Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 56
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Streiche, welche zu seiner Zeit unmöglich
ohne Ahndung passiert werden können.
Am 26. Febr. kommt vom Kommissär
zu Memmingen ein Zirkulär, worin er
anknndigt, daß er den Auftrag habe, alle
Ncquisitionsartikel in acht Tagen einzu-
treiben und wer nicht zwei Drittel liefere,
dem soll auch nichts abgerechnet werden
von dem, was er sonst überliefert habe.
Wir berufen uns einstweilen auf die münd-
liche Zusage Mathien Faviers, und erwarten
von dorther etwas Bestimmtes.
Unsere Chyrurgi betrugen sich gestern
wieder sehr tumultnarisch und klagten über
Hunger bei vollen Schüssel». Wirklich ist
ein Spitalagent hier, mit dem man sich
über diese Auftritte bespricht; er mißbilligt
dieses Betragen und rät, man solle an
Moreau schreiben' Kindereien! Moreau
ist, weiß Gott, wo, und diese ungezogenen
Bursche fragen niemand etwas nach.
Am 27. Febr. giebt uns Herr Frings Auf-
klärung über obiges Zirkular und sagt, er
sei so glücklich gewesen, endlich ein Zertifi-
kat auszuwirken, wie viel Weingarten über-
liefert habe; schon hätte selbes von Giroust
unterschrieben werden sollen, als noch
mehrere Stände mit dem nämlichen
Gesuch kamen; Giroust wird böse und
dekretiert, erstens die älteren Rückstände
der früheren Requisitionen sollen auf der
Stelle durch Exekution eingetrieben wer-
den, zweitens alle Stände sollen in acht
Tagen zwei Drittel der letzten Requisition
einliefern oder Exekution! Wegen der
Geldkontribntion verfahre man ebenfalls
mit äußerster Strenge. — Herr Ober-
amtmann reist also nach Kempten, um zu
sehen, ob man mit dem dortigen Magazin
nicht auf eine vorteilhafte Art sich ver-
gleichen könne.
Der Spitalmedikus fängt nun auch an
zu plagen. Bisher wohnte bei ihm der
erste Chyrurgns, da aber dieser fortgeht
und der Medikus mit dem neuen nicht so
gut Freund ist, so will er diesen nicht bei
sich im Zimmer leiden. Wir haben keinen
andern Ausweg, als daß wir den Sekretär
und den Registrator ansziehen heißen.
Am 1. März abends 8 Uhr kommt eine
Exekution von sieben Husaren, weil man
die verfallene Geldkontribntion noch nicht
bezahlt habe. In der Ordre geschieht
auch schon eine Meldung vom vierten

Monat. Diese Soldaten sollen auf Dis-
kretion (wird gut herauskommen) leben;
ein Gemeiner bekommt täglich drei, der
Unteroffizier sechs Livres; sie sollen solang
bleiben, bis man ihnen die Quittung zeigt.
Wenn in zehn Tagen nicht alles bezahlt
sei, so dreht der General Bontemps, die
Mannschaft zu verdoppeln und den obigen
Sold zu erhöhen.
Herr Oberamtmann reist noch in der
Nacht mit dem Gelde nach Augsburg, um
die Exekution wegzubringen. Wir wer-
den noch viel anszustehen haben, bis die
Truppen fort sind; die Franzosen wollen
noch gar alles znsammenpacken und ihren
Leuten Vakanz verschaffen.
Am 3. März schickt Herr Frings einige
Quittungen über der Kontribution, per Ab-
schlag von beiläufig 12 000 Frcs., und
vom Konnte über 206 fl., dann die Bons
vom Heu.
Die Blumenegger haben mit Levi von
Ems einen Accord über ihre Requisition
abgeschloffen und an ihrer Geldkontribution
1000 fl. erlegt; sie versprechen den Rest
in acht oder zehn Tagen einznsckicken. Man
schickt an Herrn Frings 2372 fl. und hie-
mit wird die ganze Kontribution pro drei
Monat bezahlt. Vermutlich werden aber
noch 1 lls Monat gefordert, wenigstens ist
ein Monat verfallen. Alle Aemter wer-
den avisiert, daß Exekution da sei und daß
man ihnen dieselbe auf den Hals schicken
werde, wenn sie den Rest nicht bis 7. März
abtragen. Die Husaren verlangen selbst
aufs Land hinaus, um sich dort lustig zu
machen und Geld zu verdienen.
Gleich am 2. März ließen wir die obere
Stube im Gasthaus für die sieben Husaren
zurichten, denn im Wirtshaus kommt die
Zeche entsetzlich hoch; sie sind ziemlich
ruhig, weil man sie gut verpflegt. — Wein
brauchen sie entsetzlich viel, sie saufen über
eine Mahlzeit 20 Maß und auf die Nacht
decken sie sich mit einer wohlgemessenen
Portion Kirschenwaffer zu.
Am 5. März fordern obige Husaren
ihre Exekntionsgebühr und zwar für
5 Tage für den Unteroffizier 1 großen,
für jeden Soldaten 1 kleinen Thaler pro Tag,
dann für den ersten Douceur. Nachmittags
ziehen sie ab. Aber um 10 Uhr mittags
fängt eine bittere Tragödie an! Es sprengen
20 Husaren vom 6. Regiment des Oberst
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