Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 142
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Mjst. gnedigster bevelch und Meinung;
und verpleibe dem Herrn ich angeneme
Dienst zu erzeigen erbieNig und willig.
Datum Ulm den 5. Aprilis 1632. Des
Herrn dienstgeflisseuer Joh. Ahausen König.
M.: in Schweden Commissarius undt Agent
zu Ulm."
Auch diesem etwas schärfer gehaltenen
Nus scheint Georg Christoph keine Folge
geleistet, sondern aus der Nahe Ulms, von
seinem Schlosse zu Bußmannshansen, sich
auf das Stammschloß zu Rieden au der
Kotz in der Markgrasschast Burgau begeben
zu haben. Dort aber traf ihn im folgen-
den Jahre Schlimmes.seitens der Schwe-
den. Nachdem sie seine Unterthanen aus-
geplündert und ihn in seinem Schlosse
lange vergeblich beschossen hatten, zündeten
sie leine Scheuer an und da hiebei einer
der Ihrigen erschossen worden sei, kehrten
sie am folgenden Tage mit Verstärkung
zurück, plünderten das Schloß ans und
führten ihn mit sich fort; „bin entlichen
aber," so schließt er seinen selbstverfaßten
Bericht über dieses Erlebnis, „uff yoches
Interceckieren und Fürbith meiner Frauen
und besreundten wiverumben (doch gegen
Erstattung 100 Neichsthaller) losgelösten
und uff freye» fueß gestellt worden."
B._Pf. G.
Oberländer Lpirzbuben-Ohronilr.
Von Amtsrichter a. D. Beck.
(Schluß.)
Zu Buchau auf dem Weiherwnhr wurde
der Wirtin selig letzte Hochzeitshanbe, mit
goldenen Spitzelt besetzt, sowie eine andere
ebendergl. Haube von der Wirtin selig bei
Dürmenti nge n gefunden und allhero
eingeschickl; diese Hauben wurden von den
Juden in der Angst und Eile verloren.
Weil nun dieses augenscheinliche incliciu
waren, wohin die Inden ihren Weg ge-
nommen, so wurden von seiten unserer
Herrschaft zwei ehrliche, brave und hand-
feste Männer, benanntlich Vincenz Feßler
aus Du uze »Hausen — einem Sch.
gehörigen, ober dem Olzreiter See ge-
legenen Weiler — und Anton Kettenacker
von Steinhaufen, mit einem Kanzleipaß
versehen und um die bösen Inden zu per-
sequieren geschickt, welche dann ihren Weg
über Dürmentingen rc. bis Niedlingen ge-
nommen, auch allerorten die mörderischen

Schelmenjnden erfraget und endlich erfahren,
daß viele verschiedene Inden Geis ingell
zu, einem Gotteshaus Zwiefaltenschem
Dorfe, marschiert lind vermutlich daselbst
ihre Einkehr genommen haben. Feßler
und Kettenacker dies vernehmend liefen
spornstreichs Geisingen zu und allda ins
Wirtshaus, wo sie in der Thal bei 15
oder 20 dergl. Lumpen und Betteljnden
antrafen. Ans dieses hin requirierten sie
beide im Namen hiesiger Herrschaft den
daselbst^gen Vogt oder Vorgesetzten, diese
Juden anznhalten und zu visitieren, welches
dann auch allsogleich geschehen; man fand
indes bei ihnen nichts weiter Verdächtiges.
Hier ist aber zu wissen, daß in eockem
tempore et loco sich die rechten ausge-
suchten Inden und Mörder, und zwar
acht oder neun an der Zahl in einem
Bäcken- und zugleich Branntweinhaus in
gedachtem Geisingen samt ihrem bei sich
habenden Raube befunden, welche aber dann
bei anfgekommeuem Lärmen, daß die In-
den im Wirtshaus arretiert und ausgesucht
werden, sich in höchster Eile flüchteten und
aus dem Staube machten. Einer von
diesen aber warf aus Angst und Fmcht
seinen gestohlenen Bündel in des ersagten
Bäckenhanö Garten von sich und bedeckte
denselben mit Schnee, welcher Bündel nach
vergangenem Schnee gefunden wurde; in
demselben waren ein oder zwei silberne
Lössel, zwei silberne Messer und Gabeln,
ein Korsetiel, einiges Bettzeug, ein oder
mehrere silberne Rosenkränze und anderes
mehr, welches diese Spitzbuben zu Stein-
Hausen alles geraubt haben. Dabei befand
sich ein Hemd, welches einer Bnchauer
Jüdin gehörte und mit hebräischen Zistern
bezeichnet war, woraus anzunehmen, daß
die Buchauer Inden diesen Schelmeninden
Unterschlauf gegeben oder gar „nutgelaichet"
haben; darauf wurde des zu Geisingen
Vorgefundenen gestohlenen Gutes halber
zwischen allhiesigen und Zwiefaltenschen
Herren korrespondiert und daraufhin obspezi-
sizierte Sachen dem Wirt von Steinhaufen
wiederum ordentlich ansgefolgt. Weilen
man aber dieser verfluchten Schelmenjnden
hat nicht habhaft werden können und die
Inden in Buchau, welche die Thäter recht
wohl kannten, dieselben nicht angeben
wollten, so hat man von allhiesiger Herr-
schaft aus, um sich an diesen boshaften
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