Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 169
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1902/0177
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
— 169 —

der oben und unten von einem Stäbchen
eingefaßt ist. Der untere Teil des Schaftes
bis zum Nodns hat eine Höhe von 7 cm,
der Knauf mit den Stäbchen eine solche
von 2,2 cm, und der obere Teil des
Schaftes vom Nodns bis zum Behälter ist
4 cm hoch.
Die Capsa für die xarticula 5. crucis
hat eine kreisrunde Form von 0 cm Durch-
messer und 2,5 cm Tiefe, die sich nach der
Mitte des Kreises zu 3,7 cm Tiefe ver-
größert. Um den Rand der Kapsel läuft
ein gedrehter Rnndstab als Einrahmung;
die runde Oefsunng für die Partikel mit
Glasverschluß von 3 cm Durchmesser ist
gleichfalls von einem Stäbchen umzogen
und mit Laub- und Astwerk verziert.
Die Rückseite des Deckels, der in
einem Scharnier geht, ist geschmückt mit
dem schönen Bilde der hl. Helena mit
Zackenkrone und großem Kreuz (crux
commmsu — Tau- oder AutouiuSkreuz)
und dem der hl. Magdalena mit reichem
Haarschmuck (plemlucko cupillorum: mril-
titucko peccutorum) und dem Salbeu-
gefäß. Beide Figuren sind vorzügliche
Gravierarbeiteu.
Die Kreuziguugs gruppe, welche
als Krönung das Ganze überragt, zeigt
den Kruzisipus, gekrönt mit der KönigS-
und nicht mit der Dornenkrone au dem
Kreuze, dessen Balken in Kleeblattform
(Vierpaßende) enden. Am Fuße des Kreuzes,
das mit gravierten Linien verziert ist, be-
findet sich ein Totenschädel. Unter dem
rechten Kreuzbalkeu steht auf einer Konsole
das Statuettchen der mader Uoloroga,
mit gefalteten Händen und unter dem linkeil
Kreuzbalkensehen wir das zierliche Figürcheu
des hl. Johannes mit reichem Locken-
haar, ein Buch in den Händen. Der
Faltenwurf der Gewandung ist fein ge-
arbeitet. Die Höhe dieser beiden Figürcheu
beträgt 4 cm.
Auf dem Fuß ist der Wappenschild
der Herren v. Hiruheim (auch Hüru-
heim), ein rotes Geweih mit je drei Zacken
in Silber (ihr Stammschloß: südlich von
Nördlingen) und daneben ein anderer:
eine linksschreiteude Gans in rotem Feld.
Au der Innenseite des Fußes ist die Jahr-
zahl 1-5-8 7 - eiugraviert und von
späterer Hand 1460 eingeritzt. Dieses

Ostensorinm ist von Silber gearbeitet und
vergoldet.
Daö mächtige Geschlecht derer v. Hiru-
heim im Ries teilte sich in vier Linien:
zu Hochhaus, Lierheim, Hochaltingen und
Katzensteiu. Es ist um den Anfang des
17. Jahrhunderts erloschen, und ihr Besitz
siel durch die Erbtochter au die Freiherren
v. Melden. Obiges Wappen: rotes Ge-
weih, ist das des Hauptstammes. Die
Herren v. Hirnhe'm zum Nauheuhaus
führten, wie jede Linie, ein anderes Wappen,
nämlich eine silberne Gans in rotem Feld,
wie auf dem Fuße des Kreuzpartikels.
Daraus wird zu schließen sein, daß die
Gattin (oder Mitstifter oder -Stifterin)
aus der Nebenlinie zum Nauheuhaus
stammte, (ck. Siebmacher, Wappeubuch VI.
1. Abgestorbener bayerischer Adel.)
Nach der Oberamtsbeschreibuug von
Aalen hatte ein Hans oder wahrschein-
licher Walther v. Hirnheim 1460
nach seiner Rückkehr von einer Pilger-
fahrt in das gelobte Land den Kreuz-
partikel der Pfarrkirche zu Hüttlingeu ge-
schenkt, weswegen das Fest Kreuzeefindung
und -Erhöhung in dieser Kirche feierlich
begangen wird. Ein Hans Walther
halte 1536 das Patronatsrecht über 2>ie
Kirche gegen sein Patronat zu GoSheim
im Nies für sich eingetauscht. 1386 bis
1551 waren die Herren v. Hiruheim Be-
sitzer der nahen Burg Niederalfingeu (jetzt
große, gut erhaltene Schloßruine). Ein
Hans v. Hirnheim war der 50. und letzte
Abt von Ellwangeu, 1453 bis 1460, und
erste Propst, 1460 bis 1461, nach Um-
wandlung des Benediktinerklosters in ein
Chorherrenstist. Er resignierte 1461 und
starb am 20. Januar 1480 auf Schloß
Kochenburg und ist in der Pfarrkirche zu
Unterkocheu begraben. (Abgebildet ist er
auf der Bronzetafel in der Stiftskirche zu
Ellwangeu, welche die Verwandlung des
Klosters in ein weltliches Chorherrenstift
darstellt.)
Kapelle.
Von einem Herrn v. Hiruheim ist auch
die Kapelle zur bl. Muttergotteö 1413 ge-
stiftet (nicht 1425, wie die Oberamts-
beschreibung hat). 1452 und 1477 wurde
sie mit Jndulgenzbriefen versehen, 1839
wurde der Gottesacker an sie verlegt. Diese
Kapelle hat einen gotischen, im Rechteck
loading ...