Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

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über das Asylrecht und Rothenhüuslers vorzüg-
liche Schrift über die Jfflinger. Er kennt nicht
die Publikationen des Reutlinger und Mergent-
heimer Altertumsvereines, wie die zahlreichen
im Medizin. Correspondenzbl. erschienenen Aus-
sätze über die Gesch. des w. Medizinalwescns.
Die Fundberichte bezeichnte er irrig als Zeit-
schrift f. die Gesch. der Römerherrschast, während
sie auch Vorrömisches und Alemannisches ent-
hält und eine Veröffentlichung der Reichslimes-
kommission ist." Der Verfasser dieser Aus-
stellungen, der bekannte Schriftsteller Th. Sch ö n,
hätte seine eigenen, hauptsächlich genealogischen,
zahlreichen und verdienstvollen Arbeiten, welche
W. gleichfalls ignoriert hat, füglich dazu setzen
dürfen! Und — auch sonst findet sich in W.'s
Uebersich t noch gar Manches übergangen; so ist
— um nur Weniges in dieser Richtung anzu-
führen, die A lemannia, welche weit über zwei
Dutzend Jahrgänge hinter sich hat, und selbst ein
Forscher wie L. Bau mann übersehen! Mit
Ausnahmevr. Doch ezer s und Günters ist über-
haupt — was bezeichnend ist — kein weiterer Katholik
von W. genannt. Wahrlich! die (ca. 30) Herausge-
hobenen können stolz auf solche Ehrung sein! — Wie
W. im einzelnen verfährt, davon mögen hier nur
einige wenige Beispiele erwähnt sein. Er be-
klagt sich auf S. 53 darüber, daß die neuere
schwäb. Kunstgesch. nur durch ein einziges Buch
(Wintterlins Künstlerbilder) in Angriff genommen
sei, während im „D.-A." die Biographien des be-
rühmten Steinschneiders L. Natter und der Künst-
lerfamilie Dinglinger aus Biberach sowie zahl-
reicher anderer schwäb. Künstler, eine Zusammen-
stellung der oberschwäbischen Kupferstecher, ebenso
in der „allg. d. Biographie" manche biographische
Beiträge zur w. Künstlergeschichte stehen. Aehn-
lich verfährt W. bei der w. Rechtsgeschichte,
welche im argen liege und gar nichts leiste; er
verschweigt dabei die diesbezüglichen Arbeiten in
der Alemannia, wie „Gerichtsverfahren und Ver-
waltung in den Herrschaften Königsegg und
Aulendorf", „alt-Roth'sches Statutarrecht" und
zahlreiche Veröffentlichungen über schwäb. Hexen-
prozesse in einer Reihe von Zeitschriften u. s. w.
Eine derartige Behandlung ist eher geeignet, eine
unrichtige Vorstellung von dem „gegenwärtigen
Stande der landesgeschichtlichen Forschung in
Württemberg" zu erwecken und ist der von
Schön am Schluffe seiner Relation ausgesprochene
Wunsch nach einer Bearbeitung des von W. be-
handelten Themas von kundigerer, unparteiischerer
und gerechterer Hand nur zu berechtigt. Frei-
lich muß man sich sehr darüber wundern, daß
diese mehr als einseitige Leistung in Schwaben
noch von einigen Seiten Beifall gefunden hat.
— Eine etwas gerechtere, aber doch nicht in
alleweg zutreffende Würdigung erfährt derselbe
Gegenstand, soweit es die Partialkirchengeschichte
angeht, in derselben Zeitschrift (II., 8. Heft,
S. 203—210). Vom „D.-A." wird zwar nur
der teilweise Inhalt des 18. Jahrganges ange-
geben, dabei aber die wichtigste Arbeit desselben:
„Aus den Tagen der Regentschaft in Württem-
berg" (in Nr. 2/3) ausgelassen. Aus den vor-
hergegangenen 17 Jahrgängen wird, im Gegen-
satz zu anderen Zeitschriften, gar nichts hervor-
gehoben; aus denselben hätte sich auch ergeben,

wem der Hauptanteil an dem Bestehen und den
Veröffentlichungen des „D.-A." zufällt. Auch
möchten wir insbesondere noch bemerken, daß
das „D.-A." keineswegs „meist kleinere Ar-
beiten" enthält, was andere weise Leute „Klein-
arbeit" zu nennen belieben, als ob dem auf
Schwaben beschränkten „D.-A." nicht an sich schon
Grenzen gezogen wären und als ob dasselbe nicht
seinem Charakter als Zeitschrift (und nicht
Jahrbuch) durch Einstellung von Arbeiten im
Umfange von 1—4 Bogen und Vermeidung von
ins Ungemessene gesponnenen litterarischen Band-
würmern und Ungetümen Rechnung zu tragen
hätte! — Noch unter der Wellerschen Leistung
steht ein in der „D. Zeitschr." von E. Wachler
(Berlin, Verlag von Gose und Tetzlaff) im 18.
„Schwäb. Heft" betitelten Hefte des 14. Jahr-
ganges (1901) erschienener Artikel: „Die schwäb.
Presse". Hier heißt es u. a.: „Die katholische
Klerisei (!) findet sich im „Pastoralblatt für die
Diöcese Nottenburg" (seit 1887) zusammen. Das
„Archiv für christliche Kunst" und das „D.-A.
in Schwaben" arbeiten in gleichem Geiste."
Nun erschien bekanntlich das gen. Pastoralblatt
von 1883 (nicht von 1887) an, hat aber seit
Mitte des Jahres 1894, also seit 7 Jahren, zu
erscheinen ausgehört. Auch widerspricht die diesem
„Pastoralblatt" zugeschriebene Bedeutung, über
welche selbst der ehemalige Herausgeber nicht
wenig erstaunt sein wird, vollständig den That-
sachen. Dagegen kennt dieser famose Journalist
die im 83. Jahrgang stehende hochangesehene
Tübinger „Theologische Quartalschrist",
ebenso das beachtenswerte, seiner Zeit von Grün-
eisen, Mauch u. a. ins Leben gerufene „Christliche
Kunstblatt" nicht. Bei diesen und sehr vielen ande-
ren Proben und Lücken verlohnt es sich nicht, noch
mehr aus dieses Machwerk einzugehen. Die
Krone des „Schwäbischen Heftes" bildet jeden-
falls die „Schwäbische Bücherschau". Hier scheint
auch der Grundsatz zu gelten: „Latbolics. sunt
— non leZuntur" (zu vgl. auch damit die be-
rechtigte Kritik über K. Weitbrechts D. Lite-
raturgeschichte in Beil. 42 vom 27. Juli v. I.
zur A. „Postzeitung", S. 335, und die Be-
sprechung des 1884 erschienenen „Schwäbischen
Dichterbuches" von K. Weitbrecht in der Num-
mer 71 vom 28. März 1885). Das einemal
ist man inferior, das anderemal wird man, wo
das „Herunterreißen" nicht fertig gebracht werden
kann, ignoriert — „echte gerechte Stistlerskritik"!
Hu bl er, Di., I. M., B. Schwaben und
Nenbnrg rc., eine Landes- und Volks-
kunde, Stuttgart, Verlag von Hobbing
und Buchle, 325 S., Preis M. 7.—,
geb. M. 8.50.
Bildet den 6.Band derSammlung deutscher Land-
schaftskunden und Städtegeschichten, die genannter
Verlag unter dem Gesamttitel: Das Land und
Leben in Einzelschilderungen seit einigen Jahren
herausgiebt, umfaßt eine teilweise interessante,
zum Teil auch schon so von M. Meyr, Baumann
vortrefflich geschilderte Gegend. Der Text zeich-
net sich durch eine leichte, angenehme Dar-
stellung sowie durch eine reiche Fülle (ca. 50)
wohlgelungener Tafelbilder aus.
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