Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Seite: 33
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Aunst und Aultur der Viäcese Gcittenvnrg und der angrenzenden Gebiete.
kserviisgegebeu und redigiert von Amtsrichter a. D. Beck in liaVeiiKüurg.
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stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellungen nnd Reklamationen an
die Expedition des „Deutschen Volksblntts" in Stirttgart, Urbanstraße 94, gerichtet werden.



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Lecb. Leit- und SitteuverNiechF-
luugeii (Auachrouigmeu) in der
darstellenden Nunst.
.... ?ictoridu«; atcsue poetis
c^uicilidet nuc!en6i seinper tuit aec^ua ^otestas.
Horatius äe arte poeticn v. 9. et io.
An sich sollte man meinen, künstle,ische
Darstellungen hätten sich — vom Fall der
Allegorisiernng abgesehen — der Regel
nach in der Tracht nnd im Brauch ihrer
Zeit und ihres Standes (und nicht etwa
in der Zeit der anSführendeu Künstler n. s. w.)
zu halten, wovon in den frühesten Zeiten,
soweit es überhaupt schon eine Knust-
Übung gab, nur bei Darstellung biblischer
und religiöser Bilder eine Ausnahme in
der Form idealischer Kleidung nnd
Tracht vorgesehen war. Die Künstler des
Mittelalters richteten sich im allgemeinen
bei der Darstellung der Bilder ans Bibel
und Legende nach einem ans der alten
Kirche überlieferten Typus, so daß die
einzelnen Figuren und die ganzen Ge-
staltungen unter sich viel Uebereinstimmendes
zeigen. So wurden Gott Vater, Christus,
die Apostel, Propheten und andere alt-
testamentarischen Personen in idealischer
Tracht abgebildet. Die Personen der Gott-
heit, die Engel, Apostel und Propheten
erscheinen in oer Regel mit unbekleideten
Füßen, Maria nur ganz ausnahmsweise,
andere Heilige nur, wenn ihre Legende be-
sondere Veranlassung dazu giebt, wie die
hl. Hedwig und Kunigunde (H. Lite,
H.-B. der kirchl. Kunstarchäologie, 5. Anfl.,
1883 I. S. 463). Dies änderte sich aber
schon seit dem l3. Jahrhundert und be-
dienten sich die abendländischen Künstler
nicht bloß bei profanen, sondern auch bei

biblischen, kirchlichen und religiösen Dar-
stellungen immer mehr einer größeren
Freiheit und gaben sie in der Folge, na-
mentlich bei der realistischen Kunst des
15. Jahrhunderts, den dargestellten Per-
j sonen fast immer das Kostüm ihrer eigenen
Zeit, quasi unter Berufung auf den be-
kannten, an das oben citierte Motto des
Horaz angepaßten Ausspruch des Sym-
bolikers Durandus, Bischofs v. Mende
(gestorben 1296): »Oiversne Iriskoriae
kam irovi iquam vetsris testamenki pro
volunkate pickorum clepinAunkur; nam
pictoridus etc.« Dies griff immer mehr
um sich nnd hielt in der Hauptsache bis
zum Beginn des 19. Jahrhunderts bezw.
bis zur allmählichen Ausbildung der Hilfs-
wissenschaften der bildenden Künste, der
Sittengeschichte und namentlich der Ko-
stümkunde an; und es ist eine bekannte
Thatsache, wie ältere deutsche, italienische
und andere Künstler, am allermeisten
Maler, dann aber auch Knpferschneider,
Holzschneider, am wenigsten noch Bild-
hauer, in ihren Schöpfungen eine nicht
geringe Unknnde des Zeitalters verraten,
in welches der Gegenstand ihrer Abbildung
i gehört, »nd nicht selten einer früheren
Periode Gebräuche leihen, die Jahrhun-
derte später ihr Dasein erhielten. Durch
solche Verstöße gegen die Chronologie,
derartige wunderliche Künstlereinfälle und
Phantasien, Eigenheiten w., namentlich in
der Kostümierung, entstehen zuweilen Kon-
traste, bei denen es oft Mühe kostet,
ernsthast zu bleiben, und über welche man
nicht mehr mit dem Vorworte des Horaz
von der licenkin pickoria hinwegkommt,
in Ansehung welcher man vielmehr ver-
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