Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 19.1901

Page: 145
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Organ für Geschichte, MtertuinMnnde,
Rulkst und Vrultur der Diüeese Gottendurg und der angrenzenden Gebiete.
kscrausgeaebeil und redigiert von Anitsrirhtcr a. D. BecU in Liavcilttnlrg.
Beiträge, Korrespondenzen rc., N e z e n s i o n s - E re mp la r e, Tanschzeilschristen :c. wollen
stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Vestel langen n»d Neklaniationen an
die Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbanstraße 94, gerichtet werden.

Wr.

WO-1.

Erscheint monatlich einmal und ist halbjährlich durch die Post znin Preis von
M. 1,90 ohne Bestellgebühr; durch alle Buchhandlungen sowie gegen Einsen-
dung des Betrages direkt von der Expedition um M. 2,10 (außerhalb des


Oir FMularisatlon in Württemberg.
Von Amtsrichter a. D. Beck.
Grundgesetze lösen sich auf der
festesten Staaten,
Und es löst der Besitz sich los
vom alten Besitzer,
Freund sich los von Freund; so löst
sich Liebe von Liebe.
Goethe.
Das Herankommen des Zeitpunktes, au
welchem sich die über die kalhol. Kirche iu
Deutschland hereingebrochene, schwere Kata-
strophe der schon auf dem berüchtigten
Nastatter Kongresse v. I. 1798 n. dann
im Lnneviller Frieden den 1801 zu Ent-
schädignngs- u. Abfindnngszwcckeu verein-
barten u. schließlich i. I. 1803 durch dcu
Neichödeputationshanptschlnß endgültig be-
schlossenen Säkularisation zum 100.
Male fährt, legt, nicht ohne schmerzliche Er-
innerungen wachznrnsen, einen Rückblick ans
sene große Zertrümmerung der Kirche nahe.
Bei dieser unserer, ans vielfachen Wunsch
gegebenen, Rückschau sehen wir von einer
Einleitung über die Säkularisation i. Allg.,
d. h. über deren wahres Wesen in religiöser,
rechtlicher und politischer Hinsicht, deren
Gesch., Vorboten, Entstehung, über die von
langer Hand her, insbes. durch eine massen-
hafte Flug- und Agitatiousschristen-Liltera-
tur (mau zählt deren über 11 000 St.)
bclnebenen Vorbereitungen derselben u. s. w.,
ebenso über die einzelnen Orden ab,
da ja darüber schon so Vieles geschrieben
worden ist u. Manches nur zu wiederholen
wäre. Es genüge hier, au der Auffassung
festzuhalten, wie die Säkularisation in
Wahrheit — mag man dagegen sagen was
man will —- nichts anderes als ein un-
geheurer himmelschreiender Nechtsb r u ch

war und wie an der landläufigen Behaup-
tung, die Klöster haben sich überlebt und
seien nicht mehr zeitgemäß gewesen, von
der katholischen Kehrseite aus gesehen,
nur so viel Wahres ist, daß manche Kl.
(namentlich reichsunmittelbare), allerdings
an ihrem damaligen Geschicke nicht ohne
Schuld — „ex te perckitiv, sssrael!" —
waren, soserne sie da und dort im Lause
des 18. Jahrhundeitö von ihren Regeln
abgewicheu und weltlichen Neuerungen, ja
sogar der Anfklärerei Eingang verschafft
hatten. Dies hätte aber nur eine Reform,
! um welche es freilich den damaligen Macht-
habern gar nicht zu thnn war, nicht aber
^ eine so radikale Aufhebung gerechtfertigt;
^ und gegenüber der vielfach gehörten Be-
hauptung von der ferneren politischen Ilm
Haltbarkeit der Neichsstifte hätte sich immer-
hin fragen lassen, ob dieselben unter Aus-
gabe ihrer Souveränität u. Abtretung
eines entsprechenden Teiles ihres Ge-
^ bietes, als rein geistliche Anstalten nicht
hätten weitcrgeführt werden können?!
Allein — ihr Untergang war einmal be-
schlossen; so lag es im Zeilgeist, welcher nichts
^ als Uebelwollen, Feindseligkeit, Haß, Spott
und Verachtung für das Ordenswesen hatte,
wozu daun noch sehr materielle Beweg-
gründe mitwirkten! Im großen Ganzen
i sind die Vorwürfe der Unkirchlichkeit etwas
übertrieben worden und die Klöster ihren
Pflichten uachgekommen; iu den ersten
Zeiten die Pioniere der Kultur, wurden
sie iu der Folge Pflegestätten der Frömmig-
keit, des Seeleneifers, der Wissenschaft, Kunst
n. Wohllhätigkeit. Insbesondere gingen ihre
Leistungen ans charitalivem Gebiete, so-
wohl der großen Gotteshäuser als der
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