Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 22.1904

Page: 171
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das ihnen jetzt dritte, die längst nach ihnen ge-
kommen, entziehen wollten, offen, mannhaft, in
gutem Glauben und ohne Hinterhalt gegen die
weit vorsichtigeren, zurückhaltenden, nicht so aus
sich herausgehenden und in solchen Dingen ge-
wandteren Jesuiten wehrten.

Gegen den Schluß (S. 294—306) nimmt der
Verfasser noch eine Art von wohlangebrachter
Ehrenrettung an dem württembergischen Kanzler
Konr, Christoph Besold gegenüber den zahl-
losen Verunglimpfungen dieses auch wieder in
neuerer Zeit vielgeschmähten Mannes vor und
ihn namentlich gegen den Vorwurf der Perfidie
und Heuchelei in Schich, sofern der Verfasser
überzeugend nachweist, daß die Konversion Besolds
erst 16S5 und nicht schon 1630, wie bisher immer
behauptet wurde, stattgefunden hat.

Well er, Karl, Geschichte des Hauses
Hohenlohe. I. Teil. Bis zum Uu-
tirgang der Hohenstaufen. Stutt-
yart, Verlaa von W. K o b lh am m e r,
1904. VII, 154 SS., 3 M. brosch.

Seinem Hoheulohifcheu Urkuudeubuche, d. h,
den bis jetzt vom selben erschienenen, die Zeit
von 1153—1350 umfassenden, 2 Bänden, läßt
der Verfasser den 1. Teil einer Darstellung des
Hauses Hohenlohe folgen, das, wie wenig
andere, eine hervorragende Stelle in der Geschichte
eingenommen hat und noch heute behaupter. Seine
ältesten Mitglieder treten zuerst i. I. 1133 unter
dein Namen (Konrad) v. Weikersheim anf, wei-
sen aber schon 1178 ihren heutigen Namen auf,
de» sie von der Burg Hohenloch in der Nähe
von Uffenheim annnhmen. Zum erstenmal tritt
das Geschlecht in die Weltgefch. mit der Glanz-
zeit des Hohenstanfenhauses nnter Kaiser Fried-
rich l., dem Rotbart, und entwickelte sich zu voller
Größe in der späteren Staufenperiode unter
Kaiser Friedrich II. Markige Gestalten führt
uns hier der Verfasser vor, so Kourad v. Hohen-
lohe, Graf v. Molise, welcher uuter Notbart
längere Zeit die Grafschaft in der Romagna ver-
waltete, den großen Staatsinann Gottfried von
Hohenlohe, gleichfalls Graf in der Nomagna,
Reichsrat und einen der Vertrautesten von Kaiser
Friedrich II. und den eigentlichen Begründer der
Hohenlohefchen Hausniacht, dessen Bedentung
Ficker in Innsbruck erstmals hervorgehoben. Weiter:
Gottfrieds Bruder Heinrich, Organisator desOr-
denslanres Preußen und Hochmeister des Deutsch-
ordens, welchem Kaiser Friedrich II. seinen Sohn
Konrad (IV.) zur Erziehung anvertraute. Da-
neben steht noch der Bruder Andreas v. Hohen-
lohe, der Gründer der Dentschordenskommende
von Mergentheim, Deutschmeister, zuletzt Hoch-
meister seines Ordens, der dessen Besitz in Preußen
gesichert hat. — Die Fortsetzung soll dann das
„Zustäudliche aus dieser Zeit", d. h.die Besitzungen,
Burgen, Lehen und Lehensleuts, das Familien-
recht, Wappen, die Siegel, Wildbäune, die Zoll-
und Geleitsrechts zc. bringen. Schon jetzt läßt
das angefangene Werk erkennen, daß man es
hier mit keiner Hohenlohefchen „Lagerbuch-Ge-
schichte" zu tun hat und laßt die gehaltvolle, in
großen Zügen gegebene Darstellung, das beste
für das ganze Werk erhoffen.

71 —

Darstellungen aus der württem-
bergischen Gesch. Herausgegeben
von der w. Kommission f. Landesgesch.
I. Bd. Der geschichtliche Kern
vonHc> nsss Li ch t en stein, von Max
Schuster. Stuttgart. Verlaa von
W. Kohlhammer, 1904. 358 S.
und Nonrort. Preis: brosch. 3 M. 50 Ps.
Mit dieser, ans einer Preisaufgäbe der philo-
sophischen Fakultät der Universität Tübingen her-
ausgewachsenen Schrift eröffnet die w. Kommission
f. Landesgesch. eine Serie von „Darstellungen
aus der w. Landesgesch.". Die leisen Bedenren,
ob diese Abhandlung in ihre Publikationen aufzu-
nehmen, bezw. mit derselben der Anfang zu machen
sei, welchen im Vorwort selbst Ausdruck verliehen
wird, teilen wir in hohem Grade. Einmal fragt
es sich sehr, ob überhaupt Hauffs Roman: „Lich-
ten st ein" nach seiner ganzen Anlage ze. sich zu
einer historischen Quellenuntersuchung
für die Zwecke der Kommission eignet oder lohnt;
dann kann man mit Recht sagen, wie endlos viele
Stoffe diesem neuen Unternehmen näher gelegen
wären — man denke z, B. nur aus neuerer Zeit
an eine immer noch fehlende Darstellung des
w. Zeitungs- und Zeitschriftenwesens, von dessen
ersten Anfängen bis anf die laufende Zeit, an
eine ebenfalls noch immer abgehende Gesch. der
Sturinesjahre 1848/49 in Württemberg, au eine
Gesch. des w. Theaterwesens, insbes. des Hof-
theaters in Stuttgart u, s. w. u. s. w. Dazu ist
die Arbeit selbst für ihre eigentliche Aufgabe viel
zu groß und weitschichtig ausgefallen, wie schon
die Inhaltsübersicht erkennen läßt: Auf eiue Ein-
leitung von 12 S. folgt das erste Kapitel: die
rein dichterischen und sagenhaften Bestandteile
(S. 13—32). Ein zweites Kapitel (S. 33—59)
gibt eine» „allgemeinen Usberblick über Hauffs
Quellen"; ein drittes Kapitel (S. 60—83) be-
handelt Ulrichs Jugendzeit, ein viertes
(S. 84-115) „die Katastrophe des armen Kon-
rad (1514), ihre Entstehung uud Folgen", ein
fünftes (S. 116—139) „Ulrichs Ehe und die
Tötung Hans von Huttens" (1515), ein sechstes
(S. 140-1S7) „Ulrich in Bedrängnis von innen
und anßen" (1515/16), ein siebtes (S. 163—188)
„Ulrichs Gewaltherrschaft und deren Ausschrei-
tungen" (1515 — 18), ein achtes (S. 189 — 198)
„H ansss Ulrich uud der Ulrich der Ges ch."
Ein nenntes Kapitel (S. 199—258) handelt in
zwei Unterabteilungen: ») von den „Vorberei-
tungen znm Krieg" (S. 199—230), d) von der
„Vorentscheidung des Kriegs (S. 230—258), von
der Erobernng Reutlingens bis zum Ausbruch
des Kriegs" (1519). Das zehnte Kapitel (S. 259
bis 288> behandelt den Frühjahrsfeldzug 1519,
das elfte (S. 289—309) die bündischs Fremd-
herrschaft und den Herbstfeldzug von 1519. Im
zwölften Kapitel (S. 310—318) wird Hauffs Ver-
hältnis zu den Quellen uud zur Gesch. nochmals
zusnmmengesaßt, uud das dreizehnte Kapitel (S.
319—358): der Roman „Lichtenstein" nach seiner
literarhistorischen Bedeutung macht den Beschluß
des Werkes.

Die Grundlagen für die mit großen: Fleiß da-
rüber vorgenommene mühsame Untersuchung, was
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