Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 140
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gänznngen genötigt. Vorausgeschickt sei,
daß Schm, in diesem und im vorhergehen-
den Abschnitt (S. 40, 43 nnv 44) Villingen
eine Reichsstadt nennt, obwohl sie das
nicht war; sie war eine österreichische Stadt
von 1326 bis 1805.
Am 24. Januar 1633 »rußte Oberst
Rau, Befehlshaber der württ. Truppen,
wegen Mangels an Munition und wegen
der grimmigen Kälte die Belagerung von
Villingen aufheben »nd nun zog nach Ver-
brennung des Lagers ein Teil der württ.
Truppen nach Schwenningen, ein anderer
nach Münchweiler '); Oberst Rau selbst
nahm Quartier in Schwenningen, von wo
ans er mit den Villingern wegen Aus-
wechslung der Gefangenen unterhandelte^).
Da kam die Nachricht, daß die kaiserliche
Armee unter General Aleringcn sich nähere
»nd die unter ihm stehende» Kroaten bei
Mühlheim gegen 1000 (?) Mann nieder
gehauen habe». Diese Niederlage erschreckte
das wml'. Volk so sehr, „daß bei ihnen
nichts zu sehen war als nur fliehen und
sich an sicheren Ort begeben". Daher
flohen auch die Bewohner Schwenningens
samt dem württ. Kriegsvolk in der Nacht
vom 21. auf den 22. Febr. und begaben
sich in Sicherheit, ebenso die Bewohner
anderer umliegende» Ortschaften^).
Das erfuhr man in Villingen und nun
machte der Kommandant der Villinger Be-
satzung, Oberstleutnant Ae sch er, mit
ca. 500 Mann einen Ausfall nach Schwen-
ningen, um das Dorf ausznplündern. Er
schickte jedoch vorher einige voraus, die im
Dorf wirklich nur noch einige Dauern an-
trafen, und diese niedermachten. Bescher
„vrrbct bei Leibesstrafe, daß k,in einziges
Haus in Brand gesteckr werden sollte, bis
alles leer scy". Allein die Franzosen, die
sich unter Aeschers Kompagnie befanden,
achteten nicht auf dieses Verbot und zün-
deten die Häuser an trotz starken Wider-
spruchs der Brigtalbanern; so wurde eine
große Menge Früchte und viel Hausrat
ein Raub der Flammen. Abends zog man
nach Münchweiler, wo cs ebenso znging,
und spät nachts kamen die Villinger „lustig
und fröhlich" heim, nicht nur des Raubes
w'gen, den sie mitbrachten, sondern auch
') Th. Güstlin a. a. O. S. 92.
2) A. a. O. S. 96.
-tz A. a. O. S. 102.

weil sie in Schwenningen und Münchweiler
viel Wein gefunden und getrunken hatten.
Am andern Tag, Mittwoch den 23. Febr.,
zog man wieder nach Schwenningen, um
das übrige zu plündern und auch die
Glocken wegznfnhre-n, was die Villinger
aber nicht getan hätten, wenn die Würt-
tembcrger vorher nicht alle Glocken ans
den Dörstrn im Brigtal (Kirchdorf aus-
genommen) geraubt hätten. Wegen der
wieder von den Franzosen verursachten
Feneisbrnnst konnte man die Glocken kaum
ans dem Turm bringen. Die Kirche
wurde in Asche gelegt^), das ganze Dorf
brannte nieder bis ans ein Haus, welches
endlich auch abbrannte^). An beiden
Tagen wurden über 1000 Malter Früchte
im Feuer verzehrt und das nach Dau-
chingen geflüchtete Vieh von Schwenningen
wurde von Villinger Dragonern dort ge-
holt. Demnach wäre die Behauptung in
Schunds Chronik, daß die Einwohner
Schwenningens anläßlich dies r Plün-
derung geflohen seien (S. 46), dahin zu
berichtigen, daß das Dorf bereits von den
Bewohnern (jene wenige Bauern ausge-
nommen) verlassen war, als der Ausfall
erfolgte. Besondere Aufmerksamkeit schenkte
jedoch der Verfasser einer geraubten
Sch wennin ger Glocke, auf die er
nicht weniger als dreimal zu sprechen
kommt (S. 46, 86, 115). Er teilt seinen
Lesern aber nicht mit, warum die Villinger
vie Schwenninger Glocke bezw. Glocken
geraubt und läßt so ans den Villingern
allein den Makll eines Glockenranbes —
und doch führt sein Gewährsmannb)
auch den Glccksndiebstahl seitens der
Württemberger an. Eine von den ge-
raubten Schwenninger Glocken wurde am
17. März im Villinger Münsterturm anf-
gehängt und der Verfasser glaubt nun
den Beweis erbracht zu haben, daß es sich
hier um die 12 Zentner schwere Lnlvs-
Glocke des nördlichen Münstertnrms handle,
die 1568 in Lindau gegossen worden
ist. Nun aber ist bekannt, daß die Vil-
linger auch ans anderen evangelischen O>-
') A. n. O. S. 101, 103.
-) So nach dem Bericht des Johann Philipp
Mayenberger von Villingen a. a. O. S. 253.
Schleicher, Beitrag zur Geschichte der Stadt
Villingen S. 33, Anm. II. Auch die Glocke in
der Altstadt zu Will, hatten die Württ. geraubt,
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