-
lichkeiten ansznsetzen". Bei meiner Zurück-
knnft von Ulm erhielt ich Briese von un-
serem Pater Peter von Salzburg nnd
von dem Emigranten Pater Placidus
Kallet. Elfterer gab mir von den Kriegs-
volsällen Nachricht, welche vom 14.—18.
d. M. in der Gegend von Salzburg und
in Salzburg selbst stattfanden. Letzterer
meldete mir, daß er sich noch in Philipps-
burg befände, weil man ihm nicht erlaube,
den Rhein zn passieren. Ich schickte ihm
sogleich die Antwort des General Desolle
an mich, um sich der in derselben befind-
lichen Anweisung bedienen zn können.
Den 26. Dezbr. war dem jeweiligen Herrn
Kaplan von Ebnat Joseph Bader, ans
sein bittliches Ansuchen, der Vilnius men-
sne cnpitnlnriter erteilt. Den 30. Dezbr.
Die zwei letzten Tage des Henrigen Jahres
nnd des scheidenden Jahrhunderts waren
für mich sehr unangenehme Tage! Heute
um Mittag kam ein Detachement Kavallerie
von den französischen Partisans hier nnd
in dem Städtchen Neresheim an. Der
Anführer derselben, ein Rittmeister vom
2. Husaren-Regiment, machte eine Requi-
sition an das Kloster von 100 Kapotröcken,
100 Paar Stiefeln, 100 Paar Schuhen, 100
Ellen blaues und 100 Ellen braunes Tuch,
mit dem Bedeuten, daß er mit seinen Leuten
so lange hier bleiben würde, bis gedachte
Artikel geliefert wären. Ich verlangte von
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