Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 37
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weil bezog noch 1607 aus Mühlhaufeu
einen jährlichen Geldzins von 4 sl. (Ruck-
gaber II, 1, S. 253).

2. Kirchliches vom 12. bis 1 5. I a h r-
hnnder t.

Ueber die Einführung des Christen-
tums iu dieser Gegend sind wir fast nur
auf Vermutungen angewiesen. Wohl schon
im 7. Jahrhuudert drang es bei uns zur
Alleinherrschaft vor (Baumann in den
„Forsch, znr schwäb. Gesch." S. 398).
Als das Kloster Reichenau gegründet win de,
waren die Schwaben schon zum Christen-
tum bekehrt, wenn auch noch heidnische
Sitten bei ihnen zu fiudeu waren. Von
einer förmlichen Bekehrung Schwabens
und speziell unserer Gegend durch frän-
kische Missionäre weiß die Geschichte nichts;
nach Niezler (Schriften des Vereins für
Gesch. der Bar III, 1880, S. 2V) ging
die Christianisierung der Bar vornehmlich
vom Kloster St, Galleu aus, welches
in dieser Gegend nicht wenig Besitz hatte.

Wann in Mühlhausen eine Kirche er-
baut wurde und von wem ist gänzlich
unbekannt. 1179 wird eine solche zum
erstenmal erwähnt als Besitz des Klosters
St. Georgen. Der Patron der Kirche
ist der hl. Georg. Mau könnte vermuten,
daß St. Georgen die St. Georgskirche
vor jenem Jahr zu Mühlhausen erbaut
hatte, aber beweisen läßt es sich nicht,
ebensowenig wie die Vermutung, Mül-
hausen könnte vor jener Zeit Filiale von
Unierschwenningen gewesen sei». Aus den
St. Georger Urkunden erfahren wir hier-
über nichts. Auch wisfeu wir nicht, wann
und wie die Kirche zu Mühlhaufeu iu den
Besitz jenes Klosters kam (vergl. oben).
Das Patronaisrecht über die Pfarrei
Mühlhaufeu, über deren Entstehuugszeit
jegliche Nachricht fehlt, scheint im 12. und
13. Jahrhundert St. Georgen gehabt zu
haben.

Die nächste Nachricht über die Kirche
bezw. Pfarrei Mühlhausen verdanken w!r
dem lider 6eLim2tionis vom Jahr 1273.
Nachdem die Synode von Lyon 1274 be-
schlossen hatte, daß jeder Inhaber einer
kirchlichen Pfründe sechs Jahre lang den
zehnten Teil seines Einkommens zur Be-
streitung der Kosten eines KreuzzugS bei-
zusteuernhabe, erscheint anch unsere Pfarrei

! das Jahr darauf mit dem damaligen
Pfarrer Baldmarus in dem uns noch er-
- haltenen Steuerbuch der Koustanzer Diö-
! zese eingetragen. Sie lag im Dekanat
Kilchain (Kirchen, auch Trossiugeu,
^ Meringen, später Wurmlingen genannt).
Pfarrer Baldmar war zugleich Pfarrer
von St. Johann in Reichenau und chatte
von beiden Pfarreien ein Einkommen von
17 Pfd. Rotlw. Währung. Als Steuer
zahlte er 1275 am ersten Termin 27 Schill.
Rottw. Währung weniger 4 Pig., am
zweiten Termin 7 Schill, und 4 Pfg., im
ganzen 34 Schill. Rottw. Währung, denen
er »ac! consciencism suam« noch zwei
weitere hinzufügte (Freib. Diözes.-Arch. I,
S. 27),

Etwas mehr über unsere Pfarrei ist
uns ans dem 14. Jahrhundert überliefert.
Sie trat jetzt iu Beziehung zum Kloster
Amtenhausen. Vermutlich kam das
Patronatsrecht von St. Georgen an jenes
Kloster; denn wie aus eiuer Urkunde von
1344 hervorgeht (vergl. nnten), besaßen
die Klosterfrauen jenes Recht schon vor
diesem Jahr, vielleicht schon vom Anfang
des 14. Jahrhunderts an. Dagegen war
die Pfarrei ihrem Kloster noch nicht so
früh inkorporiert; letzteres geschah 1344
(12. August) durch Papst Klemens IV.
Die Einkünfte der Pfarrei überstiegen da-
mals den Wert von 10 M. Silber nicht.

Unter Hinweis anf die große Anzahl
der Konventschwestern, die geringen Ein-
künfte uud die große Dürftigkeit derselben,
ihren Gehorsam gegen den Papst und ihre
große Gastfreundschaft bat die Vorsteherin
samt Konvent den Papst, er möge die
Pfarrei Mühlhausen ihrem Kloster inkor-
porieren. Dieser willfahrte ihren Bitten
in der Weise, daß nach dem Tod oder
Abzug des Pfarrers das Kloster von der
Pfarrei Besitz ergreisen und von da an
einen ständigen Verweser auf dieselbe prä-
sentieren dürfe, dessen Einkommen vom
Diözesanbischof taxiert werden solle (Fürst.
U>k. VII, S. 424). Dabei blieb es jeden-
falls bis gegen Ende des 15. Jahrhun-
derts; denn nach den reZistr'Ä subsi6. clrar.
vom Jahr 1497 war Mühlhausen damals
noch dem Kloster Amtenhausen inkorporiert
uud mit einem vicarius besetzt, der ein
Einkommen von 17 Pfd. Pfenn. besaß;
die von ihm zu bezahlende ^Hilfsstener
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