Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 98
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Ein weiterer Welfchgranbüudner war
Toniniaso Comaci(n)o (1'vor 1679),
der 1668-1673 den Westflügel des
Klosters Zwiefalten baut, dann in
Marchthal nnd zuletzt in Weingarten auf-
taucht. Dort wird er als ein Freuud des
bekannten, 1673—1724 in München
lebenden kurfürstlichen Hofbaumeisters
Enrico Znccali bezeichnet, ohne
Zweifel eines Landsmanns; diesen em-
pfiehlt Graf Johann von Montfort 1679
dem Prälaten von Weingarten. DaS
nmfangreiche Wirken der Familie Zuccali
gehöit Altbayern an. Ueber Gabrielis f. u.

Die zwischen zwei Völkern stehenden
Welsch - Graubnndner interessieren beson-
ders deshalb, weil sie eine Lücke ausfüllen
als Vorläufer einerseits der Vorarlberger
Bauschule, anderseits der Vollblutitaliemr
in Deutschland.

Eine merkwürdige Stellung am Eingang
des eigentlichen Barockzeitalters nimmt der
„kunstgeschichtlich überaus wertvolle", 1652
begonnene Do m z u K empte n ein, dessen
Ban von 1655 an der Psalz-Nenbnrgische
Maurermeister Johann Serro leitete.
Bei tiesein nach GurlittS Urteil „wohl
großartigste» Bauwerk seiner Zeit iu
Deutschland" sind jedoch nicht sowohl un-
mittelbar italienische als niederländische
Einflüsse im Spiel.

Echt italienische Baumeister be-
gegne» nns iu Oberschwabe» im18. Jahl-
h»»dert. I» Wemgarte» sucht 1717
ei» Architekt, Stnccator nnd Maler Carlo
Doimnico Lucchesi von Hildburghauseu
vergebens anzukommen.') Mehr Glück
hatte der herzoglich württembergische Ban-
direktor iu LudwigSbnrg, Donato Giu-
seppe Frifoni (1683—1735) aus
Laino im Gebiet von Eonio. Wir müssen
zwar hier die Annahme, als ob die
Weingarten er Klosterkirche, ein
Werk von Vorarlberger Banmeistein, ans
Frisoni zurückgehe, ausö entschiedenste ab-
weise». Er eutwarf 1717 ff. uur Pläne
z» de» Türme» und znr Kuppel der nenen
Kirche, ferner Altäre. Dabei verschaffte
er mehreren Landsleuten Aufträge in
Stückarbeit nnd Malerei u»d hielt sich

>) Ein Baumeister Atbre ch t L u c ch e s i Hatto
um 1570 für den Erzherzog Ferdiumid die Stadt
Güuzburg veriliesseu behufs. Plnuieruiig »ud
Vergrößerulig.

1720 mit seinen Verwandten Paolo nnd
Leopolds Netti sogar wocheulang i» Wein-
garten anf. Gleichwohl wurden seine
Pläne, was u. a. aus seiner eigenen Kor-
respondenz mit der Abtei hervorgeht, nur
teilweise beuützt.^)

Bei der Beuediktiuerabtei Otto-
beureu war ein „Baudirektor" Maiui
— wohl identisch mit einem der dort vor-
kommenden Stnccatoren Andrea oder Gin-
seppe Maini — angestellt, welcher 1725
anch nach Weingarten empfohlen wurde.

Ein Architekt von Bedcntnng war
Gabriels deGabrielis ans Rove-
redo (Südtirol?), 1671 — 1740 der in
Wien für das Hans Lichtenstein arbeitete,
dann für daö Haus-Dettingen 1719—1725
die neueren Teile des Schlosses iu
Balderu (OA. Neresheim) sowie die
Wallfahrtskirche in Zöbingen
(OA. Ellwaugeu) ausführte. Er wurde
markgräflich Ansbachifcher, zuletzt bi-
schöflich Eichstättischer Hofkammerrat uud
Oberbaudirektor. Seine Tätigkeit au
de» geuannteu Höfeu übergehen wir.
In Augsburg stammt vou ihm die
zun, Dom gehörige Kapelle, welche
der bischöfliche Oberhofmeister Graf von
Pohlheim „auf dem fogeuaunten Gräbd"
erbauen ließ ; I. G. Bergmüller schmückte
sie 1721 mit Deckenmalereien. Im Jahre
1735 wollte die Stadt Augsbnrg Gabrielis
als Baudirektor annehmen ; er erwarb dort
wenigstcns das Bürgerrecht.

Als Ba»direktor von Augsburg wird
der Jesuit Jgnaz Meraui gcuauut,
der 1736—1738 das neue Jesniten-
k o l le g i n in i n D i ll in ge n baute, ferner
iu Anlehnnug an die dortige Kirche dieses
Ordens 1752—1754 die Kollegien-
kirche zu Laudsberg am Lech.

Von Erzengnissen des italienischen
Klassizismus iieiiiie» wir zwei Bauten.
Zunächst das Schloß in Wain (OA.
Lanpheim), welches 1777—173V der Frei-
herr Benedikt v. Hermann durch einen
„veuetiauischeu Baumeister" errichten ließ,
vielleicht deu als Schüler vcn Tommaso
Temanza (1705—1789) im Palladiani-
schen Klassizisinns aufgezogene», in Paris
»nd Nom weitergebilvete» Gia » Antonio

-) Bergt. B. Pfeiffer, Die Vorarlberger
Bauschule, Württ, VierteljahrShefte IW4, S.38 ff.
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