Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

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zum Kirchenpatrou gewählt haben. Ist
vielleicht das Patrouat von Ochsenhansen
ans diese Weise zu erklären?

2. Manche Orte befanden sich in einem
Abhängigkeitsverhältnis zu der Abtei St.
Georgeu ans dem Schwarzwald, und dieses
Abhängigkeitsverhältnis wird heute noch
verrate» durch den Kirchenpatrvn St.
Georg. Von Emmingen z. B. heißt es
Königreich Württemberg Baud III S. 422:
Den 797 bei einer Schenkung au S?.
Galleu genannten Ort erwarb seit 1092
allmählich Kloster St. Georgen, welchem
er auch nach desseu Versetzung nach Vil
lingen nnter östreich-hohenbergischer Ge-
richtsbarkeit blieb. Von Mühlhausen wild
ebeudvrt berichtet, das! die Kirche daselbst
1179 dem Kloster St. George» gehörte
(vrgl. „D.-A." 1904 Nr. 3). Ans
S. 843 ist bei Jugoldiugen bemerkt: Der
Ort gehörte seit 1139, die Kirche seit
1179 mit Degmiau zu deu Stislungs-
güteru vou Kloster St. Georgen im Schwarz-
wald uud verblieb diesem bis 1809.
Das Kloster Urspring war unter Vogtei der
Grafen von Berg dem Kloster St. Georgen
untergeordnet. K. W. Bd. ^11 S. 663.
Anch Dintenhofen war ein St. Georgen-
scher Klosterort. Vrgl. RoiheuhänSler,
Abteien uud Stifte des Herzogtums Würt-
tiinbcrg S. 172. (Hatte Gönningen anch
vielleicht St. Georg znm Patron?) Die
Beziehungen von Königseggwald zu un-
serem Kloster wurden dadurch angebahnt,
daß die Edlen Hezelo nnd Hesso, welche Reli-
quien von St. Georg im Besitze hatten,
znnächst iu der Villa Walda, dem heutige»
Königseggwald, ei» Kloster stiften wollten,
welche Stiftung dann aber anf Anraten
des Abtes Wilhelm von H rsau im Jahre
1084 iu die Gegend der Brigachqnelle
verlegt wnrde.

3. St. Georg war Patron der Deutsch-
ordensritter, und anch dieser Ordui ließ
es sich angelegen sei», die Verehrung des
Heiligen zu fördern. In der Schloßkirche
zu Mergeutheim wnrde er als Milpatron
(Palron nach Maria und Elisabeth) ver-
ehrt. (WeikeiSheim?) Eine andere Georgs-
kirche, welche ehedem zu den, Dentfchordeu
gehört hätte, können wir ans unserem
Bereich nicht nennen, dagegen wisse» wir,
daß die Deutschordeuskirche zu Myhle»,
Amts Löirach, dem hl. Georg geweiht

ist. I» der Ordeusprovinz Prenßen stün-
den sämtliche Aussatzhäuser unter dem
Schutze des hl. Georg; später erscheinen
diese St. Jürgeuhänser als einfache Spi-
täler, deren Verwalter Provisoren, Georg-
väter, Hofmeister oder Hofherren genannt
wurden.

4. Der hl. Georg galt in frühester Zeit
nicht bloß als Patron der Deutschordens-
ritter, sondern der gesamten deutschen
Ritterschaft. Was war natürlicher, als
daß die adeligen Heiren ihre Schloßkapellen
oder die von ihnen gegründeten Kirchen
unter den Schutz des hl. Georg stellten?
(Achalm, Hohenbaldern, Neipperg, Neuen-
bürg, Neuneck, Oberalfingen, Praßberg,
Tettnang (ehemal'ge Hofkapelle mit Asyl-
rechi), Wurzach; Vollinaringe» ». f. w.).
Oesters mochte a»ch, wie bei St. Michael,
der Fall vorkommen, daß St. Georg später
vom Schloß herabstieg nnd daim iu der
Pfarrkirche zur Ehre des Patrons ge-
langte. Vielleicht haben auch manche
Georgökirchen.oder Georgeustiste des Bene-
diktinerordeus ihre Namen von ihren
adeligen Gründern oder Wohltätein er-
halten.

5. Unser Heiliger gehört zu den 14
Nothelfern, und dieser Umstand mnßte
ihn vollends beliebt »lache» und dazu
führen, manches Heiligtum feiner Obhut
und seinem Schutze anzuvertrauen.

Die bildlichen Daestellnngen des hl.
Georg sind bekannt. Detzel hebt vier
Arte» derselben hervor.

Die älteste Abbildung ist die ohne den
Drache», wo dann St.Georg fast immer ohne
Helm erscheint — so bei einer Fignr am
Freibnrger Münster („Freib. D.-A." 1901
S. 146). Zahlreicher sind die Bilder der
zweite» Art, welche den Heiligen »nt dem
Drachen zeigen, aber ohne Pferd, als
Ritter zu Fnß (vrgl. den alten Schluß-
stein aus der Georgskirche zu Voll-
mariiige»).

Am zahlreichsten sind die Bilder der
dritten Art, auf welchen wir den Heiligen
zn Pferd und im Kampfe mit dem Drache»
erblicken. Dieses Snjet wurde so populär,
daß es selbst bei einer stattlichen Reihe von
kunstgewerblichen Gegenständen, wie Rin-
gen, Messingbecken, Münze», Perlmntter-
arbeiten u. dergl. augewendet werden
konnte. Es dachte sich offenbar die chrift-
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