Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

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Mitglieder. Im Jahre 1803 nahm
Pfarrer U. Franz Sal. Gasser noch 16
Mitglieder ans, dann war Stillstand bis
1812, in welchem Jahr 35 Personen ein-
geschrieben wurden. Die letzten 13 Ein-
träge sind von'. Jahr 1828, womit die
Bruderschaft ihr Ende nahm.
Eine andere marianische Bruderschaft
zu Schussenried war die „M ariaLiebes-
Versammlung". Die erste Bruder-
schaft dieses Titels schein: in München
anno 1684 errichtet worden zu sein.
Dorthin wurden auch die Namen der zu
Schussenried aufgenommenen Personen
übersandt. Demnach wäre die Marianische
LiebeSversammlung zu Schussenried jener
zu München aggregiert gewesen?) Wann
diese Bruderschaft in Schussenried ein-
geführt wurde, läßt sich nicht sagen, wahr-
scheinlich im Jahr 1701, womit das Mit-
gliederverzeichnis beginnt. Der erste Ein-
trag ist vom 21. August 1701, der zweite
vom 16. September, und zwar liest man
i» den Jahren 1701 —1704 (inkl.) nur
auswärtige Mitglieder verzeichnet (55).
Bis 1707 waren eS 175. Später nahm
die Zahl bedeutend zu. Im Jahr 1720
wurden ca. 300 Personen aus nah und
fern ausgenommen, oft viele aus einem
Ort zugleich, z. B. anno 1733 44 Per-
sonen aus Hundersingeu und 23 Per-
sonen aus Hrrbertingen, 1759 10 Per-
sonen ans Unlingen. Unter den Mit-
gliedern befinden sich auch Schusseurieter
Chorherren, namentlich aber auch Kloster-
frauen aus verschiedenen Orten, z. B. aus
den Frauenklöstern Unlingen (19), Kvuigs-
eggwald (6), Wnrzach (7), Saulgau.
Vorstand war der Ortspsarrer; die Aus-
nahmen geschahen besonders an Mutter-
golteSfcsten, an welchen auch statutengemäß
in der Bruderschaftskirche gemeinschaftlich
der Rosenkranz gebetet wurde. Am Feste
Mariä Lichtmeß 1800 wurden zu Schüssen-
ried die letzten nenn Personen ausge-
nommen.
Eines großen Ansehens erfreute sich die
B ru d e r s ch a f t vo m A l le rh e i li gst e n
Alt a rs s a kr am en t zu Schussenried.
Nach dem Titelblatt des vorhandenen
0 Berg. Bering er. a. a. O. S. e>84, wo-
nach sich der Brudcrschaft zn München, weil nur
lokal, nicht andere ähnliche Bruderschaften aggre-
gieren konnten.

Totenbuchs wurde sie am 13. Februar
1701 errichtet (unter Abt Tiber Mangold).
Ein altes Bruderschaflöbild, Kupferstich
von Klanber-Augsburg, im Umfang von
140 x100 mm, zeigt die Ansicht des
Klosters Schussenried, darüber die Heiligen:
I4orbertus, ^ckrignusZacZucop., lVlJAnus
und Viircentius. Für die verstorbenen
Mitglieder, welche ins Tvteubuch einge-
tragen wurden, fand jährlich am Montag
nach dem ersten Fasteusonntag feierlicher
Gottesdienst statt (auf dem Bruderschafls-
altar), worauf die Name» der Verstorbenen
bikannt gegeben wurden. Das künstlerisch
geschmückte Titelblatt des Totenbuchs ver-
dient besondere Beachtung. Es führt die
Flüchtigkeit des menschlichen Lebens, die
Wahrheit, daß der Tod keinen Stand
verschont, und die Ursache des Todes in
drastischer Weise vor Augen.
Die Bruderschaft fand eine ungeheure
Verbreitung. Das Totcnbuch weist in den
ersten zehn Jahren die Namen verstorbener
Mitglieder aus über 150 verschiedenen
Ortschaften Deutschlands, Oesterreichs und
der Schweiz auf. Bis 1711 wurden 577
eingetragen, bis 1750 8773. Sämtliche
Schussenrieder Chorherren waren Mit-
glieder, auch auswärtige Geistliche, ferner
Klosterfrauen ans Hir schtal O. 3. v. (11),
St. Gallen in Ueberluigen O. 3. U. (6),
Saulgan O. 3. U. (5), Unlingen, Pfullen-
dorf, Movsheim, MeerSbnrg. Feldberg,
Feldkirch, Sießen (bis 1750).
Die Bruderschaft wurde in der kritisck'eu
Zeit in die von der Liebe Gottes und
des Nächsten umgewandelt, d. h. erhielt
diese Bezeichnung sud titulo »cle Venem-
bili Lncrnmmrto«. Als Zweck wird 1818
angegeben: „eine reine Vorbereitung zum
würdigen Empfang des heiligen Abend-
mahls — Gottes- und Nächstenliebe" ;
Bruderschaflsbüchleiu waren damals keine
vorhanden. Nach d>r Piarrbeschreibuug
von 1824 bestand sie damals ohne Fonds
und Rechnung. Dock ließ das gulsherr-
liche Rentamt als kwbricw den Bruder-
schaflszettel durch de» Pfarrer besorgen
und drucken ; für denselben wurde» l—2 kr.
bezahlt, ebenso fürs Einschreiben. Die
Bruderschaftsfeier war freiwillig und fand
statt am ersten Sonntag i» der Fasten;
am folgenden Montag war JahrtagSamt
mit Anrede, Ablesung der Verstorbenen,
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