Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 54
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Brandenburg mir geantworttet morden,
deren einer Hanß Wielin von Kissendorf
snnsten Schelm genannt, dreißig nnder-
schidlicher gemainer Diebstall, zum lhaill
mit einbrechen, und dann snnsten beschiheu,
acht Kirchenbrych oder Lacriie^ia wie auch
Acht und zwanzig mordt, der ander aber
Jakob weissenhaimer von Babenhausen,
Snnsten Schwarzenmans Jäckhlin genannt,
zwen und zwanzig gemeine Diebstall mit
einbreche» sonderlich zehn, Drei und
zwanzig Mord, und dann fünf under-
schidliche Kirchbrüch. Wie auch under
anderem Sy beede so güetlich als Peinlich
außgesagt und bekhenndt, das sy und Ir
Gesellschaft nngeferdt bei Zwayn Zaren
Zn die Kirchen sambt dem Stockh zu
Umbendorff, zum Gotteshanse Ochsenhansen
gehörigen Fleckhen zu Mitternacht gebrochen
und nachdem Cy auch das Sacrament
heuslin eröffnet, daranß die hailige hoch-
würdige Sakrament, drey Kelch, ein ein-
gewickelte Monstranz und anderes mer ent-
fremdethaben. Sy das alles nff Orsenhausen
zugetragen und dem biß noch zn Branden-
burg verwarten einem namblich Aron
Juden, von Orsenhausen, umb acht Gulden
verkhaufst. Welcher dann acht Herrgott-
lin im beysein Schelms und Geörgen von
Naunaw genommen und allß sy mit ein-
ander ein Suppen, Käß und brot geessen,
Hab er Jud dieselbige mit den heuden zer-
brochen und mit seinem Messer zerstochen,
die Stuckh dem Schelm und seinem Gesellen
zu essen gegeben. Davon er Jud und
seine Tochter auch gössen, darunder sehen
zway Herrgoltlin oder Hostien röttlet
worden und dieweill es Iren der Christen
kheiner essen wölken, Hab die der Jud in
die Tischlad geworffen, Er gedachter Schelm
aber einen solchen Unwillen ab solchem
Esse» gehabt, das er alsbald am Herauß-
gehen, reverenter zu melden, alles wiederumb
von sich geben und Sy die Gesellschafter
under und mit einander das gelöst gellt
verthailt."
Ferner auch bekanndt, wie Jrer mit-
gesellen einer, Krum Geörg, ein Dirne
Barbara Beggin genannt, von Welten-
hausen, so mit dem Schelm und seinen
Genossen herumgezogcn, gehabt, bey der»
Sy zwo Kneblein mit einander gezilet,
deren eines ein Järig Kind, dise zwen
meine gefangene Christen obgedachten Aron

Juden zu Orsenhausen nmb Neun Gulden
verkaufst, au welche», aussagender Schelm
zu seinem Thaill zwen Gulden worden und
als der merbemelt Jud sy in oer Cammer
bezalt und sy das Kindlein in dem
Sesselin sizen lassen, Hab der Jud gesagt,
wann Ir mer eines haben, so bringen mir
es auch. Darauf sy gleich hernach anders
Jars, das ander Krumb Geörgen Kneb-
lein, dabei er Krumb Geörg selbst ge-
wesen, Jme obbcmelten Juden in sein
Indens Tochter beysein zu kaufst» geben,
darsür er Inen Sechs Gulden dreißig
Kreuzer, in mehrgemelter seiner Cammer be-
zalt." Dies nach Anton Fugger die Lpecies
facti.
Im weiteren Verlauf des Berichtes be-
schreibt er sein Gerichtsverfahren gegen
den Juden; nach einer Zusammenkunft
niit Wilhelm v. Roth und dem Abt von
Ochsenhausen, der gegen 800 Gulden
Schaden erlitten, habe er Aron „der viel-
geliebten Justitien zu guten" nach Branden-
burg abgeführt und dort ihn im Beisein
etlicher Rechtsgelehrten und seiner und des
v. Roth Gerichtsleute zuerst gütlich, dann,
da auch die Gegenüberstellung mit den
beiden Christen nichts fruchtete, peinlich
verhört. Auch in der Tortur habe er zu-
erst nichts bekannt, sondern nur geschrieen
und die beiden Uebelthäter injuriiert.
Darauf habe er ihn auf besonder» Ver-
dacht hin durch den Nachrichter untersuchen
lassen, wobei sich gefunden, daß er sich
durch allerlei Binden unter dem Wams
sowie durch hebräische Pergamentzettel und
andere der Zauberei halber verdächtige
Sachen auf die Tortur vorbereitet hatte.
Diese seien ihm abgenommen, die Haare
abgeschuitten und andere Kleider angezogen
worden. Da er, aufs neue peinlich ver-
nommen, in hebräischer Sprache schmählich
geredet, die beiden Uebelthäter, so ihn
treulich zu der Wahrheit Bekenntnis an-
hielten, mit Ehren zu melden, angespieen,
so habe er, Fugger, letztlich sein in Gold
gefaßtes Osi mit einem Stücklein
von dem hl. Kreuz, welches vor vielen
Jahren die päpstliche Heiligkeit selbst seiner
geliebten Frau Mutter selig zu Nom ver-
ehrt, von seinem Hals gezogen und dem
halsstarrigen Juden pro rsmeckio contra
incairtatioues et venelicia znm Küssen
gereicht mit den Worten, er solle Gott die
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