Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 145
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W04.

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I^eck. Vorlagen zu Schillers
„Muber".')

Die Presse, vornehmlich die sogenannte
VolkSliteratnr, hat zu dem falschen Bilde
und dem Glorienschein, von dem der (im
Jahre 1738 zu Kissing, bayerischen Land-
gerichtSbezirkS Friedberg, geborene, am
K.Juli 1771 in Dillinge» a.D. Hingerichtete)
„bayeris ch eHi e s el" (eigentlich Matihias
Klosterniayr) umgeben ist, und welches wir
iu einer vor Jahren im SonntagSblatt
des „Ulmcr Tagblatts" (Nr. 18—20,
22, 25 und 27 von 1882) veiösfent-
lichteu Abhandlung: „Der bayerische
Hiesel vor dem Nichterstnhl der Wahrheit"
richtigzustellen suchten, redlich das ihrige
beigetragen. Schon zu seinen Lebzeiten
war die Zahl der über ihn erschienenen
literarischen Erzeugnisse in gebundener nnd
ungebundener Rede eine kuträchtliche; und
uach seiner Justifikation häufte sich die-
selbe bis zum Ausbruche der französischen
Revolution erst recht an. Wohl war ja
der „Held" nun tot; nicht aber war er
in den Herzen der Bauern uud Laudleute
in Süddeutschland gestorben, welche ihn,
da sie ihn nickt mehr unter den Lebenden
wußten, fortan in Wort und Lied be-
sangen, zn»i Teil auch auf der Bühne
brachten und verherrlichte», sowie im Bilde
verewigten, und welche ihn bis zur Stunde
»och »icht ga»z vergesse» haben. Bis
nach Deutsch-Oesterreich ist die
Hiefel-Legeude eingedrnngen; in allen

') Ueberarbeitung meines früheren in der
„Besonderen Beilage" des wurtt. „Staats-
anzeigers" vom 10. Mai 1900, Nr. 7/8, S. 117
bis 1W, erschienenen Aufsatzes mit verschiedenen
neuen Zutaten.

Proviuzialstädten wurden Flugblätter und
Flugschriften in Versen und Prosa, so
namentlich das wahrhaft ans dem Volke
hervorgegangene: „Hiesel! um was muß
ich dich srageu zc.", hochdeutsch oder in
der Dialektsprache gedruät (s. Adam
Wolf, gesch. Bilder aus Oesterreich, II
„Städte und Bürger", 1630—1792,
S. 376, Wie», 188V bei Wilh. Brau-
müller). Wie diese Parteiergreisung für
Hiesel zn erklären ist, das erfährt nia»
». a. ans einer zeitgenössischen Flugschrift
vom Jahre 1771, wo es von ihm heißt:
„Es scheint, als ob dieser famose Partei-
gänger wirklich mehr Freunde als Feinde
i» der Gegend habe. Besonders die
dauern, denen das hieselsche Prinzip,
daß das Wildpret nicht nur vor große
Herr» allein von Gott erschaffen
sei, gar wohl gefällt, verehren ihn als
einen Abgott. Wen» man ihm von Forst-
regalie» uud auderu Gerechtigkeueu etwas
vorsagt, so schimpft er aus vollem Halse
über alles Latein und sagt, die „La-
teiner" oder die Gelehrten hätten die
Knechtschaft und anderes Unheil einge-
führt. Er muß bei einem Nonfsean von
Genf in die Schule gegangen sei». Sei»
Mitleid gegen arme Bauern giug in den
Feiertagen so weit, daß er ihnen das
Wildpret für einen Kreuzer aushanen
ließ." Es wird dann eine Reihe vo»
Fällen aufgeführt, in welchen Hiesel ledig-
lich für das bedrängte Recht Gewalt an-
gewandt habe, uud ihm auch eine überaus
mäßige Lebensart nachgerühmt. „Noch
niemalen" — wird fortgefahren — „soll
er sich betrunken haben, uud vom Fraueu-
zimmer ist er gar kein Liebhaber. Er hält
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