Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

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Grgmi für Geschichte, Altertumskunde,
Auust und Rultur der Diözese Gotteukurg und der angrenzenden Gebiete.
Herausgegeben und redigiert von Amtsrichter a. D. Becs! in KavenKünrg.
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stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Jiavensbnrg, Beste! lnngen und Neklaniationen an
die Expedition des „Deutschen Vvlksblatts" in Stuttgart, Urbanstrabe 94, gerichtet werden.


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Schwabische Biographien.
39. Neck. Maler Franz Kraus
aus Söflingen?)
Franz Anton Kraus (auch Krauß,
Krause genannt), von armen Schusters -
leuten geb. am 19. Februar 1705 in
dem nahe bei 11 l m gelegenen Dorfe Söf-
lingen (dem Sitze damals eines reichs-
nnmittelbaren Klarissinnenklosters), wo
von jeher allerhand Künstler zu Hause
waren (nicht in Augsburg, wie Fiorillo
und Lipowsky u. a. ansühren), zu
Maria Einsiedeln in der Schweiz den
29. Juni 1752, war ursprünglich für
das Handwerk seines Vaters bestimmt,
widmete sich aber alsbald, einer inneren
Neigung folgend, der Malerei und lernte
zuerst in seinem Heimatdorfe beim Kloster-
maler, dann in Augsburg bei einem ge-
wissen Noblez, war aber in seiner ersten
Jugend eigentlich bloß Zimmermaler. In
Augsburg wurde ihm auch Gelegenheit
gegeben, sich durch Anschauung, Besuch
der Kunstakademie und den Verkehr mit
vielen Künstlern etwas auszubilden. Zn
seinem Glücke wurde man auf seine
nicht geringen Fähigkeiten aufmerksam
und kam er nach einem kürzeren
Verweilen in Negensburg, wie man sagt,
durch Vermittlung eines vornehmen Gön-
ners nach Venedig in die Schule des
Joh. Bapt. Piazetta. Er ahmte die Art
seines Meisters, zu dessen besten Schülern
i) Dieser, zuerst in der „Allgemeinen deutschen
Biographie", XVII. Bd., 1886, S. 68—10, ver-
öffentlichte Artikel folgt hier mit Genehmigung
der Verlagsbuchhandlung Duncker und Huinblot
in Leipzig, verbessert und vermehrt.

er mit Joh. Heinrich Tischbein zählte,
bis zur Verwechslung nach und soll den-
selben sogar übertroffen haben, verfiel
aber dabei auch in dessen Fehler. Gleich-
wohl darf er immer noch unter die be-
deutendsten Barockmcister des 18. Jahr-
hunderts gerechnet werden und verdient
der absoluten Vergessenheit, in die er, wie
so manche Maler der Zopfzeit mehr oder
weniger geraten, entrissen zu werden.
Seine Zeichnung, besonders von Händen
und Füßen, ist sehr gut, sein Pinsel leicht,
seine Züge fest, sein Kolorit kräftig, aber
viele seiner Gemälde sind, wie schon an-
gedeutet, allzu schwarz gebalten und nach-
gedunkelt, wodurch er denselben mehr
Kraft zu geben vermeinte; auch ist seine
Farbengebung manchmal, wie bei seinem
Lehrer und Meister, etwas gelblich in-
folge der zu vielen und zu starken Ver-
wendung von Auripigment und Beergelb,
woher es auch kommt, daß manche seiner
Gemälde sich nicht gut erhalten, sondern
frühzeitig verbleichen und abstcrben. Von
dieser Eigentümlichkeit ließ er sich, eigen-
sinnig, wie er war, trotz mancher Vor-
stellungen nicht abbringen; auch über-
schätzte er sich neben Unterschätzung anderer
zuweilen gerne und hatte, sich für ein ver-
kanntes Genie haltend — kein besonderes
Glück. Er zählt — übrigens kein un-
günstiges Zeugnis für ihn — zu den
Malern, deren Werke mehr im Anslande
als in der Heimat zu suchen sind. Von
in Süddeutschland befindlichen Malwerken
des K. wüßte ich im Augenblick bloß
(nach Lipowsky) ein früher im Speisesaal
des Bitlrichcr Nonnenklosters in München
anfgehängteS Gemälde ans Leinwand an
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