Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 105
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ein Gmünder Bürgerssvhn, wnrde nach
dem Jnvestiturbuch im K. bayerischen Neichs-
archiv am 26. Juli 1577 Kaplan auf dem
Jakobsaltar in der Pfarrkirche, daunPfarr-
verwescr, am 20. Febr. 1582 Pfarrer
und (wann?) Dekan. Am 14. Nov. 1584
hat er im Namen der Priesterfraternität
die angesetzte Tmkensteuer von 13^2 st.
(14 fl.) erlegt (Protokollen S. 147). Zn!
seiner Zeit waren hier Kapläne, die er
seine kilii Lpirituules nennt, D. Vitlls
Jnnckher, 1VI. Michael Bener, N. Bartho-
lomäus Voller (Fvller), O. Balthassarus
Stoltz, O. Georginö Enslin, O. Petrus
Katzenstein. Im Jahre 1601 (15. Juni)
werden als seine cooperutores aufgeführt:
Melchior Bener, Laurentius Hertzer, Leon-
hard Hang, Kaspar Stahl und Christo-
pherus Katzenstein (Annivers. 1517 letztes
Blatt der beigeb. Diöcesanstatnten). Sie
sind es wert, hier genannt zu werden.
Denn in schwerer Zeit standen sie treu zu
ihrem Stadtpfarrer, als es sich handelte
um die unverminderte Erhaltung des alten
Glaubens in Gmünd. Es war nämlich
keineswegs möglich gewesen, die Einflüsse
der religiöse» Neuerer sernznhalten. Von
1520 bis 1620, also hundert Jahre lang,
von der Thätigkeit eines Johann Schilling,
Andreas Althamer und Jakob Schreppel
(reformatorische Prediger) bis zu den Um-
trieben des hier ansässigen Kaufmanns
Sebastian Terzago und den Aufreizungen
der Wiedertäufer — war Gmünd von Ne-
ligionsstreitlgkeiten heimgesnchl. Zur Zeit
Schrotts waren im geheimen nicht wenige,
sogar sehr angesehene Bürger der neuen
Lehre zngethan. Um einem weiteren Um-
sichgreifen derselben Einhalt zu thnn, wurde
schon durch den Bürgereid die Einwande-
rung evangelischer Bürger, die ih>en Glau-
ben nicht abschwören wollten, gehindert.
Nun aber gab es auch Bürger und Bür-
gerssöhne, die der neuen Lehre anhingen.
Durch ihre Verheiratung und durch die
evangelische Erziehung ihrer Kinder war
also immerhin die Ausbreitung der neuen
Lehre ermöglicht. Dieser Gefahr suchte
Schrott zu begegnen dadurch, daß er alle
sich verheiratenden Bürgerkinder vor der
Bestätigung ihrer Ehe auf seinem Amts-
zimmer im Beisein zweier Ratsherren eine
prokesmo fiUei ablegen ließ. Auf das
Ersuchen der Protestanten suchte auch der

Rat in dieser Sache eine Entscheidung
beim Bischof und beim Kaiser nach; in
einem bestimmten Falle wünschte der Rat
selbst ein Einlenken des Stadtpfarrers.
Dieser aber blieb fest und auch seine geist-
lichen Mitbrüder standen treu zu ihm.
Durch diese Festigkeit wurde die Gefahr
beschworen.
Unter Schrotts Amtsführung wurden
auch die Jesuiten nach Gmünd berufen,
um der Neuerung noch mehr entgegeuzu-
lrcten und das Glanbensbewnßtsein der
Gemeinde noch mehr zu stärken. Der
Magistrat wandte sich 1586 nach Dillingen
und bat um die Sendung eines Professors
der dortigen Jesuitenakademie. Man sandte
den Andreas Sylvins, der so gut wirkte,
daß die Bürgerschaft nach wenigen Monaten
ein zweitesmal um seine Hierhersendnng
einkam. Im Jahr 1588 kam auf eine
erneute Bitte des Rats der berühmte Kan-
zelreduer ?. Johannes Pellezyus (aus Ulm
gebürtig, ch 1623) hierher, wo im No-
vember desselben Jahres Bischof Margnart
von Augsburg eine Visitation der Ge-
meinde vornahm. 1597 wollten die
Gmünder den Jesuiten sogar das Augu-
stinerkloster hier einräumen, in welchem
1598 schon einige Jesuiteupatres, darunter
ein ?. David, während einer Mission
wohnten. Doch kam es zu keiner bleiben-
den Ansiedlnng der Jesuiten in Gmünd,
(cl. Waaner in den „Württ. Vierteljahrsh."
N. F-. X 1901, H. 1 u. 2.)
Die erfolgreiche Wirksamkeit der Jesuiten
zeigte sich besonders in der Zunahme der
Zahl der Osterkommunioneu, die uns
Schrott für die Jahre 1589 bis 1624
getreu milteilt, in welche Zeit auch das
Jubiläum unter Papst Klemens VIII. 1592
siel. Die Zahlen bewegen sich zwischen
1950 und 2653. (Annivers. 1517.)
Von Schrotts Hand geschrieben, lesen
wir in demselben Anniversar auch über
Anschaffungen vou neuen Paramenten:
„1585 ist der blaw sametin und weiß
damastin mantel sambet dem weiß damastin
einschleuff gemacht worden; die gestickh
darauff hat gemacht Barbara Brenhin von
stückh uff; den blawen mantel haben die
pfleger unser lieben Frawen bezalt für
allen zeig daitzn (?) und zu machen 60 fl.;
für allen zeig und zu machen uff dem
weißen damastin 50 fl.; seindt Pfleger ge-
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