Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 90
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1904/0098
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
(1656), Zable (1659), Miller (1659),
Freyer (1660), Riebsamen (1660), Kesen-
heiiner (1661), Engelhardt (1662), Bnr
(1664), Frank (1664), Wummert (1666),
Huotmacher (1668), Rothreder (Müller
in der Mühle bei Schwenningen, 1670,
ans der Schweiz), Engelsmann (1673),
Mene (1668), Kntler (1669), Schneider
(aus Gutmadingen 1675), Bürk (ans
Hochemmingen 1675), Mezler (1685),
Bürkle (1695), Hiller (1695), Koler,
Emminger, Mayler, Flaig, Vosseler, Nieber,
Jauch, Engesser, Ganter u. a.

Durch den Zuzug vou auswärts er-
klärt sich die Zunahme der Bevölke-
rungszahl in den ans den Krieg fol-
genden Dezennien. Während nach den
vorhandenen Registern die jährlichen Ge-
burten vom Jahr 1651 — 62 die Zahl 5
nie überschritten (1651: 3, 1653: 2,
1654: 5, 1659: 2, 1660: S), finden
wir 1663 schon 8 Geburten eingetragen,
1669: 10, 1679: 12, 1681: 16. Von
1669 — 80 wurden in einem Jahr nie
mehr als 4 Ehen geschlossen, welche Zahl
nur 1675 erreicht wurde. Die Zahl der
Osterkommunikanten betrng 1676 noch 95,
1680 schon 109, 1690 sogar 132. Die
Gesamleinwohnerzahl war
1680: 175
1688: 209
1695: 180
1701: 163
1708: 168
1718: 162.

Von ca. 1690 an bemerkt man wieder
Abnahme.

In gewerblicher Beziehung nahm
nnser Ort gegen Ende des 17. Jahrhun-
derts ebenfalls einigen Aufschwung. Flüher
waren, wie schon bemerkt, sämtliche Unter-
tanen der Reichsstadt verbunden, keine
andern Handwerkslente als von der Stadt
zu gebrauchen. Die Stadtzünfte hatten
auch das Recht der Hausvisitationen.
Dadurch fühlten sich die Leute auf dem
Land in ihren kommerziellen Verhältnissen
beeinträchtigt. Sie wandten sich mehrmals
an den Kaiser und den schwäbischen Kreiö
um Abänderung dieses drückenden Sub-
ordinationsverhältnisses. Es kam zu Miß-

wieder, — 1668-1670 war Johannes Merkhlin
Untervogt; 1728 -1729 Martin Schneider,

Helligkeiten zwischen Stadt und Land, und
letzteres scheint sich nicht mehr so streng
an de» alte» Brauch gehalten zu haben;
wenigstens weisen die alten Kirchenbücher
von Mühlhansen vor Beendigung des
Streites diesen oder jenen Handwerker
oder Gewerbetreibenden ans, der im Ort
ansässig war, z. B. 1679 einen Schneider.
Endlich im Jahre 1698 wurden durch eine
kaiserliche Kommission jene Streitigkeiten
zwischen Stadt und Landschaft dahin ge-
schlichtet, daß deu vou der Stadt am
weitesten entfernt liegenden Ortschaften
einige Handwerker gestattet sein sollten,
nnd zwar für Mühlhausen ein Schneider,
eiu Schmied, ein Maurer und ein Zimmer-
mann (Rnckgaber I, S. 200 f).

Seit wann Mühlhansen eine eigene
Schule besitzt, läßt sich nicht bestimmt
ermitteln. Doch dürfte eiue solche noch
ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Viel-
leicht dürfen wir einen Schluß ziehe» aus
einem Eintrag im Totenregister vom
Jahr 1680 (1. Dez.) wo es heißt: „Joanne!-
Lieorgius triiolus <HInistiani IVI^ucli
ücIrc> 12 e et literiL sui,^ c^uas libenter
trActauit, valeäixit". Demnach wäre,
wenn dieser Knabe nicht eine auswärtige
Schule besuchte, 1680 bereits eiue eigeue
Schule in unserem Ort gewesen. Sicher
aber war dies der Fall anfangs des
18. Jahrhunderts. Demi in einer Bruder-
schastsliste von Mühlhansen wird auf-
gefühlt nach der Inskription vou 1711:
Vincentius Wilkelm luäimoclerÄtor
ex Wurmlingen, später iu Seitiugen,
welcher offenbar vorübergehend Lehrer in
Mühlhansen war.

Die Kriegsereigniff e der zweiten
Hälfte des 17. und vom Anfang des
18. Jahrhunderts überschwemmten auch
Mühlhausen mit Kriegsmaunschaften nicht
zn feinem Vorteil. Wiederholt zogen
Truppen durch oder hielte» sich eine Zeit-
lang dort oder in nächster Nähe am.
1675 zog das Holstainsche Regiment von
Elsaß her durch Mühlhausen. 1676 waren
hier Mannschaften vom Regiment v. Merci
(Febrnar). 1684 lagen hier Rottweilsche
Kreissoldaten. Eiu Kapitän und ein Ge-
meiner von diesen hatten einige Juden
ausgeplündert nnd wurden mit einer Eskorte,
die sich grobe Exzesse dabei erlaubte, vom
Lurgvogt von Donaueschiugen 1684 arre-
loading ...