Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

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uns nicht erstreckt zn haben. Denn das
von Paulus (Schwarzwaldkreis S. 447)
genannte gotische Enchariuskirchlein zu
Seitingen, OA. Tuttlingen, ist nicht
dein hl. Eucharius geweiht, sondern dem
hl. Eustasius, welcher ein Schüler des
hl. Colnmban und Abt zn Luxenil in
Burgund war. Nach einer gütigen Mit-
teilung des Pfarramts Seitingen bekam
das Kirchlein den Namen Anstatt von
dem Gotteshause Anstatt zn Wiederdors
in Westrich, dessen Aebtissin Anna von
Nißwiler die Reliquien des hl. Eustasius
im Jahre 1486 dem Pfarrer Johann
Nenn in Seilingen geschenkt hat. lieber
diese Aebtissin und ihr Kloster konnte bis
jetzt kein Aufschluß gewonnen werden.
Das Westreich soll früher Teile vom
Elsaß, von Lothringen, von der Pfalz
und Rheinprovinz umfaßt haken und be-
zeichnet jetzt noch die obere Rheinpfalz
mit den Städten Zweibrücken, Pirmasens
und Kaiserslautern. (Der Pfälzer sagt
oder erklärt Weststrich, hat also die histo-
nsche Bedeutung vergessen.) In Elsaß-
Lothringen gab es nie ein Nißwiler; ein
Nidreville, im Westreich gelegen, wird in
einer Urkunde vom Jahre 1163 erwähnt.

Meberch Meer, über den Wein, über
die Donau schworen.
Grimms „D. Wörterbuch" (IX., 15.
Lieferung, S. 2734—2746) führt wohl
zum Wort: „Schwöre n" unter Ziff. 5 be-
sondere Wendlingen mit Präpositionen an,
z. B. an die Heiligen schwören, eigent-
lich die Reliquien der Hl. berühren und
dabei auf dieselben geloben, schwören;
dann aus der Stadt, dem Lande schwören,
d. h. sich eidlich velpflichten, Stadt oder
Land zn verlassen n. s. w.; weiter über
die hl. Evangelien schwöret! (ower de
heiligen sweren). Hier vermißt man aber
nun sehr den im 15. und 16. Jahrhundert
östels vorkommenden Ausdruck: „lieber
(auch ans) Meer sch w ö r e n", welcher
sich vornehmlich ans das hl. Land, Jeru-
salem bezog und im ganzen so viel wie
geloben (als Teil der Sühne, bezw. Buße),
eine Meerfahrt, Wallfahrt ins hl. Land
snr die Seele des Gelöteten zn machen,
bedeutete (zn vergl. den Alt. „Meer
(über Meer)" im „D. Wörterbuch").
In ähnlicher Weise kommt um die gleiche

Zeit der Ausdruck: „lieber (an) den
Rhein, über die Donau schwören"
vor, welcher bekanntlich im allgemeinen so
viel heißt, als schwören, das Land
bis über den Rhein, über die
Donau zn meiden. Speziell bedeutet
„lieber den Rhein schwöreil" eine in
jener Zeit vielfach als Buße für Totschlag
anferlegte Wallfahrt nach Aachen (Auch),
welche zn damaligen Zeiten als eiste der
Christenheit galt; „an (über) die Donau
schwören" möchte man vielleicht auf eine
Bnßfabrt nach Negensbürg zur „schö-
nen Maria" oder etwa nach Jnchen-
hofen zu „St.Leonhard" in bayer.Schwa-
ben beziehen (zn vergl. „Schwäb. Wall-
fahrten" von Beck, „D.-A." XVI., 1898,
S. 152)'). Zn Augsburg wurde i. I.
1509 einem Straßenränder das Urteil
verlesen, das Land bis über den
Rhein zu meide n (nach handschriftlichen
Malesizaklen). Auch in Schwäb. Hall
kam wegen Gotteslästerung ewige Ver-
weisung vor. Noch die markgräfl. Bad.-Hoch-
bergsche Landesordnnng, Dnrlach, 1710,
verweist (S. 327) unzüchtige Weiber nach
erstmaliger Slänpnng mit Nnlen und ge-
schworener Uephed „über die Donaw".
Hilft es nicht, so sollen sie vom Leben
zum Tode durch Schwert oder Wasser ge-
bracht werden (S. 328). — Für „übern
Rhein sch wören", kommt auch „über
den Rhein bieten" vor. In einer Ur-
gicht gegen den getauften Inden Hans
von Straßbnrg, einen Erzgauner, wurde
derselbe zn Nördlingen i. I. 1487
erst zum Ertränken, dann zur Enthauptung
verurteilt, schließlich aber auf Fürbitte
ehrbarer Frauen begnadigt und nur vom
Nachrichter mit Nuten auSgehanen und
„ans ewig über den Rhein gebo-
ten". (Müller, „Beiträge zur Gesch. der
Juden im Rieß" in Zeitschr. des histor.
Vereins für Schwaben und Nenbnrg,
XXV., 1898, S. 69.)
Ebenso fehlt bei Grimm a. a. O.
der moderne militärische und auch studen-
tische Ausdruck: „Auf die Klinge (Säbel
beim Militär, „Speer" bei den Studenten)
schwören. „Schon im frühen Altertum

f) Bis hieher ist dieser Art. schon in der
Zeitschr. „Euphorion", VII., 1900, S. 686
erschienen, und folgt hier nun wesentlich er-
weitert.
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