Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 92
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amissa, liine sec^uentium, Quantum
potui, annotsre volui (I Seilt).
2. Ei» Boge» (4 Seiten) mit der Voi-
bnnerknng: Ii. O. Nartino Riclc
simul parockv in ^Vluklkausen ei WeiZ-
keim dapti^sti sunt se^uentes, uti ex
6iversis annotationibus cvlle^i, 1652
bis 1661, i»it 5 Einträge» aus Weig-
heini und 32 a»s Mühlha»fi». Das
Eheregister beginnt mit den: Jahr 1669.
Wir entnehmen ans einzelnen Notizen,
daß danw »nd waii» ei» Paar sich auf
dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichiiigm
trauen ließ. Das Toteiiregister iMenckus
Nortuorum) begi»»t mit den? Jahr 1669.
Die beiden letztere» Register wnrden an-
gelegt bezw. begönne» dnrch den Nach-
folger des Pfarreis L. Manch, nämlich
Pfarrer Raphael Wernz. Dieser um
die Pfarrei Hochverdieute Pfarrer ist ge-
bore» zu Rottweil im Jahre 1644 »nd
wurde schon mit 25 Jahren ans die Pfarrei
Mühlhansen befördert, deren Restaurator
er genannt werden muß. Er bezog die
Pfarrei am 22. Januar 1669 n»d ver-
waltete sie volle 5V Jahre la»g, als ei»
äußerst frommer, feeleneifnger und mild-
tätiger Priester. Viel von dem, was wir ans
frühere» Zeiten überdieGefchichtederPfarrei
wisse», verdanken wir seinem unermüdlichen
Foifchersleiß, i» welchem er alle Doku-
mente, soweit noch möglich, sammelte und
durch Nachfrage» bei alte» Leute» eigänzte,
Dies tat kr zur Ergänzung der Kirchen-
bücher, erneuerte und fixierte die Goties-
dienstordnnna, legte ein Jahrtagsverzeichnis
an, beschrieb neu das Pfarreinkommen und
die Stolgebühre», fertigte 1697 ei»
neues Psarrnrbarinm; ihm verdanke» wir
auch das öfters geuaiinte Verzeichnis
früherer Pfarrer zu Mühlhausen mit
interessanten Bemerkungen, die ältesten
Firmuugslisteu n. a.

Wir lassen hier einen Auszug aus
seiner Beschreibung des Psarrein-
k v ni m e n s folgen, da es auch von kultur-
historischem Interesse ist. Die Aufzeich-
nungen, bei denen er meist der mündlichen
Ueberlieserung folgte, stammen vom 14.J»li
1677.' Voraus schickte er die Worte der
hl. Schrift: (Zuaerite primum reZnum
Oei et iustitiam eins et kaec omnia
acliccientur vodis (Matth. 6, 33).

Demnach gehörte dem Pfarrer zu

Mühlhanse» der ganze Fruchtzehnte» ans
alle» Aecker», Neuthe» u»d Neubrücheu
im ganzen Bann, von allen Früchte»,
Ȋmlich Vesen, Roggen, Weizen, Gerste,
Haber, Bohnen, Erbsen, Linse», Ha»s,
Flachs zc. Weiter gehörte ihm aus zwei
Jauchert Ackers im Weigheimer Bann,
was jedoch 1670 dispntierlich werden
wollte, aber dnrch de» Kommendator Franz
von Sonnenberg zu Villinge» als richtig
erkannt wmde. Ferner bezog der Pfarrer
de» ganze» He»zehnte» ans allen Wiese»
im Mühlhanser Bann sowie aus jenen
Wiesen, welche Mühlhanser Bauer» im
Schweinimger Ba»» besäße». De» Heu-
zehiite» konnte der Pfarrer selbst einfor-
dern »nd „den zehnten Schechen von einer
Wiese auf die audere zähle»" oder »m
ein Gewisses mit einem Bauern überein-
kommen; vor Zeiten wurde für den ganze»
Henzehnlen 35 fl. gezahlt. Aus deu
Gärten gaben die Bauern keinen Zehnten,
sondern gewisse „Hienlein". Ans dem
Almknd gebührt dem Pfarrer, was einem
Banein gegebe» wird a» Obst, Birne»,
Kirsche», Holz. Was die Biene» betusst,
so war es früher Branch gewesen, dem
Kirchherr» zeh» Batze» zu bezahlen, wenn
Bienen verkauft wurden, oder den zehnten
Teil an Honig und Wachs, wenn Bienen
ausgemacht wurden (laut Bruderschafts-
protokoll vom 23. Okt. 1621). Doch war
aus Gewohnheit bis dato nicht mehr be-
zahlt worden, als von einem jungen
„Jhmen" 2 kr. Ans den Gemeinde-
wälder» ei hielt der Pfarrer zwölf Klafter
Holz. „Von Schaffe», Gitzli», Schweinlin,
Henlin, Gäns, Enthe», soll das zehnte
Stnck bezahlt werden." Eine Viehoidnung
war nicht vorhanden. Der Pfarrer darf
fünf, beiläufig sechs Roß halten, um da-
mit sei» Widem zu bebauen; ferner hielt
Pfarrer Wernz fünf oder sechs Kühe und
ebenso viele Stiere; was dem Pfarrer hier
gebührt, kann er selbst schätze». Das
Pfarrwidem betrug früher 20 Jauchert,
später wurde die Hälfte einem Maier ge-
geben (Rodel vou 1608).

Von sonstigen Gebühren führen wir
folgende an: Wenn ma» am Fest Christi
Himmelfahrt nnd Fronleichnamsfest um
deu Esch ging nnd die vier Evangelia ge-
sungen nnd die Felder beuediziert wurde»,
hielt man nach altem Branch einen Abend-
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