Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 79
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dazu gehörigen Landorte darunter schwer
zu leiden hatten, leuchtet sofort ein.

Schon 1632 verlangte der schwedische
Rittmeister Nöllinger Proviant und
Knegskontribntion von Villingen, und die
Württemberger Truppen führten noch an
demselben Tag ihre ganze Streitmacht an
der Stadt vorüber, besetzten die Villingi-
scheu O> tschaften, plünderte» uud ver-
heerten. Als Villingen von Breisach her
mit Oberstleutnant Ae scher Hilfe er-
halten hatte, mußte es bald zu Reibereien
zwischen deu Villingern uud den Württem-
bergcrn kommen, uud Villingen selbst wnrde
1633 zweimal belagert. Dabei wurden
die umliegeudeu Ortschaften hart mitge-
kommen. Die Znsammensetzuug der
Heereshaufen ließ auch das Schlimmste
befürchten. Landstreicher, Tangeuichtse,
Gauner, dem Zuchthaus entsprungene Diebe
uud Mörder stellten sich iu der Hoffnung
auf Gewinn, anch mancher Bauer nach
Verlust seiner Habe, um wieder Ersatz zn
bekommen; letzteren folgten die Knechte.
Am 22. Febrnar 1633 ließen sich in
Villingen 25 Banernkncchte ans den um-
liegenden Ortschaften anwerben (Schleicher,
Beitr. zur Gesch. v. Vill. S. 15).

1632 hatte der württembergische Oberst
Nau iu deu Kottweiler Dörfern Lausten,
Deißlingen uud Dauchingen Nachtqnartiere
genommen und geplündert (13. Oktober),
Von Zeit zu Zeit machte» die Millinger
Ausfälle in die Umgegend und richteten
großen Schaden an. Es ging aber nicht
immer so glatt.

Am 17. März 1633 machte die Villinger
Besatzung mit dem Hauptmann Aescher an
der Spitze einen Ausfall. Iu einem
Hohlweg bei Mühlhauseu, deu der
Feiud besetzt hatte, wurden sie jedoch übel
empfangen uud traktiert. Nach einem
kurzen Kampf mußten sie der Uebermacht
von 50 feindlichen Reitern weichen. Der
Feind jagte ihnen nach ; 8 wurden getötet,
5 gefangen genommen. Unter den Ge-
fallenen befand sich Jakob Wigelius,
ein Franziskaner, Rittmeister uud Feld-
kaplan des Oberstleutnants Aescher, dessen
spezieller Frennd er war. Aescher schickte
einen Wagen nach Mühlhansen, um die
Gefallenen zu holen. Diese waren vom
Feind ihrer Kleider beraubt und von den
Mnhlhanser Banern in ihre Pfarrkirche

gebracht worden (Schriften des Ver. f.
Gescb. d. Bar III, S III f.).

Im Mai des Jahres 1633 brachte
Ranben, Plündern uud Mißhandeln viel
Elend über Mühlhansen. Gerade die Land-
orte wnrde» vo» den zügellosen Soldaten,
die alle erdenklicken Grenel verübten, be-
sonders arg miigenomm.n. Aufs härteste
wurdeu sie gebrandschatzt und ausgeplün-
dert, Pferde und Vieh weggetrieben, die
Hänser angezündet oder sonst rniniert
durch Einschlagen der Fenster, Zerschlagen
der Oefen, die Baueru selbst oft weg-
getrieben. Zu Mühlhausen und andern
Orten wurdeu die Weiber und Mädchen
anf unsägliche Weise mißhandelt, besonders
von der französischen Reiterei. Die Feld-
früchte wurden dort größtenteils vernichtet,
so daß' kanm die Hälfte eingeheimst werden
konnte, wobei die Banern ebenfalls Miß-
handlungen seitens der rohen Soldaten
ausgesetzt waren (Nuckgaber II, 2 S. 260;
Schleicher S. 42). DaS war der traurige
Znstand im Sommer uud Herbst 1633,
und noch hatte das Elend seinen Gipfel
nicht erreicht: es kamen die Winterquar-
tiere, uud im folgenden Jahr stieg die Not
am höchsten.

Nach der zweiten Villinger Belagerung
hatte sich Oberst Degeuseld mit seinem
Kriegsvolk nack Rottweil nnd die Nott-
weiler Dorfschaften zurückgezogen, uud uach
einem kaiserlichen Befehl sollte Rottweil
nnd seine Dörfer und alles in der Nach-
barschaft der Stadt Villingen Getreide,
Vieh und Viktnalien gutwillig liefern,
welches Mandat 1634 (4. Januar) er-
neuert wurde. Dazu kamen neue Greuel
seitens des um Nottweil herum lagernden
württembergischen Kriegvolkes.Mühlhauseu
wurde ueuerdiugs durch Raub uud Miß-
handlungen schwer heimgesucht. Die Ver-
armung der Gegend war so groß, daß
für Nottweil zu selbsteigener Unterhaltnng
ans weit entfernten Orten des Herzogtnms
mit uuerträglicheu Kosteu die Lebensmittel
herbeigeführt werden mußten (Schleicher
S. 44). So war es anch für die Vil-
liuger nichts Leichtes, zur Linderung der
Not Streifzüge zu mache». Rottweiler
Reiter beraubten am 4. Februar 1634 in
der Gegend von Mühlhansen nnd Dauch-
ingen mehrere Fuhrleute, verwundeten oder
töteten dieselben; sie wollten nämlich
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