Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 27
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Stadttheater in Ulm engagiert für die
Saison 1844/45. Er war reich begabt.
Leider lehnte er einen Rnf an das groß-
herzogliche Hoflheater in Darmstadt ab
nnd zog es vor, statt dort sich anfangs mit
kleineren Rollen zu beginnen, an kleineren
Bühnen sofort große, erste Rollen zn
spielen. Er wollte, wie einst Julius
Cäsar, lieber im Dorf der Erste, als in
Rom der Zweite sein. Ans der Misere
der kleinen Bühnen gelang es ihm indessen
nicht mehr, sich empor zu arbeiten zn einer
Stellung an einer ersten Bühne. Znm
Schluß war er Theaterdirektor in Böhmen,
wo ihn 1866 der Krieg brotlos machte.
Später lebte er in Wien. Dort ging er
eines Abends ins Theater, kam nicht
wieder heim nnd ist seitdem verschollen.
Er hatte drei Söhne, von denen einer
ebenfalls Schauspieler ist, und eine
Tochter.
Am 26. nnd 27. Dezember 1843 und
28. Januar 1844 wurde gegeben: Der
Bastard von Ulm, Drama in 3 Akten
nach Spindler von G o e r n e r.
Am 9. Dez. 1843 gab die k. k. Hof-
schanspielergesellschast ans Wien eine Vor-
stellung (Mrs. Engere Gonffier), am
19. Dez. Zauberer F. W. Bach mann
ans Wien, am 27., 29. März 1844
gastierte Franz Wallner, Opernregissenr
vom Deutschen Theater in Lemberg, vom
30. März bis znm 8. April war die
Bühne geschlossen. Am 8., 9., 10., 12.,
14., 15. April gastierte der königlich
bayerische Hofschauspieler Lang, am
19., 21., 22. April Gerstel vom Hof-
theater in Wiesbaden.
Die elfte Saison Dar denn es währte
vom 1. Juni 1844 bis znm 30. April
1845. Die Gesellschaft bestand aus 16
Herren (darunter Dieffenbacher), 13
Damen, 4 Kindern, 1 Musikdirektor (L.
Müller), 1 Inspizienten, 1 „unter-
irdischen Gedächtnis - Ansbessercr". Am
21. August 1844 war Konzert deö könig-
lich württembergischen Hof- und Kammer-
rnusikus Beerhalter. Am 24., 26.,
28., 30., 31. März 1845 gastierte Hof-
schanspieler Pfeiffer ans Mannheim,
am 2. April Philipp Zöllner, Regisseur
des Stadttheaters in Pest, am 6., 7.,
13., 15. April Herr nnd Madame
Grabowsky, herzogliche Hofschauspieler

ans Wiesbaden. Am 9. Juni 1844 war
deklamatorischer Vortrag des k. k. Schau-
spielers Nohn. Im Jahre 1845 ließ
Dardenne auf eigene Faust 48 Sperr-
sitze ins Parterre machen nnd ersuchte den
Magistrat, 195 fl. 25 kr. dafür zn zahlen.
Aber dieser ließ ihm bedeuten, daß er die
Sperrsitze nur selber zahlen möge, da er-
ste auch ganz eigenmächtig habe fertigen
lassen. Zudem seien sie notorisch un-
praktisch. Nun kamen die Geschäftsleute
an den Magistrat und baten, dem Direk-
tor den Betrag für die Sperrsitze an seiner
500 sl. betragenden Subvention in Abzug
bringen zn -wollen. Schließlich nahm der
Magistrat einen Augenschein nnd bezahlte
„für diesmal noch". Auch drang Ober-
bürgermeister v. Wölb ach darauf, ander
Seite gegen den Hof hinaus eine Stiege
anbringen zn lassen, damit im Falle eines
Brandes die Leute auf den Logen nnd der
Galerie sich rasch ins Freie retten könn-
ten. Aber die übrigen NatSherren scheinen
dagegen gewesen zn jein.H Am 23. Juli
heißt es in der „Schwäbischen Chronik",
S. 809: Für die Verschönerung unseres
Stadttheaters nnd zn teilweisen Neubauten
sind im Etat 600 fl. ausgenommen wor-
den, sowie 500 fl. für den Direktor zn
Gegenzahlungen, das heißt zn besserer
Stellung der beliebten Bühnenmitglieder.
Die zwölfte Saison Dardennes
dauerte vom 17. September 1845 bis znm
30. März 1846. Die Gesellschaft be-
stand ans 17 Herren, 8 Damen (dar-
unter Frau v. Franken), 3 Kindern,
1 Musikdirektor (Ebell), 1 Inspizienten,
1 Souffleur, 1 Kassier, 1 Garderobier,
Theatermeister Iooß mit 5 Gehilfen,
1 Friseur mit 1 Gehilfen, 1 Beleuchter
und Dekorateur mit 3 Gehilfen, 2 Requi-
siteuren nnd Zetteliräger. Konditor-
Vetter hatte das Buffet. Theaterärzte
waren vr. Röd e r nnd Wund nnd Zahn-
arzt Kaufmann.
Am 26. September 1845 wurde zur
Vorfeier des Königs Geburtstags ein
von Reallehrer Joh. Georg Fischers
gedichteter Prolog von Frau v. Franken
gesprochen.
„Ulrner Tagblatt" 1896. S. 1539.
2) Derselbe dichtete auch das Festspiel zur
Feier der Vermählung der Prinzessin Katharina
mit Prinz Friedlich 21. November 1815.
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