Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 159
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1902/0167
License: Free access  - all rights reserved Use / Order

0.5
1 cm
facsimile
Es versteht sich leicht, daß sowohl unsere Leute als wir manchen Artikel vergessen
haben; auch ist hier gar keine Rede von dem entsetzlichen Verderbnis der
Gebäude, der Oefen, vom Verlust vielen Geschirrs und verschiedener Mobilien,
vom Zerreißen und Stehlen der Tisch- und Bettwäsche rc.
sl. kr.
Der Hof zu Hagnau hat an Wein, Fleisch und anderen Viktualien, an Haber,
Heu, Stroh wenigstens verloren für.. 2 994 5 t
ohne den Ruin des Tisch- und Bettzeuges und anderer Mobilien.
Was H. L. Statthalter in Blumenegg gelitten habe, kann ich nicht angeben, da
ich von dort keine Rechnung vor mir habe.
Das Kloster Hofen hat mit Ausschluß der dortigen Unterthanen vom 7. Mai
1800 bis 24. April 1801 in seinen Mauern mehr als 4572 Personen im
Quartier gehabt und an Wein, Brod, Fleisch, baren: Geld, Haber, Heu,

Stroh, Bier, Branntwein verbraucht. 18 750 13
Von Zucker, Kaffee, Butter, Schmalz, Eiern, Mehl, Geflügeln, Mobilien, zer-
rissenem Tisch- und Bettzeug und vielen andern Artikeln ist in diesen: Ver-
zeichnis noch gar nichts enthalten.
Hiezu obige.. 173 456 32

Es wild nicht weit gefehlt sein, wenn
ich den ganzen Schaden, welchen Wein-
garten hier, zu Hosen, Hagnau, Blumen-
egg und andern seinen Teilen gelitten hat,
auf 250 000 fl. ansetze, worunter die Er-
littenheilen der Unterthanen nicht inbegriffen
sind.
Gott schone uns mit ferneren Kriegen'
Von Holz steht ebenfalls noch nichts in
obiger Rechnung, obgleich eine große
Quantität davon verbrannt worden ist.
Geehrtester Nachkömmling ! Hier haben
Sie unsere bitteren Leiden durch das ganze
Jahr; die Geschichte ist nicht vom Hören-
sagen willkürlich zusammcngelragen oder
unrecht verstanden zusammengeschrieben
worden; ich war überall selbst dabei als
Mithandelnder oder Mitleidender, wie Sie
durchgehends beobachten werden, die Ori-
ginalakta lagen mir vor, und nur aus diesen
schöpfte ich; auch die übrigen Handlungen
geschahen unter meinen Augen.
Eines, was ich bitte, daß Sie mich
nicht als einen mutwilligen Schulden-
macher schimpfen, wenn Sie in meinen
Rechnungen die aufgeborgten Kapitalien
lesen. Es war unumgänglich notwendig,
Geld zu suchen, wo man immer es be-
kommen konnte, und jeder in meiner Lage
schätzte sich glücklich, wenn er um hohe
Zinse Geld bekommen konnte. Wir haben
kein höheres Kapital als zu fünf Prozent
geborgt, da mancher andere acht, zehn,
zwölf und noch mehr Prozent sich mußte ge-
fallen lassen. Wir waren auch gezwungen,
unser Haus in Ravensburg um 6000 fl.

Summa 195 201 36
zu verkaufen ; dies ist nm so unschädlicher,
weil jenes Haus in keiner Rücksicht nütz-
lich ist, seitdem man hinter den unbe-
deutenden Mauern zu Ravensburg vor
einem feindlichen Ueberfall keine Sicherheit
hat; der Hauszins war nur jährlich 40 fl.,
und geschwind gingen mehrere Jahrzinse
daraus, wenn auch nur geringere Repara-
turen vorgenommen werden mußten. Wenn
wir dagegen obige 5000 fl. gegen Zinse
zu bekommen gewußt hätten, wäre der
jährliche Zins 250 fl.
Eine ähnliche Bewandtnis hat es mit
den an Zeit um 7750 fl. verkauften Höfen
und Gütlein zn Eschach, Laubegg und
Seibranz; da diese ohnehin im Zeilschen
Territorio liegen, konnte sie Weingarten
nur gering nützen. Die Eschacher Wal-
dung wäre zwar schätzbar gewesen, allein
Zeit hat das Eigentumsrecht nach und
nach, besonders anno 1788 und 1789,
so sehr eingeschränkt, daß wir aus dieser
Waldung niemals einen Nutzen hoffen
konnten. Andere liegende Güter haben
wir in Abwesenheit ^.everenckisZimi nostri
keine verkauft.
Ich wünsche von Herzen, daß Sie, mein
lieber Nachkömmling, niemals die näm-
lichen Austritte erleben und in ähnliche
Verlegenheiten geraten. Sollte es aber
doch geschehen, so verlasse nur keiner von
denen, die den Geschäften vorstehen, seine
Stelle, sondern jeder sei thätig, lasse sich
nicht leicht abschrecken, halte unter den
Bediensteten Ordnung, begegne dem Militär
manierlich, aber ernsthaft, sonst geht vieles
loading ...