Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 82
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doch mit seinem Begehren nicht durch-
dringen. Die Gründe der Absage waren
zwei. Fürs erste hatte eben auch der
Bischof von Konstanz, Franz Johann, nm
Kapuziner für ein in Markdorf zu grün-
dendes Kloster angehalten, nnd seinem
Verlangen konnte die Provinzvertretung
nicht wohl widerstehen. Fürs zweite aber
war man davon überzeugt, daß die katho-
lischen Bürger Ravensburgs nicht ruhen
würden, bis nicht das Kapuzinerkloster
wieder hergestellt wäre, eine Erwartung,
die nicht getäuscht wurde. Bei der großen
Nähe von der Stadt Ravensburg aber
schien der Provinzvorstehnng ein Kloster
in Tettnang teils als überflüssig, teils auch
als materiell nicht genügeud sichergestellt,
uud überdies verbot auch das kanonische
Recht, Mendikantenklöster in so großer
Nähe zu einander zu bauen. Es wurden
darum die wiederholten Bitten des Grafen
höflich, aber entschieden abgeschlagen.

Der Graf, weniger im kanonischen
Rechte bewandert, fühlte sich schließlich
ernstlich beleidigt und beschloß, andere
Ordensleute (die Pfarrchronik z. I. 1695
redet von Franziskanern) nach Tettnang
zu berufen. Diese kamen anch und waren
schon daran, eine Niederlassnng zu grün-
den, als der Bischof von Konstanz, um
seine Einwilligung angegangen, mit Be-
rufung auf das kanonische Recht Prolest
erhob. Die Angelegenheit kam im Be-
rnfuugswege nach Rom nnd wnrde nicht
nnr zu Gunsten des Bischofs entschieden,
es wurde sogar jenem Orden für immer
eine Niederlassnng in Tettnang verboten
nnd die schon anwesenden OrdenSmitglieder
wurden aufgefordert, die Grafschaft Mont-
fort unverzüglich zu verlassen. So starb
Graf Hugo VI., ohne seinen Plan durch-
gesetzt zu haben im Jahre 1662.

Die Gesinnung des Vaters ging ans
seil en Sohn, Graf Johann III., über,
jedoch auch er hatte in dieser Hinsicht
keinen Erfolg aufzuweisen. Er starb schon
am 12. Sept. 1686 dnrch einen Sturz
vom Pferde auf dem Platze vor der Pfarr-
kirche in Langenargen (i. S. 109).

Es folgte ihm in der Regierung sein
Sohn Graf Anton I. (1686—1733).
(i. S. 110). Dieser griff mit Fenereiser
den Plan seines Großvaters ans nnd wollte
alles aufbieten, Franziskaner in Tettnang

einznführeu (i. S. 54). Jedoch seine Um-
gebung, der frühereu vergeblichen Prozesse
eingedenk, widerriet dem Grafen seinen
Plan, der jetzt noch anSsichtsloser war,
da unterdessen das Kapuzinerkloster in
Ravensburg sich wieder erhoben hatte.
Jnsbesonders verwandte sich seine Gemahlin
Maria Anna, eine Tochter des Grafen
Maximilian von Thun, für die Kapuziner
nnd riet, statt in Tettnang ein Kapuziner-
kloster in Langenargen zu erbauen. Der
Graf verstand sich dazu uud faud nuu bei
Bischof Marqnard Rudolf bereitwilliges
Gehör nnd auch die Kapuziner selbst er-
hoben keinerlei Schwierigkeit. Schon am
4. Mai 1694 zogen einige Patres in
Langenargen ein nnd in der Ordens-
kongregation zn Feldkirch am 19. Juni
desselben Jahres wurde das Kloster for-
mell angenommen (ss. S. 523). Die Patres
bewohnten zuerst e>n HanS neben der so-
genannten Fridolinnskapelle (ss. S. 54
uud a. z. I. 1694). Dieselbe stand an
der Stelle der jetzigen Pfarrkirche und
wurde nach Schilling (S. 134) 1717
abgebrochen. Bald aber winde mit dem
eigentlichen Klosterbau begonnen. Der
Graf, sagt Schilling (S. 127), „vergabte
zu diesem BeHufe zwei an den herrschaft-
lichen, hinter dem Münzhof gelegenen
Banmgarten anstoßende Janchert, die teils
Waldung, teils Ackerfeld waren, und das
nötige Bauholz aus seineu Forsten".

Allein so frei von allen Schwierigkeiten
vollzog sich die Angelegenheit trotzdem nicht.
Die einst nach Tettnang berufenen Ordens-
leute (^. S. 528), nach der Pfarrchronik
(z. I. 1694) Franziskaner, widersetzten
sich dem Beginnen und es gab noch er-
bitterte Neknrse uud Verhandlungen, ehe
die Grnndsteinlegnng stattfinden konnte.

Im Jahre 1695 erschien, auf einer
Visitationsreise begriffen, der heiligmäßige
Ordensgeneral Bernhardin von Aretio, der
zum Provinzkapitel, das am 15. Juli 1695
in Bregenz gehalten wurde, zog. Er
wurde, wie die Pfarrchronik (z. I. 1695)
meldet, mit großer Ehrfurcht vom Grafen
empfangen. Wie überall, wohin er kam,
ein wahrer Sturm der Begeisterung das
Volk ergriff (im Kapuzinerkloster Bregenz
z. B., wo sich auch sein Porträt befindet,
ließ sich die Klansnr bei einem Andränge
von 100 000 Menschen nicht mehr auf-
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