Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 130
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Männerkloster scheint ein Franenkonvent
ins Leben getreten zn sein; wenigstens
erscheint schon 1174 eine Magistra Eli-
sabeth von Wurmlingen als Vorsteherin
der Frauen zu Marchthal und zwar als
Klägerin wegen Nichteinhaltung der Stif-
tung?) Eberhards schönes Werk förderte
eifrig sein Nachfolger Ulrich (1184—89),
ebenso wie Propst Gerloh von Lindau
ein Rother Konventual. Gerloh wurde
indes schon zehn Wochen nach seiner
Wahl von der Wassersucht befallen und
legte, da alle Aussicht auf Genesung
schwand, sein Amt nieder. An seine
Stelle erwählten die Marchthaler Konven-
tnalen den Kanoniker Rudolf von Chur-
walden zu ihrem Obern, der aber wegen !
der Armut des Klosters ablehnte. Infolge-
dessen blieb die Propstei zwei Jahre un-
besetzt, nicht znm Segen für das junge
Ordenshaus. Schließlich erhielt es in
dem gelehrten, redegewandten Mangold
von Steingaden einen sehr tüchtigen und
sittenstrengen Vorsteher, der mit Liebe und
Strenge gegen unordentliche und aus-
schweifende Brüder eiuzuschreiten wußte?)
Infolge der zweijährigen Verwaisung und ^
der gänzlichen Verarmung fehlte es ihm ^
wohl nicht an Gelegenheit hiezu. 1196
erlaubte ihm Papst Cölestin II. gegen
„cquickam ÜLtrum vestrorum in 8upeidie
tipurn elnti", da sie „non sectntores ^
ve8tre reZule vickeantur, 8eä potiu3
oontemptore3", mit den regulären Strafe»
vorzugehen, ja sie völlig ans dem Orden
anszustoßen?) Das Werk der Wieder-
herstellung der Ordenszucht krönte Man-
gold mit Einführung einer Gottesdienst- ^
ordnnng und der Ordensstatuten und er-
warb sich damit den Ruhm, als der erste
in der Provinz Schwaben eine solche Ein-
richtung getroffen zu haben. Aenßerlich
zeigte sich der. Erfolg seines Wirkens in
der Zahl von zwanzig Kanonikern, ebenso
vielen Konversen und vierzig Schwestern,
die unter seiner Leitung sich dem hl. Or-
den weihten?)
Nach Mangolds Tod 1204 trat große
Uneinigkeit bei der Wahl zu Tage. Pfalz-
gras Rudolf setzte mit bewaffneter Macht
? W. II. II, 177 Nr. 404.
? W. G. IV, 9 ff.
? W. U. II, 314 f. Nr. 497.
? W. G. IV, 14 f.

die Erwählung des Adelberger Kanonikus
Meinhard durch. Der bisherige Prior
und Rüdiger, der Bruder des Propstes
Mangold, verließen daher Marchthal.
Meinhard förderte mit Eifer das geistliche
Leben. Allein schon 1208 verband sich
der ganze Konvent gegen ihn mit Rüdiger,
verklagte ihn bei päpstlichen Legaten und
zwang ihn zur Resignation. In Bälde
wurde Meinhard Propst in Steingaden,
mußte aber schon nach einem halben Jahre
wieder abdanken. Offenbar führte in
beiden Fällen unkluger Reformeifer seinen
Sturz herbei. Auch sein Nachfolger in
Marchthal, Heinrich v. Suppingen, war
nicht glücklich. Er sah den reformbedürf-
tigen Zustand seiner Klostergemeinde, ohne
wegen seiner körperlichen Gebrechen Ab-
hilfe schaffen zu können. Eben seiner
Schwäche wegen hatte der Konvent ihn
zu seinem Obern erwählt. Wenn er sich
dann der Abdankung Heinrichs schon nach
einein Jahre kräftig widersetzte, so war
dies bloß Konsequenz?)
Propst Walter v. Westernach (1209
bis 1214) trat warm für die Klosterzucht
ein, entfernte das Frauenkloster weiter
von der Kirche weg und übersiedelte die
Nonnen in einen schon von Meinhard zu
diesem Zweck begonnenen Holzbau?)
Langwierige Streitigkeiten mit dem Kon-
vent und besonders mit Walter v. Schmal-
stetten führten 1214 zur Abdankung des
Propstes in Premontre. Später stand er
in Ehren Allerheiligen auf dem Schwarz-
walde vor. Jetzt endlich erreichte Rüdiger
seine ehrgeizige Absicht. Allein da er sich
ebensowenig um die zeitlichen wie um die
geistlichen Angelegenheiten seines Klosters
kümmerte, so erfolgte schon 1217 seine
Absetzung durch das Generalkapitel?)
Ganz anders das Schicksal seines Nach-
folgers Rudolf v. Ertingen. Da er sein
Amt zum Segen Marchthals mit gewissen-
hafter Treue verwaltete, so erhob der
Generalabt von Premontre energischen Ein-
spruch, als er 1229 wegen Aussatz seine
Würde niederlegte?)
Der Marchthaler Kanoniker Walter
v. Schmalstetten, der uns bisher die in-
? W. G. IV, 15 f.
ff W. G. IV, 16.
»I a. a. O. IV, 18.
ff a. a. O. IV, 21.
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