Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 23.1905

Seite: 158
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bruderschaft. Dagegen nennt ein
Bericht vom Jahr 1818 außer dieser noch
eine Heiligkreuz - Brnderschast und
fügt bei, daß schon vor vielen Jahren
diese beiden eingeführt worden seien mit
die Parochianen wirklich daran hindern,
nach anderen Bruderschaften und Patro-
zinien ansznlanfen. Die letztere Bruder-
schaft scheint die jüngere zu sein und ist
die einzige dieser Art im Landkapitel
Waldsee.
Die Bruderschaftsfeier bei derNosen-
kr a nzbru d e r sch a ft war die gewöhn-
liche mit Prozessionen an den Monats-
sonntagen und Hauplfesteu. Anno 1784
kaufte der Pfarrer von Schwarzach die
zur marianischen Prozession gehörigen Ge-
räte von der aufgehobenen Nosenkranz-
bruderschaft zu Waldsee (näher oben).
Für die verstorbenen Mitglieder wurden
jährlich vier heilige Messen gelesen, deren
Betrag ans den der Kirchenpflege zu-
sließenden Opfern bestritten wurde; ein
eigener Fonds war nicht vorhanden (so
1819). 1824 meint der Pfarrer, wenn
keine Prozessionen mehr gehalten werden
dürfen, werde die Bruderschaft in Bälde
eingehen, auch die andere, denn die Opfer
werden anfhören. 1825 wurden keine
Büchlein und Zettel mehr ausgeteilt. 1827
wurden noch Prozessionen gehalten, dann
horten sie ans. Die Bruderschaft bestand
noch 1840 nach der neuen Kirchenordnnng
mit dem Titularfest an Mariä Lichtmeß.
Die Heiligkreuz - Bruderschaft
war damals im Kampf unterlegen. Bei
den Prozessionen an den Festen des heiligen
Kreuzes wurde der Krenzpartikel herum-
getrageu (noch 1827). Sie hatte eben-
falls keinen eigenen Fonds; aber von den
abfallenden Opfern wurden für die ver-
storbenen Mitglieder jährlich drei heilige
Messen gelesen. Heiligkreuz-Büchlein
wurden 1825 nicht mehr ansgeteilt, und
1827 heißt cs: die Bruderschaften kommen
ganz in Abgang. Während jedoch die
Nosenkranzbruderschaft wieder erneuert
wurde, mußte die Heiligkreuz-Bruderschaft
damals weichen; außerordentliche Gottes-
dienste waren nach einem Bericht von 1826
mit ihr nicht verbunden.
Die beiden Bruderschaften hatten nicht
alle Parochianen abgehalten, nach aus-
wärts zu laufen; wenigstens waren 1825

einige an fremden Bruderschaften beteiligt.
Einzelne waren in Schussenried und
Mich elwin naden eingeschrieben.
W inter stet t e n d o r f und - statt.
Winterstettendorf war noch ca. 1580
eine eigene, dem Stift Schussenried inkor-
porierte Pfarrei, später jedoch ohne Pfarr-
sitz, welcher 1811 wieder hieher verlegt
wurde. In W i n t e r st e t te nst a t t, früher
Filial von Unteressendors, war eine Kap-
tanei, bis anno 1809 auch hier eine
Pfarrei errichtet wurde. Bon Bruder-
schaften wissen die beiderseitigen Pfarr-
berichte 1818—1833 bezw. 1845 nichts.
Doch waren (fast) alle Einwohner in den
Bruderschaften von Schussenried und
Unteressendors, viele auch zu Miche l-
winuaden eingeschrieben. So ließen sich
anno 1816 36 Personen ans Winter-
stettenstatt zu Michelwinnaden einschreiben.
W o l f e g g.
Als der Kampf gegen die Bruderschaften
entbrannte, gab es zu Wolfegg noch drei
kanonisch eriichtete Bruderschaften, die sich
einer großen Verbreitung erfreuten. Die
älteste ist die zu Ehren des hl. Sebastia n.
Dieselbe wurde im Jahr 1590 gestiftet von
der Gräfin Johanna v. Zimmern
(ch 1613), Gemahlin des Grasen Jakob
des Dicken (ch 1589). Weil der Eifer der
Mitglieder allmählich abnahm, wurde die
Bruderschaft anno 1744 zur Zeit der Ne-
gierung des Grafen Joseph Franz unter
Propst Johann Philipp Ernst reformiert
und von Papst Benedikt XIV. mit Ablässen
bereichert. Im Anfang des 19. Jahr-
hunderts ging sie durch die Ungunst der
Zeiten ganz ein, und das Bruderschafts-
Vermögen wurde zur Gründung des herr-
schaftlichen Schulfonds verwendet. In-
folge der Ausscheidung des Kirchenver-
niögenö wurde ihr Vermögen wieder
heransgegeben, sie selbst aber mit Ge-
nehmigung des Bischöflichen Ordinariats
zu Rottenbnrg unterm 30. Juni 1893
wieder eingeführt und bestätigt. Papst
Leo XIII. verlieh ihr unterm 18. Juli
1893 Ablässe, weil die alten als erloschen
anznseheii waren; auch die Brnderschafts-
messen wurden damals wieder geregelt.
Zweck der Bruderschaft ist (nach dem
neuen VrnderschaftSzettel), durch die Für-
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