Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

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gesellschaft des Felix Berner mit deri
Oper: Die schöne Arsene. Bei dieser '
Gesellschaft befand sich die später so be-
rühmte Madame Weißthurn.H 1782
Kob er wein, 1783 Dobler und Ap-
pell: Schröders) Jüngers) Ste-
phani, ^) hin und wieder Lefsing bilden
das Repertoire. 1784 A p p e l t: W e i ß e s^)
Jean Calas sehr häufig gegeben. 1785
bis 1787 Koberwein: Jffland znm
erstenmal ans dem Repertoire. 1788 Karl
v. Morocz. Das Repertoire größten-
teils von der Wiener Volksbühne entnom-
men. 1789 Koberwein: Schiller
znm erstenmal ans dem Repertoire: .Die
Räuber. Bis jetzt unter allen Theater-
zetteln: Man soll den Schauspielern nichts
borgen. 1790 bis 1793 Voltolini:
Kotz ebne znm erstenmal ans dem Reper-
toire. Beginn der Periode der Nitterschau-
spiele: Die Sonnenjnngfran st) lockt schon
um 2 Uhr das Publikum vor das Theater.
Erste Aufführung der Zauberslöte. 1793
bis 1794 Jl l e n b er g e r: Kränkelnde Ge-
sellschaft; keine Oper. 1795 Michnhe
Das neue Sonntagskind H macht Furore.
1796 Roßner, erster Versuch eines
Theaters im Freien; beim Schießhans wird
Graf Waltron gegeben. 1797 Illen -
berger, Unbedeutende Gesellschaft. ^)
1798 Roßner: wegen der furchtbaren
Kälte fror die Gesellschaft mit dem 6.Januar
') Johanna Grünberg, geb. 1773, 4 17. Mai
1847 in Wien als k. k. pens. Hofschauspielerin,
vermahlt 1791 mit Aloys Franul v. Weissen -
thurn, geb. 1759, Kassierer des Arnsteinschen
Großhandlnngshauses, ch 29. Nov. 1817 in Wien.
0 Friedr. Ludw. Schröder, geb. 3. Nov.
1744 in Schwerin, ch 3. Sept 1816 in Rellingen,
Uebersetzer und Verfasser zahlreicher Dramen.
3) Joh. Friedr. Jünger, geb. 15. Febr. 1759 in
Leipzig, Hoftheaterdichter iir Wien, H 25. Febr. 1797.
U Uebersetzer von Operntexten, so z. B. der
kom. Oper: Die Schule der Eifersüchtigen od.
Liebe haßt allen Zwang aus den: Italienischen,
Verfasser des Lustspiels: Der Deserteur aus
kindlicher Liebe in drei Akten.
I) Christian Felix Weiße, geb. 8. Januar 1726
in Annaberg, P 16. Dez. 1804 in Leipzig, ver-
faßte 178» dieses Trauerspiel, welches die Schick-
sale des 9. März 1702 lebendig geräderten Jean
Calas, Kaufmanns in Toulouse behandelt.
6s Schauspiel in fünf Akten von Kotzebue.
0 Oder Der Geistersehör, komische Oper in
zwei Akten aus Hafners Furchtsamer bearbeitet
von Perinot.
8) Sonach ist also 1797 doch gespiel: worden.
Hiernach wäre Jahrgang 1899, S. 40 zu berichtigen.

1799 ein, nachdem sie den 6. Dezember
1798 znm zweitenmale begonnen hatte.
1799—1800 Madame Gnmberz: Vor-
zügliche Gesellschaft. Das reichste Reper-
toire. 1800 jeden Tag ohne Unterbrechung
oft unter dem Donner der Kanonen
(Blockade Ulms). Immer volles Haus,
fast ganz von österreichischem Militär be-
setzt. Vergöüernng der Demoiselle Grü ri-
tz erg. 1801 Je Husen, Recht traurige
Gesellschaft. Das Donauweibchen H
erscheint znm erstenmal. Unfug der fran-
zösischen Soldaten, die jetzt den Ton an-
geben. 1802 und 1803 Büchner, sehr
gute Gesellschaft. Weitere Nachrichten
über das Komödienhans in Ulm finden
sich im Journal des Stadttheaters in Ulm
1857— 58 von Franz Michaelis, Druck
der Wagnerschen Buchhandlung, S. 10:
Der Ban des Ulmer Theaters durch den
Architekten Keim von Stuttgart in den
Jahren 1780 und 1781 kostete die damals
freie Reichsstadt 16 000 Thaler. Die
Bürger hatten lebhaft dagegen protestiert;
sie wollten lieber das „Kutschenhans", wie
das Gebäude früher genannt wurde, in
ein Zucht- und Arbeitshaus umgewandelt
wissen und, da der Rat sich nicht an sie
gekehrt hatte, fingen sie beim Reichs-
kammergericht gegen ihn einen Prozeß
an, der 20000 Thaler kostete. Jetzt
hatten sie ihr Zuchthaus nickt, aber das
Theater kostete nun die Stadt 36 000
Thaler. Am 20. November 1781 wurde
die Eröffnung des „neuen Komödienhauses"
um der Auswärtigen willen im Ulmischen
Jntelligenzblatt mit folgendem angezeigt:
„Letzten Dienstag (18. November) hat Herr
Felix Berner angefangen, hier Schau-
spiele zu geben und den Anfang mit der
schönen Arsene gemacht, welche besonders
durch die schöne Musik von Monsigny
allen Beifall erhalten hat. Gestern wurde
der Beltekstudent gegeben und heute wird
Nicht mehr als sechs Schüsseln
anfgeführt." Es ist also damals jeden
Tag gespielt worden. Welche Not der
hohe Rat in den ersten Theaterjahren
hatte, um Schauspieler auszutreiben,
und wie der Volkswitz sich darüber lustig
machte, ist durch folgende Anekdote be-

H Große komische Oper in zwei Teilen von
Perinot, Mnsik von Mütter.
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