Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Seite: 138
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1866 Vorstand des Schulrats der gewerb-
lichen Fortbildungsschule. Er starb am
11. März 1892. Während seiner Amts-
führung und durch sein besonderes Ver-
dienst ward die Restauration der Gmünder
Stadtpfarr- und Johanniskirche energisch
iu die Hand genommen und durchgeführt.
Er wa/ ein Mann von feinem Kunstver-
ständnis und schrieb mehrere Artikel in
das „Arch. f. christl. Knust" und ^die
Schrift: Die Johauniskirche zu Gmünd,
1888. Eine Anzahl von ihm gesammelter
Oelgemälde und seine eigene Büste be-
findet sich in der Gmünder Altertums-
sammlung. Weitere von ihm heraus-
gegebene Schriften sind: Die Krankenstube,
d. i. eine Sammlung von Beispielen ans
und für Krankenstuben, Regensburg, 1861,
ferner : Der Geist des katholischen Kirchen-
jahrs, dargestellt iu Kanzelvorträgen, Re-
gensburg, J863. Er war Inhaber des
Ritterkreuzes I. Klasse des Friedrichsordens
und des Otgaordens.
48. Der letzte Stadtpfarrer dieses Jahr-
hunderts ist Adolf Saile, geboren zu
Nottenburg a. N I 6. Juni 1843, Priester
10. August 1867, Vikar in Steinbach bei
Hall, Rottweil, Pfarrverweser in Aixheim,
Mengen, Unterboihingen. 7. Februar 1873
Präzeptoratsverweser in Weilderstadt,
6. Oktober 1876 Kaplan zu St. Nikolaus
iu Gmund und Hausgeistlicher in Gottes-
zell, 1. Dezember 1892 Stadlpfarrer,
feierte 1892 sein 25jähriges Priester-
jubiläum, 1901 sein 25jähriges Orts-
jubiläum, erwarb sich große Verdienste um
die Erbauung des katholischen Vereins-
hauses, der Erziehungsanstalt St. Ludwig
und des Krankenschwesternhauses St. Elisa-
beth. 1901 wurde er zum Dekan des
Landkapitels Gmünd gewählt.
Durch fast sechs Jahrhunderte haben wir
nun die Stadtpfarrei begleitet und ihre
Seelenhirten kennen zu lernen versucht.
Das neue 20. Jahrhundert wird der
großen über 13 000 Seelen zählenden
Stadtpfarrei wohl bald eine wichtige Ver-
änderung bringen und einen neuen Ab-
schnitt in der Geschichte der Pfarrei in-
augurieren durch die Trennung in zwei
Stadtpfarrbezirke.
Gmünd. R. Weser.

Leclc. Der Name Lorenz (Lauren-
tius) in Deutschland. H
Der hl. Laurentins — nicht zu ver-
wechseln mit andern Heiligen bezw. Seligen
des gleichen Namens, deren es nicht
weniger wie 87 giebt, und einem anderen
weniger bekannten Märtyrer ähnlichen
Namens, Laurent(h)in ns (es giebt
deren zwei mit Gedenktagen vom 3. Feb-
ruar und 3. Juni), welcher in der Pfarr-
kirche von Nereöheim (Reliquienüber-
lragung dorthin i.J. 1726)H verehrt wird —
stammt aus Spanien, kam nach Rom und
wurde dort Diakon des Papstes Sixtus.
Mit diesem starb er iu Nom unter Kaiser
Valerian (253—260) den Martyrertod.
Von den Kirchenvätern Ambrosius, Augu-
stinus und Prudeutius wurde er in Lob-
reden und Schriften gepriesen und insbe-
sondere als ein Heros unter den christ-
lichen Blutzeugen gefeiert. Von dem
goldgierigen Statthalter aufgefordert, die
Schätze der Kirche auszuliesern, stellte er
ihm diese in den Armen, Kranken und
Waisen der Christengemeinde vor, worauf
er lebendig auf einem glühenden Roste
gebraten wurde. In den älteren Dar-
stellungen ist dieser Heilige in Diakoncn-
kleidung mit großer Tonsur, in der
Rechten die Palme als Märtyrer und in
der Linken den Rost, d. i. sein Marter-
werkzeug haltend, wiedergegeben. Mit-
unter trägt er auf Kircheubildern eine
Schüssel in der Hand mit Kirchen-
geräten oder Goldmünzen oder als Diakon
auch das Rauchfaß. Seltener ist ihm ein
Falke beigegeben, der seine Bereitwillig-
keit andeuten soll, mit welcher er wieder
in die Gefangenschaft zurückkehrte (siehe
Detzel, christl. Ikonographie rc., II S.
477—81). Selbstverständlich wurde und
ist noch heute dieser hl. Laurentins, zweifel-
los der hervorragendste Vertreter aller
seiner vielen Namensvetter, in seinem Ge-
burtslande Spanien hochgehalten; und auf
eine ganz eigentümliche Weise ehrte ihn
daselbst der König Philipp II.: Am Ge-
0 Schon im „Schwabenland" Nr. 17 v. 1899
S. 268, aber nur zum weit kleineren Teile,
veröffentlicht.
2) Um dieselbe Zeit waren auch Reliquien
des hl. Laurentinus in die, im Gebiete des Prä-
monstratenserreichsstffts Roggenburg gelegene,
1681 entstandene Wallfahrtskirche Schi essen zu
lVGrlL inryoi- gekommen.
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