Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 93
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und her, hörte Zeugen ab u. s. w.; es
wurden unsere Soldaten zur Stellung be-
gehrt, auch sistiert. Weil aber der Wirt
und die übrigen Mutteusweileuer selbst
aussagteu, daß ihre Buben Anfänger ge-
wesen, so ist hierüber alles erfüllet und
wird halt glaublich ein jeder seine Schlag'
und Kosten selbst tragen müssen. Mit
diesen Mnttensweilern, welche in der Haupt-
sache nach Biberach gehörten, hatte das
Stift von jeher viel Verdruß und spielten
dieselben uns gegenüber sich gerne als
Biberachsche Unterthanen, als „Viertel-
reichsstädter" auf. — Als die Tapfersten
galten die Schnssenrieder Kontingents-
soldaten freilich nicht. Als sich der
„Butzenjörgle", ein bekannter Spitzbube,
mit seiner Bande ans dem ungefähr zwei
Stunden von Sch. entfernten Voggenrenther
Hof befand und man vom Stifte ans eine
militärische Streife nach demselben ab-
ordnete, ließ das in der Nähe des Hofes
angelangte Kommando den Tambour recht
tüchtig schlegeln; vielleicht gingen dann die
Jänner von selber fort und keiner von
ihnen wurde unglücklich, was dann auch
richtig erreicht wurde.
Am 16. Dezember ereignete sich der
fatale Kasus, daß Matthäus Ammann ledigen
Standes von Oggelshausen, einem
Stadionschen zur Herrschaft Warthansen
gehörigen Pfarrdorse, in Begleitung seines
Vaters über den Federsee der sog. „Vol-
locher Mühle" zugefahren ist, um alldorten
am Gestade dieses Sees von einem Dür-
mentinger Jäger, welcher amicadiliter
dahin verabschiedet war, eine gewisse Schuld
in Güd einzunehmen, wie denn auch dieser
Jäger, so des M. Ammann guter Freund
war, seine bisherige Schuld richtig bezahlt
und seines Weges weiter zurück, jedoch nit
gar ferne von dannen gegangen und ans
eine Ente oder einen Vogel angestanden
ist. Da indes Ammann und dessen Vater
noch immer am Gestade in ihrem Schiff-
lein saßen und auf einen Kerl, welcher
mit den beiden von Oggelshausen aus
dahiugefahreu uud in Dürnau etwas zu
verrichten gehabt, bis dieser znrückkam,
allda gewartet, geschah unterdessen unweit
von ihnen von vorgedachtem Jäger ein
Schuß aus eine Ente, welchen Schuß ein
anderer in dem sog. Seelenhof ansässiger
Türmentinger Jäger gehört und allsogleich

mit seinem Pirschrohr oder Flinte dem
gethaneu Schuß nackgegangen ist, auch
bald den Ammann, der seine Flinte gleich-
falls bei sich gehabt, nebst seinem Vater
im Schiffel erblickt hat und in der Meinung,
daß der gehörte Schuß von Ammann ge-
schehen sei, auf selben zugeeilt ist und von
ihnen wegen vermeintlich begangenen Jagd-
frevels (maßen es in selbiger Gegend streitig
wegen Forstrecht und hoher Jurisdiktion
mit dem Stift Buchau) seine Flinte ohne
weiteres verlangt. Weil aber Matheis
solches als in lloc facto unschuldig, sein
Schießgewehr von sich zu geben, sich ge-
weigert, so kam es zu einem solch' hitzigen
Wortwechsel, daß der Jäger mit Schießen
gedroht, auch wirklich seine Büchse mit
zwei Kugeln geladen nnd auf ihn (Matheisen)
mit den Worten angeschlagen: „Die Flinten
her oder ich schieß . . ." Da aber Matheis
Ammann dessen ungeachtet seine Flinten den-
nochnit hat hergeben wollen, als auch hieriu-
falls ganz unschuldig nicht glauben konnte,daß
es dem Jäger so ernst feie, denn sonsten
Matheis ehnder selbsteu auf den Jäger
losgebrannt hätte, so schoß der boshafte
Jäger den Matheis Ammann so gefährlich
darnieder, daß er gleich gesunken nnd gleich
darauf seinen Geist aufgegeben. Noch vor
er aber den letzten „Schnapper" gethan,
kam von ungefähr ein reisender Domini-
kaner-Mendikant dazu, welcher daun den
Sterbenden noch snd conckitione absol-
vieren konnte, wonach der Vater mit dieser
schauerlichen Leich nach Haus gefahren ist.
Was hierüber für ein Lärmen und Fluchen
wider diesen Jäger und seinen Grafen zn
Scheer allerorts entstanden, ist nicht zu
beschreiben. Herr Graf Stadion v. Wart-
hausen versprach demjenigen eine große
Summe Geldes, welcher gedachten Jäger,
diesen Mörder, tot oder lebendig ihm ein-
liefern würde. Und — was noch mehr
ist, so soll dieser BSsewicht schon fünf
oder sechs Mannsnamen wegen Forst- oder
Jagdfrevels totgeschossen haben, ohne daß
ihn sein Herr Graf deswegen mit Rechten hat
belangen uud nach Verschulden abstrafen
lassen. Vielmehr hat er demselben jeder-
zeit seinen Schutz widerfahren lassen. In-
dessen ist halt der so schnelle Tod des
Matheis sehr zu bedauern; er stand zwar
bei mänuiglich in üblem Ruf, erstlich weil
er ein bekannter Wildpretschütz uud ver-
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