Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 71
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lichen Gefahren aussetzen, die so weite
Reisen notwendig mit sich brachten- Er
geleitete den Scheidenden bis Memmingen.
Der Abschied von ihm siel Fabri so
schwer, daß ihn auf der ganzen ersten
Reise das Heimweh nie ganz verließ?)
Als Fabri zum andernmal wieder gesund
und wohl in sein Kloster zurückkehlte,
gestattete der sonst strenge Prior, daß der
ganze Konvent sechs Tage lang dieses
freudige Ereignis feiere. ^)
Den äußeren Lebensgang des regel-
eifrigen Mönches, des wissensdurstigen
Predigers und Lesemeisters, des viel-
beschäftigten Schriftstellers und kühnen
Pilgers haben wir kennen gelernt. Aus
den weiten, gefährlichen Reisen gewann
Fabri sehr viel; seine Weltanschauung
wurde indes nicht beeinflußt. Zeigen sich
auch geringe Ansätze einer berechtigten
Kritik, im Grunde war und blieb der
wackere Ordensmann kritiklos. Seine
Leitsterne waren die Ideale des katho-
lischen Mönck- und Priestertums. Mit
einem „cfuin krater et Lncerclos Entinrm
sum" opferte Fabri den Forderungen und
Einrichtungen seiner Kirche seinen Bart
und seine Privatmeinung. ^) Mit Rücksicht
auf seine historischen Schriften mag man
seine Kritiklosigkeit bedauern, seinem Eva-
gatorium kommt jedenfalls zu gut, daß es
frei ist von nergelnder Kritik an den da-
maligen kirchlichen Zuständen und daß
dabei die nackten Thatsachen um so kräf-
tiger wirken. Daß Fabri seiner Ukber-
zengung auch gegenüber dem Hohn huma-
nistisch gebildeter und verbildeter Leser
und Zuhörer unverhohlen Ausdruck ver-
lieh, 4) ist ein Zeichen von Mannesmnt
und seines edlen Charakters würdig. Der
einfache Mönch findet deshalb auch bei
der Nachwelt seine Anerkennung: neben
einem Sense, Konrad Kölle, Lud. Fuchs,
Prior Hammer aus Neuß und anderen
zählt Fabri zu den Zierden des Ulmer
Dominikanerklosters.
Tübingen.
E. Brehm, cnnck. Ilreol.

1) I, 30 u. 67.
2) III, 467.
3) III, 467.
Lva§. I, 6.

35. Meinrad von Aw, Maler ans
Sigmaringen (1712—1792).
Von Amtsrichter a. D. Beck.
Ein sehr produktiver Zopfmaler war
der am 20. Nov. 1712 als der Sohn des
Franz Arthur von Aw und der Franziska
Bannwartin zu Sigmaringen getaufte An-
dreas Meinrad v. Aw (meist so, aber
auch Ow geschrieben; ob diese Sigmaringer
Familie aber zu dem bekannten schwäbi-
schen freiherrlichen Geschlechts der v. Ow
irgendwie in verwandtschaftlichen Bezieh-
ungen stand, ist sehr zu bezweifeln und
wäre hiezu nur zu bemerken, daß es auch
sonst in Schwaben, z. B. in Metzingen
bei Reutlingen, Familien von Au re. gab,
welche mit dem vorgen. Geschlechte gar
keinen Zusammenhang hatten); seine Paten
waren Prinz Meiurad Karl Antonius von
Zollern, vertreten durch Joachim Kolb-
inger cubicul (cuUiculnrirw — Kammer-
diener) und Magdalena Erhartin. Wo
er seine Lehre und Ausbildung als Maler
erhielt, ließ sich bis jetzt nicht ermitteln;
als Maler scheint er sich zeitig in seiner
Vaterstadt seßhaft gemacht haben, wo er
sich wohl der Protektion der fürstlichen
Familie erfreuen durfte; dann und wann
wird er als Sigmaringer Hofmaler be-
zeichnet; doch ließen sich bislang keine Be-
lege für eine wirkliche Bestellung zu einem
solchen erbringen. Er verehelichte sich hier
am 21. Januar 1742 mit Rosine Waltherin
und wurde durch seinen geistlichen Bender
7^.. K. E. Antonius v. Ow mit Vollmacht
getraut; nebenher war er, jedenfalls in
späteren Jahren, in seiner Heimat auch
Ochsenwirt. Der Schwerpunkt seiner
malerischen Thätigkeit fällt naturgemäß
nach Hohenzollern und in dessen nächste
Umgebung. Er war vorwiegend Kirchen-
maler nl tre3Lo, woneben er auch Altar-
bilder fertigte; doch erreicht er in seinen
Leistungen seine landsmännischen Zeitge-
nossen, wie Jos. Spie gl er,') Huber rc.
0 Von diesem Meister soll — was hier nachtrags-
weise zu der Biographie im „Diöcesan-Archw"
von 1898, S. 78-80 und 1900, S. 48 folgt — in
der Pfullendorfer Stadtpfarrkirche ein Seiten-
altargemälde, die 3 hl. Könige vorsteltend, t 745, und
noch ein weiteres Altarblatt ebendahin gemalt
worden sein. Ebenso hat er nach dem „Anzeiger
für Schweizer Altertumskunde", 1901, 1 ff. schon
i. I. 1732 im Benediktinerkloster Engelberg um
! den Preis von 44 Speziesdukaten die Kreuzah-
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