Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

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schwuren nach Jak. Grimms deulschenNechls-
altertümeru (2. Ausgabe, S. 896 ff.) bei
Besprechung des Eides und der Form seiner
Ableistung die „freien Männer aus ihr
Schwert", welcher Gebrauch in einigen
Gegenden noch unter den Christen fort
dauerte."
Noch ein anderer merkwürdiger, mit dem
Schwören in Verbindung stehender Aus-
druck schreibt sich aus dem Mittelalter her,
das Schwören in ein Grübl ein, !
in ein Loch. In eiuem Ulm er Rats- i
Protokoll vom I. 1508 steht: „Die Buben,
die in ein Grüblein geschworen haben,
sollen sanglich angenommen werden". Nach
Schmids schwäbischen: Wörterbuche oc,
S. 244/245 soll sich dies nun aus der
Sitte erklären lassen, deren sich Schund
aus seiner Jugendzeit noch erinnert, nach
welcher die Knaben, wenn sie etwas als
Wahrheit feierlich bekräftigen wollten, den
linken Zeigefinger gegen den Boden') mit
den Worten ansstreckten: „Ich will dies
sein, wenn's nicht wahr ist!" — In dem-
selben I. wurde ein Bürger von Ulm, der
vermutlich eine Grube gemacht und An-
dere angestrengt und verursacht, daß sie
Gott den Allmächtigen daran gelästert haben,
mit Nuten ans der Stadt gepeitscht; er
mußte über dem Loch schwören. —
Dieser Erklärungsversuch Schmids ist in-
des gesucht und gezwungen und leuchtet
einem nicht recht ein. Vielleicht läßt sich
die Sache so erklären: Die alle heidnische
Schwurmethode vor Einführung des Chri-
stenthums bestand in der wohl auch her-
nach noch lange beibehalteneu Sitte,
Steine ins Wasser (also vielleicht in
ein Grüblein, eine Grube, in ein Loch)
zu w erfen , .wobei der Schwörende Be-
teuerungen bezw. Verwünschungen auS-
stieß. Dies ist auch mit der Grund zu
der Redensart: Stein und Bein
schwören. Nach der Ausbreitung des
Christenthums geschah der Schwur, indem
die eine Hand auf Reliquien von Heiligen
(auf „Beiner") gelegt wurde. Die
Heiden schwuren Stein/ die Christen
Bein; und die stärksten Schwüre nannte

0 Im Allgäu giebt es eine Beteuerungsfor-
mel: Sterben da (d. h. ich will da sterben,
wenn's nicht so ist). Im schwäb. Oberland sagt
man: Ich soll g'rad' sterben, wenn's nicht wahr
(nicht so) ist.

mau später „Stein und Bein schwö-
ren." ?. Lecl<.

Moniere Mitteilungen.
—cll. Ein Trauerbrief von anno dazu-
mal. Todesbotschaft der ehrwürdigen
Dominikanerinnen zu Sießen (bei Saulgau)
in Ober-Schwaben an die hochwürdigen Väter
Dominikaner in K. . z (Konstanz?). (Der Trauer-
brief (Formular) ist gedruckt; die Namen aber
sind hineingeschrieben.)
Jesus, Maria, Dominikus!
O Tod! wie bitter ist die Gedächtnuß!
biccl.: 41. v. 1.
Eben diese Todesbitterkeit hat sogar auch in
Sießen unserm Kloster, wenigst dem Leib und
Sinnen nach verkostet unsere, jetzt hoffentlich in
süßen Frieden ruhende liebe Mitschwester, Maria
Magdalena Fischerin, 19 Jahre Prio-
rin, als welche nach kurz verkosteter Lebens-
süßigkeit, in deme auch 1000 Jahr vor Gott, wie
der gestrig Tag, zwischen 1 und 2 Uhr morgens
früh hingerißen sagen müßen: siehe, ich sterbe!
also das bittere Sterbemuß vollends auseßen,
und zwar im 62. Jahre ihres Alters und ihrer
Profession in dem 46 Jahr. Sollte wider Ver-
hoffen ein auch nur wenig unerlaubt geschluckter
Honig ihre Qualen in dem Reinigungsfeuer ver-
gällt haben, wollen wir hiedurch unsere hochwer-
tigste in Christo verbundene erbeten haben, solche
Säure mit süßslicßender Vorbitt zu mildern, also
der Verstorbenen eme süße Ruhe zu wünschen.
Ein welches wir auch in was immer Gott ge-
fälligen Fällen anerbitten, und mit aller Ergeben-
heit beharren.
Sießen, den 3. Mai 1786.
Ergebenste Dienerin.
M. Antonia Bäurinn.
Superiorin und Konvent.

Titterurischeg.
Eine wohlverdiente Abfertigung erfährt in
den neuesten „Jahresberichten der Geschichts-
wissenschaft" pro 1899 (Berlin, R. Gärtners
Verlagshandlung, Z 26, s. v. Württemberg, II.
182) K. Wellers Arbeit über „den gegen-
wärtigen Stand der landesgeschichtlichen Forschung
in Württemberg" in den neugegründeten, bei
Perthes in Gotha herausgegebenen „D. Ge-
schichtsblätter zur Förderung der landesgeschicht-
lichen Forschung", 1., 1899, S. 47—55. Mit
vollstem Recht wird hier gesagt, daß dieses
Machwerk „nicht das enthält, was es verspricht".
„Weller greift" — so fährt die Anzeige in den
„Jahresberichten" vollbegründet fort — „aus
der Reihe der Geschichtsforscher einige Namen
heraus, ignoriert wichtige Arbeiten, so die
von G. Hauber und O. Krimmel über die
Karlsschule, die wertvollen Arbeiten P. Kepplers
und P. Weizsäckers über die kirchliche Kunst-
geschichte, die zahlreichen kunst- und kultur-
geschichtlichen Arbeiten P. Becks und Pantlens
gründliche Aufsätze über das w. Medizinalwesen,
die Arbeiten E. Nüblings über die Gewerbe-
und Handelsgeschichte, sowie Th. Drücks Arbeiten
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